Forscher weisen erstmals rötliche Farbspuren nach

Ein Mausfossil mit rotem Fell aus der Tongrube Willershausen

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Ungewöhnlich gut erhalten: Das drei Millionen Jahre alte Maus-Fossil.

Willershausen/Göttingen. Ein internationales Forscherteam konnte mit bislang einzigartiger Präzision die Pigmentierung der Mausart „Apodemus atavus“ bestimmen. Das Fossil wurde in der Tongrube Willershausen gefunden.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat bei der Untersuchung eines drei Millionen Jahre alten Mausfossils aus der Tongrube Willershausen einen wichtigen Durchbruch erzielt: Mit speziellen Röntgentechniken und neuen bildgebenden Methoden gelang es ihnen, erstmals in einem Tierfossil chemische Spuren von roten Pigmenten zu finden. Dies war mit bisherigen Techniken nicht möglich. Die Studie ergab, dass die Maus aus Willershausen auf dem Rücken und an den Seiten eine braune bis rötliche Fellfärbung hatte, die Bauchunterseite war dagegen weiß.

Röntgenbild des Maus-Fossils: Dank neuer Verfahren konnte ein internationales Forscherteam braune bis rötliche Farbpigmente nachweisen.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht („Pheomelanin pigment remnants mapped in fossils of an extinct mammal“). Das internationale Forscherteam unter Leitung von Phillip L. Manning von der University of Manchester weist in dem Artikel darauf hin, dass diese neuen Erkenntnisse auch deshalb möglich wurden, weil das untersuchte Mausfossil aus Willershausen so außergewöhnlich gut erhalten ist. Selbst kleinste Strukturen wie einzelne Härchen sind deutlich erkennbar.

Die fossile Maus, die vermutlich ertrunken ist, gehört zur Sammlung des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen. Dort befinden sich auch mehr als 50 000 weitere Fossilien aus der Tongrube, die ebenfalls in einem hervorragenden Zustand sind.

Dies liege an dem Sediment, in dem sie eingebettet sind, erklärt Museumsdirektor und Leiter der Abteilung Geobiologie, Professor Dr. Joachim Reitner, in einer Mitteilung des Landkreises Northeim: „Die Fossilien sind unter anaeroben Bedingungen entstanden, das heißt, es gibt sehr wenig Sauerstoff – also auch wenig Oxidation. Unter solchen Bedingungen bleiben viele organische Verbindungen erhalten.“ Dazu zählen Melanine, komplexe organische Moleküle, die den Farbstoff in der Haut oder den Haaren des Körpers bilden. In Form von Eumelanin gibt das Pigment eine schwarze oder dunkelbraune Farbe ab.

Solche Spuren konnte man bereits früher in Fossilien nachweisen. Bei der Untersuchung des Mausfossils aus Willershausen entdeckten die Forscher nun erstmals auch Spuren der zweiten Form, des sogenannten Pheomelanin, das rötliche und gelbe Farbtöne produziert.

„Melanine verkoppeln sich mit bestimmten Elementen, in diesem Fall mit Zink. Da die Verbindung mit Zink und bestimmten Schwefelverbindungen bei der Maus nachgewiesen werden konnte, weiß man, dass das Tier an manchen Stellen ein rötliches Fell hatte“, erläutert Geobiologe Reitner. Die Fossilien aus der Tongrube Willershausen ermöglichen Einblicke in die Lebenswelt, wie sie in der Epoche des Pliozän (von etwa vor 5,3 Millionen Jahren bis vor 2,59 Millionen Jahren) vor dem Anbruch der letzten großen Eiszeit bestand. 

Dr. Alexander Gehlen

„Die Funde sind einzigartig in Mitteleuropa“, erläutert der Kustos des Geowissenschaftlichen Museums der Universität Göttingen, Dr. Alexander Gehler. „Sie bieten das vollständigste Fenster und die letzten Einblicke in die Zeit vor dem großen Artensterben.“ Die Funde zeigen, wie vielfältig die damalige Flora und Fauna war. Unter den Pflanzenfossilien befinden sich beispielsweise Blätter und Früchte von Baumarten, die heute in Asien oder anderen entfernten Regionen heimisch sind.

Bei den Tierfossilien finden sich ebenfalls diverse exotische Arten wie Schnappschildkröten und Riesensalamander, aber auch Teile des Schädels sowie der Stoßzähne eines ausgestorbenen Verwandten des heutigen Elefanten. Foto: Heidi Niemann

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