Falscher Titel, falsche Papiere: Südharzer Trio angeklagt

Göttingen. Ein falscher Doktortitel, falsche Personalien, falsche Ausweispapiere und eine unter falschen Namen gegründete Firma im Südharz: Wegen zahlreicher Straftaten müssen sich demnächst ein bereits einschlägig vorbestraftes Ehepaar und ein Elektriker vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen wirft dem Trio unter anderem gewerbs- und bandenmäßigen Betrug in 33 Fällen, Urkundenfälschung, Gründungsschwindel, Bankrott, Vorenthalten und Veruntreuen von Arbeitsentgelt sowie Insolvenzverschleppung vor. So sollen die drei Beschuldigten mit ihren betrügerischen Machenschaften einen Schaden von einer halben Million Euro angerichtet haben.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft umfasst mehr als 40 Seiten. Danach sollen die beiden 34 Jahre alten Eheleute gemeinsam mit dem 27-jährigen Elektriker im Sommer 2010 eine Firma für Elektroinstallationen und andere Dienstleistungen gegründet haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die GmbH, die ihren Sitz in Zorge (Kreis Osterode) hatte, von Anfang an auf Betrug angelegt war. Die Angeklagten hätten bereits bei der Eintragung im Handelsregister falsche Personalien angegeben, sagte Behördensprecher Frank-Michael Laue. Auch bei der Eröffnung des Geschäftskontos hätten sie gefälschte Ausweispapiere vorgelegt. Die Ehefrau habe nicht nur einen falschen Namen verwendet, sondern auch einen falschen Doktortitel genutzt. Die angeblichen Gesellschafter hätten auch keinerlei Gründungskapital in die GmbH eingebracht und weder eine Eröffnungsbilanz vorgelegt noch irgendwelche Handelsbücher geführt.

Arbeitnehmer haben keinen Lohn bekommen 

Dafür gab es viele Betriebsaufwendungen. So sollen die Angeklagten über die Firma diverse Handyverträge abgeschlossen und Fahrzeuge gemietet haben, ohne die Rechnungen zu begleichen. Die von ihnen beschäftigten Arbeitnehmer hätten keinen Lohn bekommen und seien auch nicht zur Sozialversicherung angemeldet gewesen, sagte Staatsanwaltssprecher Laue. Später hätten die Angeklagten es unterlassen, rechtzeitig Insolvenz anzumelden.

Die 34-jährige Ehefrau habe außerdem mit gefälschten Papieren diverse Schuhe, Hausgeräte, Kosmetika und andere Waren bestellt, die sie nicht bezahlte. Auch teure Hotels seien gebucht worden. Inzwischen logieren der Ehemann und ihr Komplize deutlich weniger luxuriös: Beide sitzen nach Angaben des Justizsprechers derzeit wegen anderer Betrugsdelikte in Haft. (pid)

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