Interview mit Göttinger Polizisten

Einbruchschutz: Viel Licht hilft gegen ungebetene Gäste

Göttingen. Urlaubszeit – Zeit für Einbrecher: Über die Gefahren und darüber, wie man ihnen begegnet, haben Polizeihauptkommissarin Jacqueline Emmermann als Teamleiterin des Präventionsteams und Polizeioberkommissar und Einbruchschutzberater Marko Otte der HNA Auskunft gegeben.

Von 2013 bis 2015 sind die Fallzahlen für Einbrüche massiv gestiegen. Gibt es Gründe dafür?

Jacqueline Emmermann Foto: Privat

Jacqueline Emmermann: Analog zur negativen Entwicklung auf Bundesebene dürften auch für die Region Göttingen mit der Nähe zu den Autobahnen A 7 und A 38 überwiegend überregional agierende Tätergruppen verantwortlich sein. Örtliche Täter werden oft als Konsumenten von Betäubungsmitteln entlarvt. Erfreulich ist die hohe Aufklärungsquote im Inspektionsbereich Göttingen, die von 25,15 Prozent 2014 auf 32,55 Prozent gesteigert wurde und damit deutlich über dem Landesschnitt (22,15 Prozent) liegt.

Gibt es eine optimale Sicherungsmethode?

Marko Otte: Die Sicherung einer Immobilie setzt sich immer aus mehreren Bestandteilen zusammen. Eine hochwertige Eingangstür kann nicht die zusätzliche Sicherung der Terrassentür ersetzen. Was hilft, ist eine aufmerksame Nachbarschaft. Eine Rolle spielt außerdem, wie gut das Objekt ausgeleuchtet ist. Dort wo die Bewohner vor Blicken geschützt sind, sind es auch die Täter.

Wie wirksam ist die oft als Allheilmittel beschworene Zeitschaltung für Licht?

Otte: Wichtig ist, dass das Haus bewohnt wirkt. Briefkästen sollten geleert und Jalousien tagsüber geöffnet werden. Auch ein zweites Klingelschild ist sinnvoll. Eine Zeitschaltuhr kann den Eindruck verstärken, dass das Haus bewohnt ist. Bereits eine Stunde vor Dunkelheit sollte das Licht eingeschaltet werden. Dann erkennt der Täter nicht, wann das Licht wirklich angeht. Zur Bettzeit muss es wieder ausgehen.

Informationsmaterial ist in der Broschüre „Ungebetene Gäste“ bei den Polizeidienststellen erhältlich.

Was sind die häufigsten Fehler in der Einbruchsicherung?

Marko Otte Foto: Privat

Otte: Mit manchen Dingen laden wir die Täter geradezu ein: mit geöffneten oder gekippten Fenstern, nicht abgeschlossenen Türen, schlecht einsehbaren Grundstücke und mehr. Wir empfehlen gern, die Immobilie durch eine Fachfirma begutachten zu lassen.

Können Sie den Lesern die wichtigsten Tipps für die Abfahrt in den Urlaub an die Hand geben?

Emmermann: Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wohnung auch bei längerer Abwesenheit einen bewohnten Eindruck macht. Tauschen Sie mit Ihren Nachbarn Telefonnummern aus, damit Sie im Notfall erreichbar sind. Stellen Sie bewegliche wertvolle Güter an einem sicheren Ort unter.

Verstecken Sie den Haus- oder Ersatzschlüssel niemals draußen unter der Fußmatte oder anderweitigen Gebrauchsgegenständen; Täter kennen alle einschlägigen Verstecke. Sichern oder entfernen Sie sämtliche Einstiegshilfen wie Leitern oder Mülltonnen.

Geben Sie keine Hinweise auf Ihre urlaubsbedingte Abwesenheit über Ihren Anrufbeantworter oder in sozialen Netzwerken. Erstellen Sie vorab eine Liste Ihrer Wertgegenstände und fotografieren Sie diese ab.

Die psychischen Beeinträchtigungen sind oftmals weitreichende als der Sachschaden. Was für Hilfsangebote gibt es? 

Emmermann: Die Polizeiinspektion Göttingen hat in Oktober 2015 eine Kooperation mit dem Weißen Ring geschlossen. Polizeibeamte leiten bei vorliegendem Einverständnis die Kontaktdaten des Opfers von Straftaten direkt an den Weißen Ring weiter. Hierzu zählt auch der Wohnungseinbruch.

Informationen über das breitgefächerte Hilfsangebot gibt es unter www.weisser-ring.de. (zul)

Rubriklistenbild: © dpa

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