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Durchsuchung von Werder-Fans: Einsatz in Wolfsburg darf kein Vorbild sein

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Von: Thomas Kopietz

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Normale Begeisterung: Fans von Werder Bremen mit Schals im Wolfsburger Stadion.
Normale Begeisterung: Fans von Werder Bremen mit Schals im Wolfsburger Stadion. © Swen Pförtner/dpa

Durchsuchungen von Werder-Fans beim Bundesligaspiel am Samstag (06.08.2022) werfen Fragen auf. Grüne im Landtag und die Bremer Bürgerschaft fordern Infos ein.

Göttingen/Bremen – Der Umgang der Polizei mit Fans des SV Werder Bremen am Samstag (06.08.2022) vor dem Bundesligaspiel in Wolfsburg mit Durchsuchungen und Personalienfeststellungen sowie Aufenthaltsverboten geht in die Verlängerung. Die Grünen-Fraktionen im niedersächsischen Landtag und die Bremer Bürgerschaft fordern mehr Informationen über die Hintergründe des Polizeieinsatzes ein.

Werder-Ultras hatten es danach vorgezogen, auf den Besuch im Wolfsburger Stadion zu verzichten, waren nach Bremen zurückgefahren.

Fußballfans, auch Ultras, des SV Werder Bremen gelten in Fachkreisen als gemäßigt – begeisterungsfähig, aber friedlich. Die beim Spiel in Wolfsburg eingesetzten Polizisten vor dem Bundesliga-Spiel am vergangenen Samstag hatten offensichtlich andere Infos: Sie griffen die anreisenden Ultras der Grün-Weißen am Bahnhof in einer Kontrollstelle ab und behandelten sie wie Täter. Das Resultat ist bekannt. Die Fans kehrten um. Und die Polizei – auch das Innenministerium in Hannover samt Ressortchef Boris Pistorius – ernteten Kritik von vielen Seiten.

Pistorius reagierte, wenn auch mit Verzögerung am Dienstag, kündigte an, dass das Geschehen in Wolfsburg aufgearbeitet werden müsse. „Das werden wir sorgfältig tun“, kündigte der Minister an. „Ich habe ein großes Interesse daran, Sicherheit in den Stadien zu gewährleisten.“ Es sei befürchtet worden, dass Werder Fans massiv Pyrotechnik im Stadion zünden wollten, so Pistorius.

Gleichzeitig räumte der Innenminister ein, „dass man möglicherweise nicht alles so hätte machen müssen und vor allem hätte man es besser kommunizieren müssen, als es geschehen ist“.

Die Grünen im Landtag in Hannover freilich wundern sich noch immer über das rigorose Vorgehen der Polizisten, von denen manche selbst erstaunt gewesen sein sollen, wie zu hören war. Die Göttinger Abgeordnete und sport- sowie polizeipolitische Sprecherin Marie Kollenrott bezeichnet das Vorgehen der Polizei in Wolfsburg „durchaus als überzogen“ und sagt auch warum: Die Fans der Gastmannschaft Werder Bremen hätten „einen durchaus guten und friedfertigen Ruf“. Eine Einschätzung, die von vielen geteilt wird und bei Fußballfan Kollenrott auch auf eigener Erfahrung fußt: Sie ist Anhängerin von Göttingen 05 und eben Werder Bremen, was aber ihren klaren Blick auf die Anhänger des Klubs nicht trübe, wie sie gegenüber unserer Zeitung sagte.

Unverständlich sei auch, dass die Begegnung VfL Wolfsburg gegen Werder Bremen als „Rot-Spiel“, also Hoch-Risiko-Partie, von den Behörden eingestuft wurde. Laut Innenministerium sei das auch schon in zwei Spielzeiten zuvor so geschehen. In Experten-Kreisen sorgt das für Kopfschütteln, angesichts der Gleichsetzung dieser Partie mit wirklich brisanten Begegnungen zwischen Hannover 96 und Eintracht Braunschweig sowie Wolfsburg und Braunschweig.

Ein Mann mit Erfahrung, Clemens Fritz, Ex-Profi und Leiter Profi-Fußball bei Werder, kommt zu dem Schluss: „Wenn man die letzten Jahre nimmt, war es immer ruhig.“ Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald hatte das Spiel im Vorfeld in Bezug auf das Sicherheitsrisiko gar als „grün“ bewertet, wie die FAZ meldete. „Wenn ein Fußballspiel von den Vereinen vorab als unbedenklich eingestuft wird, wundert es schon sehr, dass Fans dann so massiv kontrolliert werden“, sagt Björn Fecker, Grünen-Fraktionschef in der Bremer Bürgerschaft. „Wir wollen deshalb vom Senat wissen, inwieweit die Polizei Bremen im Vorfeld in die Maßnahmen der Polizei Wolfsburg eingebunden war.

Bleiben also Fragen zur Einschätzung und zum Vorgehen der Polizei. Die stellen nun die Grünen der jeweiligen Fraktionen an die niedersächsische Landesregierung und den Bremer Senat. Hinnehmen wolle man das Ereignis so jedenfalls nicht. „Wir sind gespannt auf die Antworten“, sagt Kollenrott.

Zu klären sei insbesondere, ob die Polizei Bremen ebenfalls von einem massiven Einsatz von Pyrotechnik durch Werder-Fans ausging und das der Wolfsburger Polizei mitgeteilt hatte. Die Grünen Kollenrott und Fecker sind sich landesübergreifend einig: „Für die kommenden Spieltage darf der Polizeieinsatz in Wolfsburg kein Vorbild für andere Städte werden. Bei ganz normalen Spielen muss es möglich sein, dass sich auch Gästefans in der Stadt frei bewegen können, ohne wie Schwerkriminelle behandelt zu werden.“ (Thomas Kopietz)

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