Edith-Stein-Preis: Dank für Engagement für Flüchtlinge

Bei der Preisverleihung: (von links) Bischof Trelle mit den Leitern des Migrationszentrums, Dana Gaef und Zeliha Karaboya, sowie Göttingens Bürgermeister Wilhelm Gerhardy. Foto: Lawrenz

Göttingen. Zum Festsaal wurde die Paulinerkirche für die Verleihung des Edith-Stein-Preis: Hildesheims Bischof Norbert Trelle und das Migrationszentrum Göttingen im Diakonieverband sind für ihr beispielhaftes Engagement für Migranten und Flüchtlinge ausgezeichnet worden.

Während der Feierstunde trug sich der Bischof ins Goldene Buch der Stadt Göttingen ein. Die Preisverleihung falle in eine schwere Zeit für das Bistum Hildesheim, sagte Heiner Willen, Vorsitzender des Edith-Stein-Kreises, beim Festakt. Gerade vor dem Wochenende waren mutmaßliche sexuelle Übergriffe des früheren Bischofs von Hildesheim, Heinrich Maria Janssen, an die Öffentlichkeit gedrungen. Nun gelte es, präventiv dagegen zu wirken, sagte Willen vor mehr als 200 Gästen.

In seiner Einführung zeichnete er das Leben Edith Steins nach und schilderte ihre Flucht vor den Nazis bis zu ihrer Ermordung in Auschwitz. Für sein großes Engagement für Migranten und die Sorge für Menschen auf der Flucht erhielt Trelle die Auszeichnung. Als „Leuchtturm für die Menschenwürde“ sei das bilinguale Migrationszentrum für den Preis ausgewählt worden.

Kluge und mutige Frau

„An Edith Stein, diese großartige, kluge und mutige Frau, erinnern in Göttingen eine Vielzahl von Orten“, sagte Göttingens Bürgermeister Wilhelm Gerhardy. Hinzu gekommen ist die Edith-Stein-Statue von Michael Marggraf in der St. Michaelskirche, die Trelle am Nachmittag gesegnet hatte.

Einfühlung und Empathie wurden zu Schlüsselworten in der Laudatio auf die Preisträger von Professor Jürgen Manemann vom Forschungsinstitut für Philosophie in Hannover. Denn mit Einfühlung hatte sich Edith Stein in ihrer Dissertation als Philosophin beschäftigt. „Wer gegen Flüchtlinge hetzt, der hat die Kirche gegen sich“, zitierte Manemann Trelles Worte. Das Preisgeld, jeweils 2500 Euro, will der Bischof an die Malteser Migranten Medizin weitergeben. Dort bekommen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und ohne Krankenversicherung medizinische Versorgung.

100 Ehrenamtliche

Mit 100 Ehrenamtlichen bemühe sich das Zentrum für Migration in Göttingen, den Flüchtlingen nach ihren schrecklichen Erlebnissen eine neue Heimat zu geben, sagte Zeliha Karaboya – mit ihrem Kollegen Dana Gaefs leitet sie das multilinguale Zentrum. Dort geht das Preisgeld in die Kinderbetreuung. Sie sei wichtig, um den neu angekommenen Menschen Freiraum für Sprachkurse und Behördengänge zu verschaffen.

Gerade die Wohlhabenden hätten die Pflicht, ihre Tür zu öffnen und zu teilen, sagte Karaboya. Sie plädierte dafür, nicht von Flüchtlingskrise zu sprechen, sondern die „Krise“ vielmehr als Chance zu sehen.

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