Galeriegebäude fußt auf alter Idee

Ein Kunsthaus für alle in der Göttinger Innenstadt

Monumentales Bauwerk: Das Kunsthaus inmitten von Fachwerkhäusern
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Monumentales Bauwerk: Das Kunsthaus inmitten von Fachwerkhäusern in der Düsteren Straße, rechts das Günter-Grass-Archiv.

Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken. 

Göttingen – Symbolisiert durch die Übergabe eines überdimensionalen Schlüssels wurde es am Montag nach zweieinhalb Jahren Bauzeit in die Hände der Betreiber gelegt.

Das hochmoderne Ausstellungsgebäude Kunsthaus ist fertig und kostete rund sechs Millionen Euro, davon kamen 4,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm Nationale Projekte des Städtebaus und eine Million Euro als Spende von Ottobock-Chef Hans Georg Näder. Die Stadt steuerte 500 000 Euro bei, auch, weil das Kunsthaus zentraler Bestandteil des wachsenden Kunstquartiers ist. Für Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler, der sich wie die Stadtverwaltung während der Planungsphase kräftiger Kritik ausgesetzt sah, ist das Kunstquartier eine Chance zur Entwicklung „hin zu einer lebendigen Stadt“ – auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten. „Die Frage ist doch, wie gehen wir mit unseren Innenstädten um, auch nach Corona. Das Kunsthaus bringt die Stadt voran.“ Es sei ein „wichtiger Anker“ im Konzept, so Köhler. Das Kunsthaus kann zudem kostenlos besucht werden. Dafür sorgt fünf Jahre lang der Hauptsponsor Sartorius. Finanziert werden auch Bildungsprojekte und Workshops für junge Menschen im Kunsthaus. Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg sieht das „Kunstquartier samt Kunsthaus als „ein Geschenk“ für die Stadt „Wir sind happy, das erleben zu können.“

In der Galerie mit ihren drei Ausstellungsebenen soll „zeitgenössische Kunst mit internationalem Anspruch zu sehen sein, wie Verleger und Kunsthaus-Ideengeber Gerhard Steidl sagt, vor allem Fotografien, Plakate, Drucke, Zeichnungen und Bücher. Es ist so kein Zufall, dass Steidl für die Premieren-Ausstellung die New Yorker Weltklasse-Künstlerin Roni Horn gewinnen konnte. Horn steht mit ihren Arbeiten für das Kunsthauskonzept. Start ist am Freitag, 14. Mai. (Thomas Kopietz)

Was 50 Jahre währt: Wie das Projekt entstand

Manchmal dauert es fünf Jahrzehnte, bis ein Traum Wirklichkeit wird – und dann sorgt eine Pandemie auch noch für weitere Verzögerungen: Für den Ideengeber und Begleiter des Projektes Göttinger Kunsthaus, Gerhard Steidl, aber spielt die Verzögerung der Eröffnung von 2020 auf 2021 keine Rolle. Steidl hatte es gelernt, warten zu können, und dennoch die Idee eines Galeriegebäuses für Weltklasse-Kunst in seiner Heimatstadt Göttingen nie zu verwerfen – trotz oft mangelnder Unterstützung.

Stadt an Betreiber: Schlüsselübergabe für das Kunsthaus von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (3.von links) an Alfons von Uslar (Geschäftsführer). Von links: Dr. Joachim Kreuzburg (Sartorius-Vorstandschef, Gerhard Steidl (Gründungsdirektor), Petra Broistedt (Kulturdezernentin), Mark C. Schneider (Ottobock-Sprecher) und Dorle Meyer (Geschäftsleiterin.

Jetzt steht das – zugegeben etwas dominant wirkende viergeschossige Kunsthaus – inmitten der Düsteren Straße, angrenzend an zwei der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt. Eines davon ist das schmächtig wirkende Günter-Grass-Archiv, finanziert und ausgebaut von Gerhard Steidl, der wiederum eine Wand weiter in seiner Druckerei hochwertige Bücher herstellt, als einziger noch produzierender Betrieb in der Göttinger Altstadt.

Der Plan für ein Galeriehaus in Steidls Kopf wuchs fast zwangsläufig weiter, auch weil er weltweit über herausragende Kontakte zu Autoren und Künstlern verfügt, zudem Ausstellungen und Präsentationen von Lagerfeld gestaltete.

