"Friederike"-Erfahrungsbericht eines HNA-Volontärs

Eine Odyssee zwischen Göttingen und Kassel mit Schokolade und netten Gesprächen

Göttingen. Friederike hat bei Bahnreisenden am Donnerstag für viele lange Gesichter gesorgt. So auch in Göttingen. Ein Erlebnisbericht von HNA-Volontär Max Morrison.

Normalerweise fahre ich mit dem Auto von Kassel nach Göttingen. Angesichts des Sturms bin ich lieber auf die Bahn ausgewichen, auch weil mein Smart sehr windanfällig ist.

Als ich gegen 18 Uhr nach Hause wollte, hatte die Deutsche Bahn den Fernverkehr eingestellt. Der „Cantus“ nach Kassel sollte jedoch fahren. Am Göttinger Bahnhof hatten noch mehr Menschen diese Hoffnung – vergebens. Auch die Flixbusse waren ausgebucht. Wie also nach Kassel kommen? Oder doch in Göttingen übernachten?

Schnell bildeten sich Gruppen von Nordhessen, die irgendwie versuchten, nach Kassel und Umgebung zu reisen. Verwandte und Freunde wurden angerufen, Mietwagen und Taxi sind für viele dann doch zu teuer. Zudem war die A 7 gesperrt.

Vielleicht fährt die Bahn ja doch noch? Diese Hoffnung zerschlug sich, als gegen 19 Uhr der Bevölkerungsschutz anrückte. Viele harrten in den geparkten Zügen aus.

Einige findige Menschen waren extra nach Göttingen gefahren, um etwas Geld zu verdienen. 15 oder 20 Euro pro Kopf für eine Fahrt nach Kassel.

Doch nicht jeder war auf Geldverdienen aus. Ein Deutschlehrer reiste aus Kassel an, um seinen syrischen Freund abzuholen. Dieser fährt für seinen Deutschkurs jeden Tag von Kassel nach Göttingen. Die beiden boten an, mich und eine Studentin aus Kassel mitzunehmen – ohne 20 Euro zu zahlen.

Zunächst verlief die Fahrt auf der B 3 Richtung Kassel ganz normal. Mit Schokolade gestärkt ging es über Dransfeld in Richtung Hann. Münden. Doch bereits bevor wir die Drei-Flüsse-Stadt erreicht hatten, staute sich der Verkehr. Da viele Lastwagen ebenfalls den Weg über die Bundesstraße gewählt hatten, war Hann. Münden überfüllt: Fünf Kilometer Stau. Das örtliche Fastfood-Restaurant durfte sich dafür über viele Kunden freuen. Die Polizei regelte den Verkehr.

Aus Hann. Münden raus rollte der Verkehr wieder flüssiger, wenn auch mit reduzierter Geschwindigkeit. Gegen 20.30 Uhr sahen wir endlich das Ortsschild von der documenta-Stadt.

Anstatt einen Wucherpreis zu zahlen, hatte ich eine angenehme, wenn auch lange Autofahrt. Mit Schokolade und netten Gesprächen.

Alle Infos zu den Folgen des Sturmtiefs in der Region sammeln wir hier.

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