Spezielle Prothesen aus Deutschland halfen

Ehemann hackte Frau in Afrika Hände ab: Unterstützung von Göttinger Verein

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Finanzielle Hilfe aus Südniedersachsen: Angélica Saavedra (links) vom Verein „Nachhaltig gegen Hunger“ mit einem Bild von Alimatou und ihrer Mutter (rechts).

Göttingen. Alimatou Bamba ist 18 Jahre alt und hat keine Hände mehr.

Weil ihre Familie von der Elfenbeinküste sehr arm ist, wurde sie im Alter von 13 Jahren mit einem wesentlich älteren Mann verheiratet. Da das Mädchen jeglichen sexuellen Kontakt zu ihm ablehnte, hackte er ihr beide Hände ab. Nur durch Zufall wurde sie lebend gefunden.

Als die Mitglieder des Göttinger Vereins „Nachhaltig gegen Hunger“ von Alimatous Schicksal hörten, boten sie direkt ihre Unterstützung an, erzählt die Vorsitzende Angélica Saavedra. Der Verein versorgt die 18-Jährige mit dem an der Elfenbeinküste erforderlichen Geld für ihr Leben, monatlich gut 250 Euro. Davon könne Alimatou sogar noch etwas sparen. Ein katholischer Priester verwalte den Betrag, schildert Saavedra das Verfahren.

Mit ihrer Mutter zog das Mädchen aus dem Dorf in die Stadt. In Abidjan, ehemals Hauptstadt der Elfenbeinküste, konnten Prothesen aus Deutschland für sie angepasst werden. Doch nach fünf Jahren passten diese nicht mehr. Alimatou sei nie gut mit ihnen zurechtgekommen, weiß Saavedra, die sich um das Mädchen kümmert.

Als Saavedra von der Göttinger Forschung bei Professor Dario Farina las, griff sie gleich zum Telefon: Die Abteilung arbeitet an der Entwicklung von Prothesen, die komplexe Bewegungen ausführen und intuitiv gesteuert werden können. Der erste Prototyp ist eine Handprothese, die die Wissenschaftler mit dem weltweit führenden Prothesenhersteller Ottobock in Duderstadt entwickelt haben. Saavedra erzählte den Entwicklern die schreckliche Geschichte. Als Versuchsperson konnte das „Mädchen ohne Hände“ im Sommer 2015 für sechs Wochen nach Göttingen kommen.

Mit dem Geld, was sie dabei verdiente, kaufte Alimatou eine Nähmaschine. Dazu bekam sie eine Overlock-Nähmaschine, sie wurde aus Spendengeldern finanziert. „Damit will sie einen Nähsalon eröffnen“, sagt Saavedra. Denn das große Ziel der jungen Frau sei es, unabhängig von fremder Hilfe zu werden. Dass dies möglich ist, davon ist Saavedra überzeugt. Erstaunlich gut komme Alimatou mit ihrer Behinderung zurecht.

Mit ihren Stümpfen kann sie fast alles. Sie isst mit einer Manschette, die sie um den Stumpf spannt. Dafür schiebt sie zum Beispiel eine Gabel in vorgefertigte Löcher, sie halten die Gabel und ersetzen die Finger.

Zweiter Besuch in Göttingen?

Alimatou ist in der Klosterschule, die sie besucht, inzwischen Klassenbeste. In vier Jahren will sie ihr Abitur ablegen. Gerade hat sie das zweite Mal die Klasse übersprungen. Die junge Frau möchte Sozialarbeiterin werden. Vielleicht kann sie auf ihrem Weg dorthin ein zweites Mal nach Göttingen kommen. Laut Verein überlegen die Wissenschaftler, Alimatou mit der zweiten Generation der Handprothesen zu versorgen.

Mehr Infos zum Verein: www.nagehu.org

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