Neues Mahnmal in Göttingen

Ein Stein für den Widerstand gegen die Nazis

Enthüllten den Gedenkstein für den Widerstand: Göttinger Stadträtin Petra Broistedt und Axel Fette von der EAM, die die Straßenlaterne am Platz des Denkmals entfernen ließ und eine neue neben das Denkmals setzen ließ. Foto. Schaub

Göttingen. Vor der Stadtbibliothek am Johanniskirchhof steht jetzt ein schwarzer Marmorstein. Er erinnert an die Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime.

Kulturdezernentin und Stadträtin Petra Broistedt hat ihn am Mittwochnachmittag mit Axel Fette vom Energienetz Mitte enthüllt.

Im Thomas-Buergenthal-Haus, dem Haus, wo heute die Stadtbibliothek ihren Sitz hat, wurden zur NS-Zeit Widerstandskämpfer festgehalten, es war das städtische Polizeigefängnis.

In seiner Rede führte Dr. Rainer Driever auf, wer am Widerstand beteiligt war – wie er sagt, lange Zeit unbeachtete Widerstandskämpfer: die Zeugen Jehovas und Kommunisten.

Anschaulich erklärt er, wie die Gruppen es schafften, sich im Nazideutschland gegen Hitler auszudrücken, ohne sofort aufzufallen. Er erzählt von einem Koffer, der an der Unterseite mit einem Farbstempel versehen war. Jedes Mal, wenn jemand den Koffer abstellte, hinterließ er auf dem Pflaster den Spruch „Nieder mit Hitler“.

Die Ortsgruppe der KPD tarnte ihre Schriften mit dem Titel „Wie wasche ich mit Persil?“. Auch die Zeugen Jehovas hatten solche Tarnschriften, meistens Modezeitschriften, die sie eine Zeit lang unbehelligt vertreiben konnten. Sie hatten oft irreführende Überschriften und erst, wenn man weiterblätterte, erschloss sich einem der wahre Inhalt.

Rainer Driever

Drievers Arbeit ist das Ergebnis eines zweieinhalbjährigen Forschungsprojektes.

Tatsächlich steht der Stein schon seit Montag, verrät Ronald Grops vom Fachdienst Kultur. Die Vorbereitungen seien nicht einfach gewesen, denn an der Stelle verlaufen Leitungen der Stadt. Auch eine Straßenlampe stand im Weg. Die EAM unterstützte und finanzierte die Entfernung der Lampe und errichtete neben dem Stein eine neue, die ihn im Dunkeln nun auch beleuchten soll.

Die Kosten für das 2,5 Tonnen schwere Denkmal liegen im höheren vierstelligen Bereich, sagt Ronald Grops. Der Göttinger Steinmetz Claus-Dieter Bachmann aus Weende hatte die Ausschreibung dafür gewonnen. (vsa)

• Infos auf der Seite des Stadtarchivs oder dem QR-Code am Boden vor dem Stein.

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