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Ehemaliger Direktor der Uni-Kinderklinik wurde 84 Jahre alt

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Von: Thomas Kopietz

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Am 9. Mai 2022 gestorben: Prof. Dr. Folker Hanefeld, ehemaliger Direktor der Kinderklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG).
Am 9. Mai 2022 gestorben: Prof. Dr. Folker Hanefeld, ehemaliger Direktor der Kinderklinik der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). © UMG/Markus Hertwig/nh

Er forschte zu MS bei Kindern und erhielt für seine Arbeit das Bundesverdienstkreuz. Nun ist der Kindermediziner Folker Hanefeld im alte alter von 84 Jahren verstorben.

Göttingen – Der ehemalige Direktor der Abteilung Kinderheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), Prof. Dr. Folker Hanefeld ist am 9. Mai im Alter von 84 Jahren verstorben.

„Die UMG trauert um einen leidenschaftlichen Neuropädiater, engagierten Arzt und Hochschullehrer sowie national und international renommierten Wissenschaftler. Die UMG wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, heißt es in einem Nachruf.

Hanefeld, geboren in Meißen, war 1985 dem Ruf nach Göttingen auf eine Professur für Kinderheilkunde, Schwerpunkt Neuropädiatrie gefolgt. Er leitete die damals neu eingerichtete gleichnamige Abteilung bis zu seiner Emeritierung 2002. Hanefeld war Ehrendoktor der Uni Göteborg (Schweden).

MS gelangte wieder ins Bewusstsein von Kinderärzten

Ende der 80er-Jahre war Hanefeld mit unter den ersten Forschern, die die MS bei Kindern entdeckten. Er war initiativ an einer bundesweiten Studie beteiligt, die Ende der 1990er ergab, dass MS-Symptome, wie Seh- und Gleichgewichtsstörungen und Lähmungen bereits bei sehr jungen Kindern auftreten können.

Die MS gelangte in den Folgejahren so wieder in das Bewusstsein von Kinderärzte und die Neuropädiatrie der UMG entwickelte sich zu einem bis heute bundesweit bekannten Kompetenzzentrum für die Diagnose und Therapie von MS im Kindes- und Jugendalter.

Hanefeld hat von Göttingen aus „entscheidend die deutsche und europäische Neuropädiatrie mitgestaltet.

UMG entwickelte sich zu Referenzzentrum

Im Vordergrund seines wissenschaftlichen Interesses standen die neuromuskulären Erkrankungen des Kindes- und Jugendalters, das Rett-Syndrom, die kindliche Multiple Sklerose (MS) sowie neurometabolische Erkrankungen und Entmarkungserkrankungen des Gehirns (Leukodystrophien)“.

Die Abteilung Kinderheilkunde, Schwerpunkt Neuropädiatrie der UMG habe sich unter Leitung von Hanefeld „zu einem Referenzzentrum für angeborene Stoffwechselerkrankungen des Gehirns, Muskelerkrankungen, schwere Epilepsien, geistige Behinderungen und Fehlbildungen des Gehirns entwickelt“.

Ehrenpreis der Gesellschaft für Neuropädiatrie

Dabei arbeitete er eng mit der Neuropathologie, Neurochirurgie und Humangenetik der UMG sowie mit der Forschungsgruppe Biomedizinische NMR und MR Spektroskopie am Göttinger Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie zusammen.

An einem MPI hatte Hanefeld auch gearbeitet: von 1963 bis 1965 am MPI für Hirnforschung in Köln. Dort übrigens hatte er auch Medizin studiert.

2001 erhielt er den Ehrenpreis der Gesellschaft für Neuropädiatrie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Neuropädiatrie.

Höchste Auszeichnung für den Verdienst um das Gemeinwohl

Die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM) würdigte das Lebenswerk und die Verdienste 2003 mit dem Duchenne-Erb-Preises. Die Auszeichnung ging erstmals an einen deutschen Pädiater.

2019 erhielt Hanefeld mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande die höchste Auszeichnung für Verdienste um das Gemeinwohl. (Thomas Kopietz)

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