Eine nachdenkliche Vorstellung

Leben bis zum Tod: Eine Clownin im Hospiz

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Leben bis zum Tod: Ida Maria Paul als Clownin Aphrodite über das Sterben im Hospiz.

Göttingen. Clown und Sterben – geht das? Ja, das funktioniert. Jedenfalls dann, wenn die Bonner Ida Maria Paul als Clownin Aphrodite das Thema Sterben im Hospiz den Zuschauern in ihrem vierten Solo-Theaterstück „Gemischte Gefühle“ näher bringt.

So wie jetzt vor rund 100 Gästen in der Evangelischen Freikirche Göttingen an der Bürgerstraße.

Eingeladen zu diesem Abend hatte das Hospiz an der Lutter, das in Göttingen ein ambulantes und ein stationäres Hospiz betreibt und Menschen bei ihrem letzten Gang begleitet. Bereits in der Ankündigung hieß es: „In einfühlsamen Bildern schafft es Ida Maria Paul, ihre Begegnungen und Erlebnisse in Szene zu setzen und ihr Publikum teilhaben zu lassen an ihren Erfahrungen im Hospiz. Sie zeigt, wie aus Angst und Unwissenheit Vertrauen und Verständnis werden.“

Das schafft die Clownin mit ganz einfachen Mitteln. Ein Schirm mit aufgedruckten Regentropfen, ein durchsichtiger Schirm, ein umgedrehter Stuhl als Schubkarre, ein Tagebuch, ein paar Seifenblasen und ihr Clownskostüm reichen ihr im Wesentlichen, um in diese Welt zu führen. Von ihr wollen viele Menschen erst etwas wissen, wenn es Angehörigen, Freunden oder ihnen selbst schlecht geht und sie wissen, dass das Ende naht.

So geht es auch Aphrodite in dem Stück. Ihre Freundin harrt im Hospiz auf den Tod. Sie selbst hat Zweifel und Angst vor dem Besuch ihrer Freundin. Sie geht dann doch hin, immer wieder. Sie sprechen miteinander, plaudern, tauschen Erinnerungen und halten Erlebnisse fest, schweigen miteinander und halten sich: „Sie mich und ich sie.“ Sie erleben Stunden der relativen Entspannung, des Schmerzes und der Wut miteinander, Tränen fließen und sie erzählen sich zwischendurch „Blödsinn“. Aphrodite: „Die Vielfalt der Gefühle einfach leben. Und immer wieder die Hoffnung auf Verlängerung.“

„Leben bis zum Tod. Alles wird gelebt, bis nichts mehr bleibt“, sagt die Clownin. Viel Beifall für eine nachdenkliche Dreiviertelstunde. (zhp)

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