Treffen mit Schulleitern und Kulturschaffenden

Eine Ministerin hört zu: Johanna Wanka zum Frühstück in der Musa

Gute Zuhörerin: Bundes-Bildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Gespräch mit Oberschulleiter Jens Haepe aus Groß Schneen (links) in der Göttinger Musa. Foto: Kopietz

Göttingen. Wie Wahlkampf anders geht, zeigte Bundes-Bildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU). Sie fragte in der Musa nach, wie es um Bundesprojekte steht.

Als Bundesbildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU) zuletzt im Kulturzentrum Musa vorbeischaute, verteilte sie selbst den Käsekuchen. Am Dienstagmorgen muss Wanka das nicht tun, Parteikollege Fritz Güntzler hat die Tafel im Musa-Salon zum Frühstück eindecken lassen.

Im Juni 2014 hatte sich Wanka dort Tipps und Kritik der Praktiker zum Bundesprogramm „Kultur macht stark“ geholt. Die Anregungen nahm sie mit und sagt nun: „Wir haben nachgebessert. 94 Prozent der Zielgruppe, benachteiligte Kinder, wurden erreicht.“

Das sprechen die gut 30 Vertreter aus Schulen, Kultur- und Sozialeinrichtungen der Ministerin nicht ab, äußern aber Kritik, die Wanka hören will und notiert: Die Anträge seien zu aufwändig: „Kleine Kultureinrichtungen könnten diese Arbeit nicht wuppen, um Projektgeld zu bekommen“, schildert Christiane Mielke stellvertretend. „Wir können aber als Bund nicht überall Stellen schaffen“, entgegnet Wanka. Die Möglichkeit seien bessere Antragsverfahren und eine Sockelfinanzierung. Die würde auch größeren Kulturhäusern wie dem Deutsche Theater helfen und dazu den Kooperationspartnern wie Schulen. Denn: Mit der Projektförderung endet oft die fruchtbare Zusammenarbeit, wie der Schulleiter der Car-Friedrich-Gauß-Oberschule Groß Schneen, Jens Haepe, sagt: „Wenn es richtig gut läuft, ist das Geld alle.“

DT-Intendant Erich Sidler fordert deshalb dafür feste Etats in Schulen oder Kultur. Dann könnte die Kompetenz zwischen Schulen und Kultureinrichtungen dauerhaft gebunden werden. Wanka nickt: Problem sei, dass die Budgets in Schulen nur von den Ländern gefüllt werden könnten.

Die Ministerin hat noch ein Thema im Gepäck, für das sie schon medial gescholten wurde: die Digitalisierung in Schulen. Der Bund schalte sich bewusst ein, weil Deutschland drohe, den Anschluss zu verlieren. Man wolle helfen die Infrastruktur zu schaffen.

Göttingen Musa: Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Gespräch mit Vertretern von Schulen und Kultureinrichtungen. Links Musa-Geschäftsführerin Tine Tiedemann und dem Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU). Foto: Kopietz

Wanka verweist auf ein Großprojekt: „Wir entwickeln eine Schul-Cloud mit unterstützender Lern-Software für alle 40.000 Schulen.“ Dagegen wehren sich die Schulleiter nicht. Aber sie schlagen sich mit gravierenderen Problemen herum: „Es hapert am Grundsätzlichen, der Ausstattung, dem Personal für Wartung“, klagte der Leiter der Heinz-Sielmann-Realschule Duderstadt, Stefan Hoppe. Seine Kritik: „Zu wenig Geld kommt bei uns an.“ Und: Eine Digitalisierung müsse mit einer besseren Lehrerweiterbildung einhergehen.

„Es kommt zu wenig an“ – dieses Fazit unterschreiben alle Beteiligten, Schulleiter und Vertreter der Kultureinrichtungen. Sie sitzen in einem Boot. Man nimmt Johanna Wanka ab, dass sie sie es in schnelleres Wasser ziehen will: Die Ministerin zeigt sich in der Musa als aufgeschlossene Politikerin, die die Chance zur Information nutzt – und dazu, der von ihr geschätzten Musa einen Besuch abzustatten sowie nebenbei „dem Fritze“ – unaufdringliche – Wahlkampfhilfe zu leisten.

Am Ende ging es noch schnell durch die Musa, die sich bald runderneuert präsentieren wird - es entstehen ganz neue Räume, Platz für Band-Übungsräume und Projekte auch der Göttinger Werkstätten sowie für Künstler. "Frau Tiedemann ich freue mich für sie und die Musa", sagte Johanna Wanka zu Musa-Geschäftsführerin Tine Tiedemann. Wanka hatte die Einrichtung schon als Bildungsministerin in Niedersachsen unterstützt. (tko)

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