Mädchen erlebt Phantasiewelt

Im Dunkel der Schatten: 1500 Besucher bei „Shadowland" in Göttingen

Streit in der Küche: Die Darsteller der Gruppe Pilobolus bei ihrer Show „Shadowland“. Foto: Donny/nh

Göttingen. 1500 Besucher haben sich in der Lokhalle „Shadowland" angesehen. Die Tanzgruppe Pilobolus zeichnete mit Projektor und Leinwand eine düstere Welt der Schatten.

Eine junge Frau legt sich ins Bett, Wellen des Schlafes ziehen sie federleicht, fast schwimmend durch die Luft, getragen von akrobatischen Tänzern. Als sich die Leinwand auf der Bühne dreht, ist das Mädchen einer Phantasiewelt ausgesetzt, der es nichts entgegenzusetzen hat als jugendliche Neugier. Aus dem Nichts erscheint eine Riesenhand, verwandelt das Mädchen in einen Hund, dessen Schatten die Schauspielerin darstellt, indem sie hinter der Leinwand ihren Ellenbogen an den Kopf hält. Im Laufe der Reise begegnet sie einem riesigen Kopf, der sie verschluckt, ausspuckt, dann in Akrobaten zerfällt, die den Schattenkopf geformt hatten. All das untermalen Singer/Songwriter-Stücke des Komponisten David Poe, eher begleitend als dominierend.

Nachdem das Mädchen einen Kochtopf mit Ananas gefüttert hat, trifft es Köche, die bei der Zubereitung ihres Gerichtes (ein Stiefel, eine Ratte, ein Telefon) in Streit geraten. Eine Verfolgungsjagd beginnt, dann landen alle im Topf, das Mädchen kann flüchten.

Bis zu diesem Moment hielt sich das Publikum mit Applaus eher zurück, wohl Ausdruck für die Faszination der Mischung aus Schatten, Akrobatik, Ballett und Musik. Schon die Gäste der Oscar-Verleihung 2007 hat die Gruppe beeindruckt und bei „Wetten Dass“ ihr Können präsentiert. Doch das Publikum bekommt seine Chance, große Begeisterung zu zeigen. Als die Hauptdarstellerin auf Schultern und Körpern ihrer Kollegen läuft, wie auf einer lebendigen Brücke, stützt sie sich auf zwei Arme, die sie zwei Meter weit über die Bühne werfen, um dann aufgefangen zu werden, als sei sie ein Blatt Papier. Dieses Stadium des Erwachsenwerdens, die Auseinandersetzung mit dem anderen Geschlecht, spielen die Tänzer mit großer Ästhetik. Auch die Begegnung mit einem Zentauren zeigt das, der sich in zwei Männer verwandelt. Auch bei diesem Tanz scheint es, als würde die Frau durch Arme und Hände gleiten, wie eine Feder, von Anstrengung keine Spur. Überraschend war die Nacktheit der Szene: Einer der Männer zieht der jungen Frau zu Beginn des Tanzes das Nachthemd aus, die daraufhin nur noch im Slip tanzt, wie ihre männlichen Kollegen. Dennoch wirkt die Szene völlig frei von Sexualität, zu überwältigend die Ästhetik der fast mechanischen Präzision von Tänzern und Choreographie. Zu Recht werden die neun Frauen und Männer der Formation am Ende mit Applaus nur so überschüttet.

Amélie Rübcke von Veltheim hat die Show gefallen: „Ich habe am Anfang noch versucht, die Entstehung der Figuren nachzuvollziehen. Aber schon nach kurzer Zeit wurde ich automatisch in die phantastische Welt der Hauptdarstellerin gezogen“. Auch Richard Rosenberger ist begeistert: „Die Show war verspielt und detailverliebt und das Spiel mit dem Licht - einfach beeindruckend.“

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