Duderstädter bekommt Bewährungsstrafe für obszöne Briefe an Elfjährige

Göttingen/Duderstadt. Das Landgericht Göttingen hat am Donnerstag einen 64-jährigen Mann aus Duderstadt zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der bereits einschlägig vorbestrafte 64-Jährige hatte 2015 mehrfach am Balkon des gegenüberliegenden Wohnhauses anonyme Briefe deponiert, auf denen er die elfjährige Nachbarstochter zu sexuellen Kontakten aufforderte. Außerdem hatte er das Mädchen und deren Mutter durch anzügliche und obszöne Sprüche und Gesten beleidigt und bedroht.

Der Angeklagte hatte die Nachbarstochter immer wieder durch sein Badezimmerfenster beobachtet. Selbst nachdem er bereits erneut unter Anklage stand, soll er die Familie weiter belästigt haben. Seine Nachstellungen hätten gravierende Folgen gehabt, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Das Nachbarsmädchen leide bis heute unter Schlafstörungen und habe Angst, allein rauszugehen. Außerdem sei es in ein anderes Zimmer umgezogen, um nicht mehr den Blicken des Angeklagten ausgesetzt zu sein. Die ganze Familie sei von diesen Einschränkungen und psychischen Auswirkungen betroffen.

Verminderte Schuldfähigkeit

Das Gericht entsprach mit seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Die Kammer ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Der Angeklagte habe bei seinen Taten unter Alkoholeinfluss gestanden. Ein psychiatrischer Gutachter hatte ihm zudem eine Persönlichkeitsstörung und eine deutlich unterdurchschnittliche Intelligenz attestiert.

Da eine frühere Geldstrafe wegen ähnlicher Delikte offenbar nichts bewirkt hatte, sei eine Freiheitsstrafe dringend geboten, sagte Kalde. Das Gericht erteilte dem 64-Jährigen strenge Auflagen. Er muss sich unter anderem drei Jahre lang der Aufsicht eines Bewährungshelfers unterstellen und innerhalb von zwölf Monaten 120 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Für jede geleistete Stunde zahlt der Göttinger Opferentschädigungsverein „Ausgleich“ acht Euro an das betroffene Mädchen, insgesamt 960 Euro.

Sexualtherapie

Dem Angeklagten ist außerdem jegliche unbeobachtete Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen sowie der betroffenen Nachbarsfamilie untersagt. Er darf keine fremden Kinder beherbergen und keine Orte aufsuchen, an denen sich Kinder aufhalten. Außerdem muss er sich um eine sexualtherapeutische Beratung und Behandlung bemühen. (pid)

Rubriklistenbild: © Schlegel

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