Gegen den Rechtsruck

Ein Abend mit Hüther und Wecker: Forscher trifft auf Künstler

+
Sang ein Lied gegen die AfD: Konstantin Wecker hat „Stilles Glück, trautes Heim“ bereits vor 20 Jahren geschrieben.  

Göttingen. Hirnforscher trifft auf Künstler für den Frieden: Ergebnis der Begegnung vom Neurobiologen Gerald Hüther mit dem engagierten Liedermacher Konstantin Wecker in der Göttinger Universitätsaula am Wilhelmsplatz war ein mitreißender Abend gegen den Rechtsruck und ein Plädoyer für Liebe unter den Menschen.

In der fast schon übervollen Universitätsaula am Wilhelmsplatz sitzen viele, die die 68er als junge Menschen miterlebt haben. Mit seiner Liedfigur Willy an der Seite kämpft Wecker wie damals gegen rechtes Gedankengut, gegen den Neoliberalismus. „Gaulands Vogelschiss ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, wendet er sich gegen die AfD.“ Mit dem Spruch „Hitler und die Nazis“ seien „nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, hatte sich der AfD-Chef eine Strafanzeige eingehandelt. „Lasst uns jetzt zusammenstehen“, appellierte Wecker an das Publikum. Mit Liedern und Gedichten von seinen Anfängen setzte er sich für eine bessere Welt ein.

„Jeder Begegnung wohnt ein Zauber inne“ – mit dieser Überschrift für den besonderen Abend rief Hüther die Zuhörer dazu auf, daran zu arbeiten, „dass wir uns wieder begegnen“. Er halte es nicht mehr länger aus, still dabei zuzusehen, wie eine „irregeleitete Spezies“ dabei sei, ihr Lebensumfeld zu zerstören. Die Menschen müssten sich aus ihrer Verstrickung in falsche Ziele weiter „ent-wickeln“. Es brauche Poeten wie Konstantin Wecker, den Menschen zu helfen, „sich wieder selbst zu spüren.“

Hüther beschrieb das männliche Streben nach gesellschaftlicher Anerkennung als ein Grundproblem und hielt ein Plädoyer für mehr Zärtlichkeit und Liebe. Eine ergreifende Liebeserklärung machte Wecker seinem verstorbenen Vater. „Du hattest Größe, ich hatte Glück“, gedachte er des erfolglosen Opernsängers und spielte eine Tonbandaufnahme vor, in der er selbst die Rolle der Violetta mit seinem Vater als Alfredo in Verdis Oper „La Traviata“ gesungen hatte.

Gegen die AfD sang Wecker das Lied „Stilles Glück, trautes Heim“, das er vor 20 Jahren geschrieben habe, als es die Partei noch gar nicht gab: Mit Erschrecken habe er feststellen müssen, dass seine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit heute noch aktuell seien.

Friedenspreis für Wecker

Für sein Engagement gegen rechte Gewalt ist Wecker im März 2018 mit dem Göttinger Friedenspreis ausgezeichnet worden. Mit dem Konzert mit Hüther, zu dem einige von weither angereist waren – ein Paar kam aus der Gegend um Münster –, wolle er sich für diese Auszeichnung bedanken. Mitgebracht hatte er eine Überraschung: Der Kölner Jazz-Geiger Edzard Model begleitete ihn bei dem Song „Was mir der Wind erzählt“. Bei einem Konzert des Liedermachers in Köln habe er sich bei diesem Lied zum zweiten Mal in seine Frau verliebt, hatte Model an Konstantin Wecker geschrieben.

Für gut zweieinhalb Stunden voller Begegnungen auch im Publikum spendeten die Zuhörer Standing Ovations und entließen Konstantin Wecker nicht ohne Zugabe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.