Diagnose-System vorgestellt

Von Göttinger Forschern: Ebola-Schnelltest im Koffer

Göttingen. Göttinger Wissenschaftler haben einen Ebola-Schnelltest im Koffer entwickelt. Am Donnerstag stellten sie das einfache und preiswerte System vor.

Dieses wird ab Mitte Januar in Guinea im Feldversuch erprobt.

Der Erfinder des Diagnosekoffers, Dr. Ahmed Abd El Wahed, führte den Schnelltest auf dem Freigelände der Deutschen Primatenzentrum GmbH (DPZ) in Göttingen vor. Erkrankte, die sich möglicherweise mit dem lebensbedrohlichen Ebola-Virus infiziert haben, müssen lediglich eine Speichelprobe abgeben. Nach nur zwei bis maximal 15 Minuten steht das Ergebnis fest. Nach Waheds Angaben liegt die Treffsicherheit bei einem negativen Ergebnis bei 100 Prozent, bei einem positiven Test bei 98 Prozent. So lässt sich vor Ort schnell und sicher feststellen, ob ein Patient mit den typischen Grippe-Symptomen wirklich an Ebola leidet und sofort isoliert werden muss oder ob er vielleicht „nur“ Malaria hat.

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„Eine frühere Diagnose der Ebolavirus-Infektion wird zur effektiveren Viruskontrolle führen, da das Gesundheitspersonal Ebolapatienten damit schneller identifizieren und isolieren kann“, erläutert Dr. Christiane Stahl-Hennig als Leiterin der Abteilung Infektionsmodelle am DPZ.

Das Labor im Koffer wird mit Solarstrom betrieben und verwendet Reagenzien, die nicht gekühlt werden müssen. Damit entfiele der lange und problematische Transport der Probe in eines der wenigen 25.000 Euro teuren Zentrallabors, die es in Westafrika gibt. Außerdem dauert es dort drei Stunden bis zum Testergebnis.

Der mit 4000 Euro preiswertere Diagnosekoffer reicht für 100 Schnelltests, ehe er neu gefüllt werden muss. Er könnte nicht nur in abgelegenen Dörfern, sondern auch auf Flughäfen und in Grenzstationen zum Einsatz kommen.

Dr. Wahed fliegt nächste Woche nach Dakar, um ärztliches Personal im Umgang mit dem Diagnosekoffer zu trainieren. In einem dreimonatigen Feldversuch werden zwei Koffer in Guinea getestet, im folgenden Quartal drei weitere Koffer.

Ende des Jahres könnte der Koffer in die Serienproduktion gehen – wenn sich ein Investor finden lässt. Der ist bisher noch nicht in Sicht, bedauert DPZ-Geschäftsführer Michael Lankeit. Möglicherweise erhöhen sich die Chancen mit Blick auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Koffers. Mit anderen Reagenzien bestückt taugt er auch als Schnelltest für Infektionen durch andere Viren wie zum Beispiel den Vogelgrippe-Erreger H7N9. (p)

Rubriklistenbild: © Papenheim

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