Schildkröten sterben

Ausgesetzte Rotwangenschildkröten verenden im Levinschen Park in Göttingen

Ein Mann, Uwe Zinke, steht am Ufer des Sees im Levinschen Park. Er hat dem See den Rücken zugewandt und hält einen mittelgroßen Käscher in seiner Hand. Dabei schaut er in die Kamera.
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Kümmert sich um ausgesetzte Schildkröten: Uwe Zinke vom Naturschutzbund Göttingen im Levinschen-Park, der in der Göttinger Weststadt liegt.

Eine Handvoll Schildkröten werden jedes Jahr in Göttingen in den beiden Teichen im Levinschen Park ausgesetzt. Dort sind im Mai zwei Rotwangenschildkröten verendet.

Göttingen - Das berichtet Uwe Zinke, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Göttingen. Spaziergänger beobachteten die beiden kranken Reptilien mehrere Tage lang. Nachdem eines gestorben war, fing ein Zeuge das zweite, inzwischen deutlich geschwächte Tier und brachte es Zinke.

Dieser ging mit ihm zum Tierarzt, der eine bakterielle Infektion der Atemwege und der Augen feststellte. Die Behandlung kam zu spät. In der Nacht darauf starb die Schildkröte.

„Eigentlich kommen Rotwangenschildkröten, die aus Nordamerika stammen, mit unserem Klima gut zurecht“, meint der Göttinger Schildkröten-Experte Dirk Grothues. Er hat in New York Dutzende der gepanzerten Tiere am Grund eines zugefrorenen Sees gesehen. Die Tiere benötigten den Winterschlaf übrigens auch in Gefandenschaft, bekämen ihn allerdings oft nicht, kritisiert er.

Haltung im Aquarium ist Tierquälerei

Rotwangenschildkröten zuhause im Auqarium zu halten, ist eigentlich Tierquälerei“, findet Grothues. Die putzigen Jungtiere, die seit den 1970er Jahren von Zoohandlungen vermarktet werden, wachsen schnell.

Am Ende sind sie bis zu 30 Zentimeter groß und wiegen bis zu vier Kilogramm. Das Wasser muss alle paar Tage gewechselt werden, sonst verwandelt es sich in eine stinkende Brühe. Überforderte Halter setzen ihre Schildkröten zum Teil aus.

Mit etwas Glück, so Grothues, lassen sich an fast allen Göttinger Teichen an schönen Tagen Schildkröten beim Sonnenbad auf Ästen oder Steinen am Ufer beobachten. Kommen ihnen die Menschen zu nahe, lassen sie sich ins Wasser fallen und tauchen ab.

Eine größere Population gibt es im Göttinger Kiessee. „Im Levinschen Park beobachten wir seit etwa 20 Jahren verstärkt Schildkröten“, sagt Georg Focken, der Vorsitzende des Angelvereins Südniedersachsen. Die Tiere ernähren sich von Krebsen, Schnecken und Würmern sowie von Pflanzen.

„Für die Ablage der Eier benötigen die Wasserschildkröten einen ruhigen, nach Süden ausgerichteten Sandstrand“, sagt Grothues. Solche Plätze fänden sie in Göttingen nicht. Auch die streng geschützte Europäische Sumpfschildkröte sei in Südniedersachsen nicht heimisch, wohl aber in Altarmen des Rheins und an der Mecklenburgischen Seenplatte.

Schildkröte verschluckte Angelhaken

Eine solche Sumpfschildkröte erhielt Zinke vom Nabu im vergangenen September. Das Tier, das am Rosdorfer Angelteich gefunden worden war, hatte einen Angelhaken verschluckt. Zinke ließ ihn entfernen. Heute lebt das Tier im Nabu-Artenschutzzentrum Leiferde bei Gifhorn. Grothues ist sich sicher, dass es sich um ein ausgesetztes Tier handelt.

„Das ein Angler eine Schildkröte am Haken hat, kommt vor“, sagt Focken vom Angelverein. Es sei Ehrensache, ein solches Tier zum Tierarzt zu bringen. „In China werden Rotwangenschildkröten gegessen“, weiß Reptilienfreund Grothues. (Michael Caspar)

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