Seit 2008 mit der Entwicklung des „Sanierungsgebiets südliche Innenstadt“ durch die Stadt bekam das Flämmchen wieder Zugluft, wurde zu einer Flamme, auch weil Steidl weitere Unterstützer fand, so Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und den im Herbst 2020 früh verstorbenen SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Oppermann, der in Berlin Geld locker machte. „Ohne die 4,5 Millionen Euro vom Bund aus dem Programm „NationaleProjekte des Städtebaus“ wäre das Kunsthaus nicht finanzierbar gewesen“, bekennt Köhler. Eine sich auftuende Finanzierungslücke schüttete ein weiterer Kunst-Förderer aus der Region mit einer satten Füllung zu: Ottobock-Chef Prof. Hans Georg Näder gab eine Million Euro, auch, weil er Gerhard Steidl und dessen Arbeit wertschätzt: Er sei Steidl dankbar, dass dieser beharrlich „Kunst und Kultur beflügelt, mitunter gegen Widerstände“ – es mache ihm Freude, das zu unterstützen.

Ähnlich sieht es auch Dr. Joachim Kreuzburg. Der Sartorius-Vorstandschef, der auch sich auch privat als Kulturförderer engagiert, ist überzeugt, dass die Unterstützung des Kunsthauses und Finanzierung von Eintritt für alle Besucher sowie Bildungsangebote einen großen Effekt haben werde. „Wir haben deshalb mit Überzeugung sofort die Unterstützung zugesagt.“

Ein Kunsthaus für alle in der Göttinger Innenstadt

Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva
Kunsthaus Göttingen
Die Uni-Stadt hat ein moderndes Galeriegebäude von internationalem Format. Das neue viergeschossige Göttinger Kunsthaus steht aber nicht irgendwo auf der grünen Wiese, sondern in der Düsteren Straße im historischen Stadtkern, soll die City beleben und Gäste anlocken.  © Alciro Thedoro da Silva

Gerhard Steidl wiederum ist ein überzeugter Förderer der Göttinger Innenstadt. Schon 1973 wusste er: „Kunst gehört ins Stadtzentrum und nicht in eine Industriebrache.“ Damals habe er mit einigen Freunden mit dem Göttinger Kunstmarkt in und um die Stadthalle für ein Konzept wie das Kunstquartier geübt. „Dass es 50 Jahre gedauert hat, ist kein Nachteil“, sagt er mit dem ureigenen verschmitzen Humor. Das Kunsthaus wiederum sei „eine Rakete im künftigen Feuerwerk Kunstquartier“. Letztlich, so Steidl, gehe es auch darum, in der Innenstadt mit Kreativität Existenzen zu ermöglichen und zu fördern.

Besonders berührt ist Steidl, der bereits internationales Interesse für das Projekt festgestellt hat, aber von einem unscheinbaren Häuschen im noch zu gestaltenden Garten des Kunsthauses. Sein Freund und großartiger Künstler von Weltruf, Jim Dine, hat dort einen Pavillon gestaltet, der ist ein Kunstwerk samt wandgeschriebenen Gedichtszeilen und Skulpturen: „Poet Singing – the Flowering Sheets“. Dort schließt sich Steidl manchmal ein, genießt die Stille, eine „fast sakrale Atmosphäre“. All das können bald auch Besucher erleben.

Für das Kunsthaus übrigens stehen bisher die Ausstellungen von Roni Horn „You are the Weather“ und die der südafrikanischen Künstler Banele Khoza und Santu Mofokeng fest.

Zu sehen sein wird bald eine Videoproduktion von Sebastian Stumpf über den Bau des Kunsthauses, das als einstiger Traum nun nach 50 Jahren Realität geworden ist. Weitere Infos zum Kunsthaus gibt es hier. (Thomas Kopietz)

Hintergrund: Göttinger Kunstquartier und Kunsthaus 

Die Kunsthaus gGmbH mit Geschäftsführer Alfons von Uslar und Geschäftsleiterin Dorle Meyer betreibt die Galerie. Gerhard Steidl ist der Gründungsdirektor, Ute Eskildsen die Gründungskuratorin und Joshua Chang der Gastkurator. Das von den Leipziger Architekten Atelier ST geplante Haus hat drei Ausstellungsebenen mit je 120 Quadrameter-Räumen sowie modernster Klimatechnik. Jährlich sollen dort vier Ausstellungen laufen. Im Innenhof steht der Jim-Dine-Pavillon. (tko)

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