Göttingen: Eine Ausbildung ist kein Abstieg

Konstantin Kuhle (FDP) ist bei der Kreishandwerkerschaft zu Gast

Stehen vor der  Kreishandwerkerschaft: FDP-Bundestagsabgeordneter Konstantin Kuhle tauschte sich mit Geschäftsführer Andreas Gliem (links) und Christian Frölich (Kreishandwerksmeister) aus. Mit dabei: der Jungliberale Iwan Krivov (2. von rechts).
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Besuch bei der Kreishandwerkerschaft: FDP-Bundestagsabgeordneter Konstantin Kuhle tauschte sich mit Geschäftsführer Andreas Gliem (links) und Christian Frölich (Kreishandwerksmeister) aus. Mit dabei: der Jungliberale Iwan Krivov (2. von rechts).

Es ist die Zeit der Sommerreisen. Die Bundestagsabgeordneten sammeln Eindrücke. Für Konstantin Kuhle (FDP) sind die Gespräche „Futter“ und „Hintergrund“ für sich und die Arbeit in Berlin.

Göttingen – Am Mittwoch war er in der Kreishandwerkerschaft zu Gast. Mit dabei hat er zwei junge Liberale. Auch sie sammeln Eindrücke: in die Arbeit des Bundestagsabgeordneten.

Ausbildungszahlen

Das Thema Nachwuchsförderung hat Kuhle für das Gespräch mit reishandwerksmeister Christian Frölich und Kreishandwerkerschaft-Geschäftsführer Andreas Gliem auf der Agenda. Er will wissen, wie die Ausbildungssituation im Handwerk ist: „Die Ausbildungszahl ist leicht rückläufig“, sagt Frölich. „30 000 freie Ausbildungsplätze gibt es bundesweit“, ergänzt Gliem. Aber auch bei den Ausbildern herrsche Zurückhaltung, weiß Froelich: „Mancher Unternehmer weiß ja nicht, ob ihn die Krise noch erwischt und er Ausbildungsverträge erfüllen kann.“

Image des Handwerks

Generell besteht für Andreas Gliem weiter das gesamtgesellschaftliche Problem, dass die Berufsausbildung, speziell im Handwerk, zu wenig Wertschätzung, auch in Schulen, bei Lehrern und Eltern genießt. Selbst Berufsberater der Arbeitsagentur würden Gymnasiasten „unbedingt zu einer akademischen Laufbahn“ raten, wie der Jungliberale Iwan Krivov, Schüler am Max-Planck-Gymnasium, erzählt. Ihn stört, „dass eine Ausbildung statt Abitur als Abstieg bewertet wird“. Für Politiker Kuhle geht das gar nicht und es generell darum, dem Handwerk wieder zu mehr Wertschätzung zu verhelfen. „Entwicklungs- und Verdienstmöglichkeiten gibt es“, sagt Gliem. Handwerk habe wirklich einen goldenen Boden.

Wenige Schlachter

Er weiß aber auch, dassmanche Berufe nicht attraktive für Jugendliche sind, es nur noch wenige Azubis sow wie im Schlachterhandwerk gibt – und selbst schlachtende Betriebe. „Wir schimpfen aber nicht auf die Großschlachtereien und -lieferanten, sondern weisen darauf hin, wie gut im kleinen Betrieb gearbeitet und mit den Menschen umgegangen wird“, sagt Gliem.

Die Corona-Krise ist auch Thema für Kuhle und „Handwerker“ Die Wirkung auf die Innungen seien sehr unterschiedlich, berichtet Frölich. Für ihn als Bauunternehmer seien zwar Aufträge ausgefallen, die Auftragslage aber sei noch gut – Krisenauswirkungen träfen ohnehin stets mit Verzögerung die Unternehmen. So rechnet Frölich mit Einbrüchen im Herbst. Sicher sei das aber nicht.

Mehrwertsteuer

Betroffen von der Mehrwertsteuersenkung sind hingegen alle. Und das schreibt Frölich auch dem Politiker Kuhle ins Merkbuch: Der Aufwand sei hoch, Langzeitaufträge müssten quasi geteilt werden, um korrekte Berechnungen abzuliefern. Kunden pochten derweil auf den drei Prozent Nachlass, ob beim Bäcker oder dem Bauhandwerker. „In Berlin hat man nicht intensiv genug überlegt“, sagt Frölich. Der meinungsstarke Konstantin Kuhle ergänzt: „Es ging alles sehr schnell“, und schiebt nach: „Ich hätte die Mehrwertsteuer belassen und stattdessen den Soli abgeschafft, das hätte auch mehr Kaufanreiz geschaffen.“

Nach 90 intensiven Gesprächsminuten nehmen beide Seiten viel mit: Frölich und Gliem den Eindruck, dass sie ihre Probleme an den Mann gebracht haben, der sie in Berlin platzieren kann, Kuhle, dass er ganz nah dran war an einem wichtigen Berufszweig, der an Bedeutung gewinnen wird und „Futter“ gesammelt hat: „Das ist wichtig, um etwas Fundiertes in Gesprächen und Debatten sagten zu können, sonst sagen wir alle doch die gleichen Sätze und Dinge“

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