Interview mit Kabarettistin Sia Korthaus

„Ein Bewusstsein bekommt man erst, wenn man mal das Bewusstsein verloren hat“

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Kabarettistin mit Schauspiel- und Gesangsausbildung: Sia Korthaus lebt alle Facetten ihrer Persönlichkeit gerne auf der Bühne aus, so auch Anfang April in Göttingen.

Göttingen. „Lust auf Laster“ ist der Titel des Programms, mit dem Kabarettistin Sia Korthaus gerade durch Deutschland tourt. Am 6. April um 20.15 Uhr tritt Korthaus im Göttinger Apex auf. Wir haben uns mit der sympathischen Wahl-Kölnerin unterhalten.

I hr aktuelles Programm heißt „Lust auf Laster“. Ist das ein Appell, zu seinen eigenen Lastern zu stehen?

Sia Korthaus: Auf jeden Fall. In meinem Programm reiße ich die sieben Laster des Abendlandes – die auch als sieben Todsünden bekannt sind – grob ab. Manche beleuchte ich etwas näher, andere lasse ich eher außen vor. Auch die kleinen Laster des Alltags kommen natürlich vor.

Gibt es ein Laster, das Sie besonders sympathisch finden?

Korthaus: (lacht) Ich komme mit meinen eigenen Lastern ganz gut klar. Zu Hause habe ich eine kleine Schnapssammlung, die ich natürlich nur hervorhole, wenn Gäste kommen ... Wenn ich auf Tournee bin, nehme ich mir schon mal eine Flasche eines regional-bekannten Schnaps’ mit. Jeder hat seine kleinen Laster. In meinem Bühnenprogramm spiele ich verschiedene Figuren, unter anderem die Figur einer älteren Dame, die sehr freizügig von ihren sexuellen Eskapaden aus ihrer Jugendzeit erzählt. Sie trinkt auch viel und sagt: Ein Bewusstsein bekommt man erst, wenn man mal das Bewusstsein verloren hat.

Sie sind in Westfalen aufgewachsen und wohnen jetzt im Rheinland. Sind die Unterschiede zwischen den Menschen dort tatsächlich so groß oder ist das ein Gerücht?

Korthaus: Die Unterschiede sind sehr groß. Westfalen sind ein wenig ruhiger und gucken sich alles erst mal an. Der Rheinländer lacht schon mal schneller. Von der Mentalität her bin ich eine geborene Rheinländerin: sehr offen, tolerant, feierwütig .... Köln war schon immer meine Wahlheimat und jetzt lebe ich schon seit 21 Jahren hier.

Die Mentalität hier in der Region ist ja eher mit der westfälischen zu vergleichen ...

Korthaus: Ich habe schon ein paar Mal in Göttingen gespielt und muss sagen: Es kamen sehr früh gute Reaktionen vom Publikum. Ich spiele sehr gerne in Göttingen.

Sie haben eine Schauspiel- und Gesangsausbildung gemacht. Gibt es Planungen, noch einmal als Theaterschauspielerin aufzutreten?

Korthaus: Ich habe einige Jahre lang Theater gespielt, habe im Moment aber gar keine Zeit dafür. Ich könnte mir vorstellen, im Sommer mal in eine Freilicht-Produktion zu gehen. Finanziell ist das Theaterspielen aber reine Liebhaberei. Kabarett ist genau mein Ding. Der Reiz ist, dass man auf der Bühne alles ausleben kann, was in einem steckt. Es macht mir Spaß, Menschen zum Lachen und zum Nachdenken zu bringen. Ich möchte die Menschen berühren, in jeglicher Form. Außerdem habe ich gerne direkten Kontakt zu den Zuschauern. Ich sehe mein Publikum und deren Reaktionen gerne.

Mit den Schauspiel- und Gesangseinlagen ist auch ein gewisser Anspruch verbunden ...

Korthaus: Mir ist es wichtig, dass ich nicht in irgendeine Schublade gesteckt werde. Ich glaube schon, dass ich mit meinen Programmen alle Menschen erreiche. Kabarett-Zuschauer bringen ja auch ein gewisses Grund-Interesse mit. Zur Schenkelklopfer-Fraktion gehöre ich aber nicht, auch wenn ich manchmal einfach nur Quatsch erzähle.

Vor Ihrer Bühnen-Karriere haben Sie Sozial- und Theaterpädagogik studiert. Ist das ein Bereich, in dem Sie später vielleicht wieder tätig sein wollen?

Korthaus: Ich habe ganz früher Kinder-und Jugendtheater gemacht. Anderthalb Jahre habe ich eine Theatergruppe an einem Mädchengymnasium geleitet. Es war toll, zu sehen, wie engagiert die Mädchen alle waren. Im Moment habe ich aber wirklich gut zu tun, worum ich auch froh bin. Aber ich könnte mir vorstellen, irgendwann mal mit älteren Leuten Theater zu spielen. Wir haben hier in Köln ein Ensemble mit älteren Leuten und ich war bei einigen Vorstellungen. Das fand ich wirklich toll.

Zur Person

Sia Korthaus (49), geboren 1968 in Gevelsberg (Westfalen) ist eine deutsche Kabarettistin. Aufgewachsen ist sie in Ennepetal. Nach ihrem Studium der Sozialpädagogik mit dem Schwerpunkt Theaterpädagogik (1989 bis 1992) nahm sie Schauspiel- und Gesangsunterricht. Seit 1996 tritt Korthaus mit Solo-Programmen bundesweit auf. Seit 2008 ist die Wahl-Kölnerin Mitglied der Alternativen Karnevalssitzung „Pink Punk Pantheon“ im Bonner Pantheon-Theater.

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