Otfried-Müller-Haus wird umgebaut

Ein Kulturhaus öffnet sich wieder zum Wochenmarktplatz

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Soll jetzt saniert werden: Der Rat machte den Weg für das Projekt Otfried-Müller-Haus am Wochenmarktplatz/Ecke Hospitalstrapße frei. Sechs Millionen Euro kostet das Projekt, das am Ende auch alte Traditionen aufnehmen will und sich zum Platz öffnet.  

Göttingen. Das städtische Otfried-Müller-Haus in Göttingen, Heim des Jungen Theaters (JT) und Kulturzentrums KAZ, wird saniert und umgebaut. Das hat der Rat beschlossen.

Einstimmig und ohne Diskussion machte der Rat den Weg für das Projekt, das sechs Millionen Euro kosten soll, frei. Der Bund übernimmt die Hälfte der Kosten und hat das bereits im November 2016 bestätigt. Das Geld kommt aus dem Haushalt der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien. Die andere Hälfte muss die Stadt Göttingen tragen.

Bis 2019 sollen die Arbeiten beendet sein. Während der Sanierung und des Umbaus könnten das JT und das KAZ in der Voigt-Schule eine vorübergehende Heimat finden.

Das Gebäude soll teilweise erweitert werden, auch um mehr Platz für die Nutzer und die Begegnung zu schaffen. Gleichzeitig können nach dem Umbau andere Kulturveranstalter die Einrichtungen des Hauses nutzen. Ein Beispiel: im FAZ arbeitende Flüchtlings- und Migrantengruppen. Sie können mit dem Theater neue Veranstaltungsformate entwickeln.

Das Otfried-Müller-Haus solle künftig zum zentralen kulturellen Treffpunkt in der Innenstadt werden, die Spielstätte des JT auch zum Wochenmarktplatz geöffnet werden. Dafür wird eine Außenbühne mit entsprechender Technik entstehen, zum Beispiel für Theater- und Filmvorführungen. Gleichzeitig wird der Eingang zum Wochenmarkt hin verlegt. Das schafft laut Stadt auch mehr Platz für die Kulturarbeit.

Kurzum: Theater und KAZ wollen gemeinsam den Wochenmarktplatz für eine neue kulturelle Nutzung erschließen. Interessant: Mit dieser Öffnung und Außenbühne würde man an die Tradition des OMH und an das Bespielen des heutigen Wochenmarktplatzes anknüpfen: Nach dem Zweiten Weltkrieg – während und zwischen den Kriegen war das Haus auch Lazarett, Jugendherberge und Domizil für die Hitlerjugend gewesen – wurden im Großen Saal die Kammerspiele, eine kleinere Schauspielbühne des Deutschen Theaters, eingerichtet. Den Namen Kammerspiele übernahm dann ein kommerzielles Kino. Es verfügte im Anbau über zwei Säle, den alten Saal und den ehemaligen Speisesaal. Im Juli 1950 wurde dann auf dem Platz das erste Freilichtkino Westdeutschlands, mit etwa 1000 Sitzplätzen eingerichtet.

1975 stellte die Stadt dem JT mit dem Intendanten Hans-Gunther Klein die Räume im Otfried-Müller-Haus zur Verfügung und begann mit dem Umbau. Es wurde so auch Heimstätte von freien Gruppen, die sich zu einer Planungsgruppe für ein „Kommunikations-und Aktionszentrum (KAZ)“ zusammengeschlossen hatten.

Beide Nutzer werden nun maßgeblich am Konzept des „neuen“ OMH mitarbeiten und die Historie im Auge behalten. 

Hintergrund: Otfried-Müller-Haus

Das denkmalgeschützte Otfried-Müller-Haus (OMH) steht auf den ältesten Bereichen der Stadt Göttingen, die vor Verleihung der Stadtrechte ein Dorf mit dem Namen Gutingi war, gleichzeitig am Rande des jüngsten Platzes in der Altstadt.

Das Haus wurde 1836 von Baumeister Christian Friedrich Andreas Rohns als Wohnhaus errichtet. Es sollte zunächst Karl Otfried Müller (1797-1840), dem Altphilologen und Begründer der Klassischen Archäologie und Alten Geschichte, als Domizil dienen. Müller zeichnete die Skizze für das Gebäude.

Der Bauherr bezeichnete den Stil humorvoll als „griechisch-schlesisch“. Im Ergebnis entstand ein klassizistischer Bau, der schon damals als ungewöhnlich galt und heute noch als baugeschichtlich bemerkenswert eingestuft wird.

Nach Müllers Tod wechselten die Nutzungen des Hauses stetig. 1903 wurde das Haus an die Stadt verkauft.

Es ist das einzige unter Denkmalschutz stehendem klassizistische Gebäude in der ansonsten mittelalterlich geprägten Innenstadt Göttingens. Das OMH hat damit eine besondere baukulturelle Bedeutung.

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