Mit prominenten Gästen

Ein Kinosaal voller Nostalgie beim Heinz Erhardt-Filmabend in Göttingen

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Gesprächsrunde im voll besetzten größten Kinosaal Südniedersachsens: Moderator Thomas Kopietz (rechts) mit den Talk-Gästen (von links) Patrick L. Schmitz, Kornelia Boje, Michael Petzel und Wolf-Dieter Bleyer.

Beim Heinz Erhardt-Abend wurde nicht nur der Filmklassiker "Natürlich die Autofahrer" gezeigt. Es gab auch angeregte Diskussionsrunden mit prominenten Gästen zu Göttingen als Filmstadt.

Gedränge an der Kinokasse, beim Einlass staut sich die Menschenmenge: Sie alle wollen zum Heinz Erhardt Film- und Diskussionsabend, den Sven Schreivogel vom Filmbüro im Cinemaxx Göttingen organisiert hat. Laut Veranstalter war der größte Kinosaal Südniedersachsens ausverkauft. 

Präsentiert wurde der Abend rund um Heinz Erhardts Filmklassiker „Natürlich die Autofahrer“ von der HNA anlässlich der Erstaufführung des Films am 20. August 1959.

Für nostalgische Gefühle sorgte gleich zu Beginn der Göttinger Polizeichor. Mit seiner Interpretation des Titelsongs „Seid doch nett zueinander“ versetzte er die Gäste zurück in die 1950er Jahre.

Kurze aber intensive Vorbereitung: Follrich Gans (rechts) vom Polizeichor Göttingen schaute sich "Natürlich die Autofahrer" am Dienstag gleich zwei Mal an.

 „Ich habe mir den Film heute extra angesehen, damit ich das Lied noch einmal höre“, sagte Follrich Gans, Geschäftsführer des Männerchors. Viel Zeit zum Proben gab es für die Sänger nicht, denn Anfang September steht ein großes Konzert an.

Vorfreude war besonders von den Zeitzeugen spürbar

Schon vor Beginn des Films war die Vorfreude bei den Besuchern zwischen 8 und 88 greifbar. Es waren auch einige Gäste gekommen, die die Dreharbeiten in Göttingen – der deutschen Filmstadt der 50er – damals hautnah miterleben durften. 

Sie schwelgten in Erinnerungen. So wie Ute Schütt: „Ich war mit meinen Klassenkameraden als Komparsin bei den Dreharbeiten zum Film ‘Witwer mit fünf Töchtern’ dabei.“ Die 77-jährige Göttingerin hegt seitdem eine ganz besondere Beziehung zu Heinz Erhardt-Filmen, sagt sie. „Wenn wir Klassentreffen haben, erinnern wir uns immer gerne an den Drehtag.“ Schließlich fiel damals der Unterricht aus und jeder bekam 5 D-Mark.

Zuschauerin und Zeitzeugin Ute Schütt spielte als Komparsin in Erhardts Streifen "Witwer und fünf Töchter" mit. 

Als nach zwei Gesprächsrunden der 80-minütige Schwarz-Weiß-Streifen über die Kino-Leinwand flimmerte, erreichte die Stimmung im voll besetzten Kinsosaal Nummer 3 schnell ihren Höhepunkt. Die Zuschauer steckten sich gegenseitig mit einer Lachsalve nach der anderen an.

Das riss auch Gäste mit, die zum ersten Mal einen Heinz-Erhardt-Film sahen. So wie Johanne Trapp. Die 18-jährige Hamburgerin war zusammen mit ihrer Oma Anne Henne gekommen. Die Göttingerin findet es wichtig, dass die Erinnerung an die Filmstadt Göttingen und die damaligen Stars wie Dieter Borsche, Curd Jürgens, Maria Schell oder eben Heinz Erhardt am Leben erhalten wird.

„Es war ein toller Abend mit einer super Stimmung. Es gibt schon einen Grund dafür, dass Heinz Erhardt nicht vergessen wird“, sagte die Göttinger Schauspielerin Natalie O’Hara (“Der Bergdoktor“) nach der besonderen Vorstellung.

Wird Göttingen zum Hollywood an der Leine 2.0?

Vor Beginn des Films „Natürlich die Autofahrer“ gab es zudem zwei prominent besetzte Diskussionsrunden über die historische Filmstadt Göttingen sowie über die Chancen für einen Neustart als Drehort. 

