„Widersprich mir, dafür wirst du bezahlt!“

Ehemaliger Verfassungsrichter Ernst Mahrenholz erhält Niedersächsische Landesmedaille

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90 Jahre und noch kein bisschen leise: Ernst Mahrenholz, hier in seinem Haus in Hannover, wurde am Montag mit der Niedersächsischen Landesmedaille geehrt.

Vor einer Woche feierte er seinen 90. Geburtstag, am Montagabend wurde er nun mit der Niedersächsischen Landesmedaille ausgezeichnet: Der in Göttingen geborene Jurist Prof. Dr. Ernst Gottfried Mahrenholz erlebt gerade die Würdigung einer großen Karriere – als Jurist und Politiker.

Das hob auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bei der Überreichung der höchsten Auszeichnung des Landes am Montag hervor. Die Niedersächsische Landesmedaille bekommt Mahrenholz „für seine Verdienste als Verfassungsrichter, herausragender Rechtswissenschaftler und für sein ehrenamtliches Engagement“, wie die Landesregierung mitteilte.

Der Weltverbesserer

Am 18. Juni 1929 kam Ernst Gottfried Mahrenholz in Göttingen zur Welt. Dort studierte er ab 1948 Theologie, Psychologie und Philosophie. „Ich wollte die Welt verbessern“, sagte er kürzlich in einem Interview anlässlich seines 90. Geburtstages. Doch bald sattelte er auf Jura um, ihn reizten die Gesetze: „Das, was wirklich gilt.“ So studierte er Rechtswissenschaften an den Universitäten Tübingen und Göttingen.

Kurz zuvor, 1950, war er in die SPD eingetreten – und ist bis heute überzeugter Sozialdemokrat. Der erste niedersächsische Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) gewann ihn für die Politik. „Eine Art christlicher Sozi“ – so beschreibt Mahrenholz den charismatischen Landesvater. 1960 wurde der Jurist Kopfs persönlicher Referent. Ein Satz des Ministerpräsidenten habe ihn besonders geprägt: „Widersprich mir, dafür wirst du bezahlt!“

Der Querdenker

Mit diesem Motto im Hinterkopf arbeitete Mahrenholz später als Verwaltungsbeamter, Rechtsanwalt, Landtagsabgeordneter, Leiter der Staatskanzlei und Kultusminister. Der heutige Ministerpräsident Weil würdigt Mahrenholz als „hochintelligenten Querdenker mit dem Herz am rechten Fleck“.

1967 wurde Mahrenholz zum Direktor des NDR-Funkhauses in Hannover gewählt. „Weil ich im Rundfunkrat gelegentlich den Mund aufmachte“, wie er heute mit einem Schmunzeln sagt. Er setzte sich für die Weiterentwicklung des Hannoveraner Rundfunkorchesters zum Symphonie-Orchester ein. Klassische Musik zählt neben moderner Kunst bis heute zu Mahrenholz’ Leidenschaften.

Der Verfassungsrichter

Die letzte und wichtigste Etappe seiner Karriere führte den Juristen nach Karlsruhe. 13 Jahre lang, von 1981 bis 1994, war er als Richter am Bundesverfassungsgericht tätig, ab 1987 als Vizepräsident. Urteile zum Schwangerschaftsabbruch, zur Kriegsdienstverweigerung und zur Stationierung von Mittelstreckenraketen hat er mitverantwortet.

Auch nach seiner Pensionierung schaltet sich Mahrenholz in öffentliche Diskussionen ein. So sprach er sich entschieden dafür aus, dass muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch unterrichten dürfen. Die Schüler könnten so die „Vielfalt des geistigen Lebens“ kennenlernen, sagt Mahrenholz. „Wir müssen lernen, mit anderen Auffassungen umzugehen. Für mich gehört das zum Respekt vor der Menschenwürde.“ (mit epd)

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