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Kreishandwerksmeister Christian Frölich warnt vor Fachkräftemangel

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Von: Michael Caspar

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Zu Gast im städtischen Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Digitalisierung; Kreishandwerksmeister Christian Frölich mit der Ausschussvositzenden, Carina Hermann.
Zu Gast im städtischen Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Digitalisierung; Kreishandwerksmeister Christian Frölich mit der Ausschussvositzenden, Carina Hermann. © Michael Caspar

Der Fachkräftemangel im Handwerk wird sich zukünftig noch erheblich zuspitzen. Dies hat Kreishandwerksmeister Christian Frölich im Wirtschaftsausschuss der Stadt skizziert.

Göttingen – „Allein in der Baubranche geht in den kommenden fünf Jahren ein Viertel der Mitarbeitenden in Ruhestand“, berichtete der Kreishandwerksmeister dem städtischen Ausschuss für Finanzen, Wirtschaft und Digitalisierung. Das stelle die 600 Betriebe der Kreishandwerkerschaft mit ihren etwa 10 000 Mitarbeitenden vor „eine große Herausforderung“. Das könne der Politik nicht gleichgültig sein.

Ein zusätzliches Problem: In der „Stadt, die Wissen schafft“ drängten besonders viele Eltern ihre Kinder zu einem Studium. Durch Kooperation mit dem Felix-Klein-Gymnasium (FKG) und künftig auch mit dem Hainberg-Gymnasium (HG) versuche die Kreishandwerkerschaft gegenzusteuern.

Handwerk bemüht um Studienabbrecher

An der Universität bemühe sich das Handwerk um Studienabbrecher. Frölich appellierte an die Kommunalpolitik, sich dafür einzusetzen, dass das breite Berufsschulangebot in Göttingen, Hann. Münden und Duderstadt erhalten bleibt. Es sei jungen Menschen nicht zumutbar, regelmäßig nach Hannover oder Braunschweig zu fahren.

Auch das im Vergleich zur Industrie vergleichsweise niedrige Lohnniveau thematisierte Frölich. Das Handwerk könne viele Gesellen deswegen nicht auf Dauer halten. Dabei habe es die Bezahlung bereits deutlich angepasst. Das dürfe die Politik nun aber nicht bestrafen. So würden viele öffentliche Aufträge an Firmen aus Thüringen vergeben, wo der Stundenlohn aufgrund anderer Tarifverträge um fünf bis sechs Euro niedriger liege.

Um qualifiziertes Personal zu finden, müsse Südniedersachsen das regionale Fachkräfte-Marketing verbessern, sagte Frölich. Der „Schweißer in Dortmund und der Dachdecker aus Süddeutschland“ sollten bei einer Internetrecherche gleich unter den ersten Treffern auf offene Stellen in der Region Göttingen stoßen. Der Kreishandwerksmeister machte sich auch für die Ausweisung von Gewerbeflächen stark.

Suche nach qualifiziertem Personal

„Viele Kollegen wollen ihre Betriebe erweitern, finden aber in Göttingen keine geeigneten Grundstücke mit einer Größe von 2000 bis 10 000 Quadratmetern“, bedauerte Frölich. Das Oberzentrum müsse tätig werden und könne diese Aufgabe nicht an die Nachbargemeinden Rosdorf und Bovenden delegieren. Das sage er auch als Vorsitzender des Rosdorfer Bauausschusses. Frölich mahnte zudem eine „zügigere Bearbeitung“ von Bauvoranfragen, Bauanträgen und Ausführungsplanungen an.

„Die Göttinger Innenstadt muss für das Handwerk erreichbar bleiben“, wünschte sich Fröhlich. Eine weitere Sperrung von Straßen für den Autoverkehr sei nicht hinnehmbar. Material und Maschinen ließen sich „nicht mit dem Lastenfahrrad“ transportieren. Innenstadtnahe Parkplätze wie auf dem Albaniplatz dürften nicht geopfert werden. (Michael Caspar)

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