Letzteres war ein Grund für die Sondervorführung des Heinz-Erhardt-Klassikers. Das Filmbüro Göttingen um Sven Schreivogel will die Leinestadt wieder als Film- oder besser Serienkulisse etablieren. 

Prominente Gäste bei den Diskussionsrunden

Moderiert wurden die Gesprächsrunden vom Göttinger HNA-Redaktionsleiter Thomas Kopietz. Mit dabei waren die Schauspielerinnen Katja Frenzel („Rote Rosen“) und Natalie O’Hara („Der Bergdoktor“) sowie der Medienwissenschaftler Dr. Stefan Zimmermann und Christian Ewald (Geschäftsführer Knockwood-Film Göttingen). 

Außerdem saß auch der Schüler Tim Asch auf dem Podium, der bei der TV-Show „Klein gegen Groß“ kürzlich mit seinem Heinz Erhardt-Wissen begeisterte. 

Göttingen bietet Potenzial für einen Drehort

Die Talk-Gäste sehen in Göttingen großes Potenzial als Drehort. Standortvorteile bietet die geografische Lage mit guter ICE-Anbindung zwischen den großen „Filmstädten“ Hamburg, Berlin, München und Köln, sagte Natalie O’Hara. So könne sich der CO2-Fußabdruck umweltbewusster Schauspieler, die oft mit dem Flugzeug unterwegs sind, verringern. 

Zudem sei Göttingen durch „tolle Kulissen“ als Drehort ein „Schmuckstück“, betonte Christian Ewald. Aus Erfahrung kennt er auch die unkomplizierten Genehmigungswege sowie die dem Film besonders aufgeschlossenen Bürger in Göttingen. 

Außerdem würden durch regelmäßige Drehs Arbeitsplätze geschaffen und Touristen angezogen, warf Katja Frenzel ein. Sie hatte auch ihren Lebensgefährten Patrick Caputo mitgebracht. 

Der Regisseur der ARD-Serie „Rote Rosen“ saß zwar nicht auf dem Podium, er kann sich offenbar aber gut vorstellen, regelmäßig in Göttingen zu drehen. Vorbild könnte Lüneburg sein, das als Kulisse für die Telenovela „Rote Rosen“ dient und so zum Magnet für Filmtouristen geworden ist. 

Schauspieler Patrick L. Schmitz amüsierte die Gäste als Heinz Erhardt-Imitator.

Auch Tobias Schrader, Autor der „Göttinger Sieben“, der ebenfalls im Publikum saß, steht der Idee „Filmstadt Göttingen 2.0“ sehr aufgeschlossen gegenüber: „Architektonisch bietet die Stadt sehr viel und auch das Umland ist sehr schön.“ 

Vor der „Initiative Drehort Göttingen“ war Heinz Erhardt, der acht Spielfilme im „Hollywood an der Leine“ drehte, Gesprächsthema Nummer eins. Schauspielerin Kornelia Boje, der Leiter des Karl-May-Archivs Göttingen und Autor Michael Petzel, Film-Fan und -sammler Wolf-Dieter Bleyer aus Roringen sowie Schauspieler und Erhardt-Imitator Patrick L. Schmitz diskutierten dabei auch über die Vergangenheit Göttingens als Filmstadt der Nachkriegszeit. 

Gemeinsamer Filmeklassiker-Abend mit der Oma: Anne Henne (links) mit Enkelin Johanne im Cinemaxx.

Besucherin Anne Henne wohnte damals in der Nähe der Filmstudios. Sie erinnert sich mit einem Schmunzeln an die aufregende Zeit: „Als junges Mädchen hat man schon heimlich gehofft, dass man entdeckt wird von den Schauspielern.“

Ein Kinosaal voller Nostalgie beim Heinz-Erhardt-Filmabend in Göttingen

Sondervorstellung Natürlich die Autofahrer mit Heinz Erhardt im Cinemaxx Göttingen. Organisiert vom Filmbüro Göttingen und präsentiert von der HNA Foto: Stefan Rampfel ysr
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Sondervorstellung Natürlich die Autofahrer mit Heinz Erhardt Cinemaxx Göttingen Filmbüro Göttingen HNA Foto: Stefan Rampfel ysr
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