BUNDESTAGS-KANDIDATEN Dr. Thomas Goes (Linke)

Ein Kämpfer für soziale Reformen hofft auf viele Stimmen

Göttingen – Das Thema soziale Gerechtigkeit beschäftigt Dr. Thomas Goes schon viele Jahre. „Ich war immer ein Linker“, sagt der 41-Jährige, der für Die Linke im Wahlkreis 53 um das Direktmandat für den Bundestag kämpft.

Zwei konkrete Ereignisse haben für ihn den Anstoß zum Mitmachen in der Politik gegeben: die Ausschreitungen gegen Ausländer in Rostock-Lichtenhagen am 26. August 1992 sowie Feuerwerkskörper, die Nazis auf das Haus eines Lehrers abschossen haben. Mit dem Ende seines Soziologie- und Geschichtsstudiums war für den Familienvater klar, dass er Mitglied einer Partei werden wollte, die die Interessen der abhängig Beschäftigten vertritt.

„Mit der Agenda 2010 war für mich die SPD gestorben“, macht Goes deutlich.Auch die Grünen kamen für ihn nicht in Frage – wegen der Zustimmung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Also trat er 2007 in die Linke ein.

„Ich möchte etwas bewegen“, sagt er heute. „Die unteren 30 Prozent der Bevölkerung haben so gut wie nichts. Man kommt da nicht raus.“ Deshalb fordert er Mindestsicherung, die deutlich über den Hartz-IV-Satz liegt und Antworten auf die soziale Krise in der Bevölkerung. Dazu gehört für den Wissenschaftler auch eine Neuordnung des Arbeitsrechts. Alle sachgrundlosen Befristungen und die Leiharbeit möchte er abschaffen´„Ich habe das Glück, einen dauerhaften Vertrag zu haben“, bekennt der Mitarbeiter des renommierten Soziologischen Forschungsinstitutes (SOFI) Göttingen. I

mmer mehr Beschäftigte sind hingegen von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen: „Da ist die Familienplanung schwierig.“ Denkbar ist für ihn ein sozialer Schutzschild mit Beschäftigungs-, Lohn- und Weiterbildungsgarantien. Das ist aus seiner Sicht eine Voraussetzung für den dringend notwendigen ökologischen Umbau der Wirtschaft samt Klimaschutz.

Reformen will er auch beim Thema Wohnen durchsetzen: Dazu gehören ein bundesweiter Mietendeckel, der Vorrang für kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbau sowie eine lange Sozial- und Mietpreisbindung. Die Automobilindustrie möchte er zum Mobilitätsanbieter machen und den öffentlichen Personennahverkehr ausbauen – damit man auch auf dem Dorf mobil sein kann.

Zufrieden ist Goes mit dem Haustürwahlkampf. Jeden Samstag nimmt er sich einen Stadtteil vor. „Ich führe dabei viele gute Gespräche und kann dabei mit Vorurteilen aufräumen.“

Gleichzeitig spürt er den Bürgern eine große Enttäuschung über die Parteien, die mehr als 20 Jahre regiert haben. „Deutschland geht es besser, aber davon kommt bei vielen nichts an. Das frustriert viele Wähler“, spürt Goes. Die Vorhaben, das Direktmandat zu gewinnen, ist natürlich ambitioniert. „Aber man geht auf den Platz um gewinnen.“

Auf der Landesliste ist er nicht vertreten: „Es geht mir stattdessen darum, dass die Linke im Stadtbild sichtbar ist.“ Seine Hoffnungen setzt Goes auf jüngere Mitstreiter, die ihn begleiten. Er hofft, dass sie zukünftig Verantwortung übernehmen wollen. Denn der Göttinger ist sich sicher: „Es gibt eine Mehrheit für linke Politik.“ (Bernd Schlegel)

Wie sehen Sie den Wahlkreis jetzt?

Unser Wahlkreis ist schön und lebenswert. Aber: Die Mieten sind zu hoch, es gibt auch bei uns Altersarmut und Niedriglohnarbeit, es fehlen Krankenhäuser in öffentlicher Hand und ausreichend Pflegepersonal. Beim Klimaschutz ist viel Luft nach oben.

Wo sehen Sie den Wahlkreis in fünf Jahren?

Die regierende Linke hat mit 13 Euro Mindestlohn und Mindestrente die Armut bei uns bekämpft. Unsere Ausgaben haben neue Jobs geschaffen, z.B. gut bezahlt in der Pflege. Die Mietenexplosion haben wir durch Mietendeckel und Wohnungsbau gestoppt.

Was muss dringend im Wahlkreis passieren?

Wir müssen den Nahverkehr ausbauen und möglichst kostenlos machen – als Beitrag zum Klimaschutz. Der Investitionsstau im Öffentlichen Dienst muss beendet werden, zum Beispiel für mehr Kitaplätze.

Den vielen Kulturschaffenden muss geholfen werden.

Dr. Thomas Goes (41) kam in Aurich in Ostfriesland zur Welt und studierte Soziologie, Geschichte und Politikwissenschaften an der Universität Oldenburg. Von 2007 bis 2009 war er Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaften der Uni Göttingen. Weitere Stationen führten ihn unter anderem an die Universitäten Jena und Trier, bevor er Ende 2015 Mitarbeiter am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) Göttingen wurde. Seine Promotion schrieb er über Arbeitssoziologie. Regelmäßig übernimmt der Wissenschaftler Lehraufgaben an der Uni Göttingen. Goes hat einen Sohn (10) sowie eine Tochter (neun Monate) und wohnt mit seiner Lebensgefährtin in Göttingen. (bsc)

Dr. Thomas Goes kandidiert für die Linke bei der Bundestagswahl - hier steht er im Alten Botanischen Garten in Göttingen

Rubriklistenbild: © Bernd Schlegel

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