Staatsanwalt wirft Angeklagten versuchten Mord vor

Ehemann wegen Giftanschlägen auf seine Ehefrau vor Gericht

Göttingen. Weil er versucht haben soll, seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit Quecksilber und Blei zu vergiften, muss sich seit Freitag ein 44-jähriger Immobilienkaufmann vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten unter anderem versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Der 45-Jährige habe heimtückisch und aus Habgier gehandelt, sagte Staatsanwältin Annika Beyer. Er habe seine Ehefrau töten wollen, um sich den hohen Zahlungsverpflichtungen zu entziehen, die er bei der zu erwartenden Scheidung im Rahmen des Zugewinnausgleichs zu leisten hätte. Nach Angaben des Angeklagten ist die Ehe seit diesem Dienstag geschieden.

Die Polizei hatte den 44-Jährigen vor genau einem halben Jahr festgenommen, seitdem sitzt er in der Justizvollzugsanstalt Rosdorf in Untersuchungshaft. Laut Anklage soll er die Giftanschläge zwischen Mai und Oktober 2014 verübt haben. Der 44-Jährige habe in dem einstigen gemeinsamen Wohnhaus in einem Ortsteil von Bovenden, in dem seine Ehefrau seit der Trennung allein lebte, Quecksilberkügelchen verteilt – im Ventilator des Backofens, im Toaster sowie auf den Heizkörpern in mehreren Zimmern. Außerdem habe er mit einer Spritze Quecksilberkügelchen in die Lüftungsschächte ihrer beiden Autos eingebracht. Die 38-jährige Ehefrau sei dadurch über einen längeren Zeitraum giftigen Quecksilberdämpfen ausgesetzt gewesen.

Außerdem soll der Angeklagte Weinflaschen mit von ihm selbst hergestelltem Bleiacetat versetzt haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ging er dabei ausgesprochen perfide vor: Nachdem seine Ehefrau von einem Urlaub zurückgekehrt war, habe er sich als besonders fürsorglich präsentiert und der Weinliebhaberin von ihren Lieblingsweinen angeboten. Als die nichtsahnende Ehefrau im Juli vergangenen Jahres erstmals wegen unerklärlicher Symptome ins Krankenhaus musste, habe er sie unter dem Deckmantel vermeintlicher Fürsorge mit Säften versorgt, die er ebenfalls mit Bleiacetat versetzt habe.

Die 38-Jährige litt in Folge der monatelangen Schwermetallbelastung unter erheblichen gesundheitlichen Schäden. Neben Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen waren dies starke Magen- und Darmkrämpfe, ständiges Erbrechen, Antriebs-, Appetit- und Schlaflosigkeit sowie Leberschäden. Innerhalb kurzer Zeit verlor sie 15 Kilogramm Gewicht. Es sei zu befürchten, dass sie irreparable Schäden davongetragen habe, sagte die Staatsanwältin.

Bei der Festnahme des Ehemannes entdeckten Polizeibeamte Waffen, für die er keine Genehmigung hatte. Er ist deshalb auch wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz angeklagt. Seine Verteidiger kündigten an, dass sie am nächsten Verhandlungstag eine Einlassung abgeben werde.

Von Heidi Niemann

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