Üppiger Applaus bei der Premiere

Eindrucksvoll: „Romeo und Julia“ am DT in Göttingen

Platschnasse Liebe: Anton von Lucke (Romeo) und Felicitas Madl (Julia). Foto: Aurin

Göttingen. Eine Techno-Party bei Shakespeare und eine Verlobung im Planschbecken: Dagmar Schlingmanns moderne Inszenierung von "Romeo und Julia" am Deutschen Theater Göttingen wurde lang beklatscht.

Nie gab es eine Geschichte von größerem Leid als diese, heißt es am Ende von Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“, die am Samstag in einem dichten Dreistundenabend im Deutschen Theater in Göttingen Premiere hatte. Und so ist es.

Das Publikum, das üppig, wenn auch nicht frenetisch applaudierte, sah eine moderne Inszenierung von Dagmar Schlingmann. Sie nahm die junge alte Geschichte ernst und gestaltete zum Teil recht kantige Figuren. Um den Worten des alten Engländers (in der aktualisierten, vom Regieteam punktuell noch vulgarisierten Übersetzung von Frank-Patrick Steckel) ihren Raum zu schaffen, brauchte es keinen Garten, keinen Balkon, keine Gruft (Bühne und Kostüme: Sabine Mader). Links sah man das Haus der Capulets mit Fenstern wie die Buchstaben des Familiennamens, rechts die großen Leuchtbuchstaben „Montague“. Ab dem dritten Akt verringerte eine Querwand die Spielfläche.

Zu Beginn: Techno-Party bei den Capulets. Ein Blick zwischen der jungen Julia und Romeo aus dem verfeindeten Hause Montague schlägt ein wie ein Blitz aus der Diskokugel. An Aktion mangelte es nicht. Die Schlägerei zwischen den jungen Mitgliedern der verfeindeten Familien geriet zur Attraktion, Romeo und Julia verloben sich platschnass in einem Bassin, ein Kabinettstückchen gestaltete Julias Amme (Gaby Dey), die vom geheimen Treffen mit Romeo zurückkehrt.

Doch das Vorrecht des Texts ist nie in Gefahr. Dafür sorgt neben den vielen gut besetzten Nebenrollen vor allem das unglückselige Paar. Mit Anton von Lucke als Romeo und Felicitas Madl als Julia haben die Göttinger zwei Hauptdarsteller, denen man Jugend, Liebe und Aufmüpfigkeit gegen Schicksal und Familienehre von der ersten Sekunde an abnimmt.

Romeo ist schon am Anfang „fertig“ als nachdenklicher Fremdkörper in dem gewaltsamen Tableau (sein Messer wirft er ins Wasser), Julia durchläuft eine atemberaubende Entwicklung vom hüpfenden Kind zur entschlossenen Liebenden, bereit auch zum Tod von eigener Hand.

In der Schlussszene dürfen die beiden einander noch einmal kurz sprechen (bei Shakespeare war Romeo bereits tot, als Julia erwacht). Das ergibt eine zusätzliche Zuspitzung, derer es eigentlich nicht bedurfte. Die Eigenmächtigkeit trübte jedoch einen fabelhaften Theaterabend nicht.

Am Anfang wie am Ende stehen die Veroneser zitternd wie unter Elektroschocks. Die Versöhnung entfällt. Keine Chance gegen das Schicksal.

Wieder am 11. und 21. März. Karten: Tel. 0551 / 4969-11.

Von Johannes Mundry

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