Eine „verkorkste Kreuzung“: Verkehrsführung am Weender Tor war Fehlplanung

Verkorkste Situation: Alle Radler, die an dieser Stelle am Weender Tor in Richtung Auditorium (im Hintergrund) fahren, sind laut der gültigen Verkehrsführung illegal unterwegs und müssten eigentlich mit einer Strafe rechnen. Foto: nh

Göttingen. Kritik an der für den Rad- und Fußgängerverkehr umgebauten Kreuzung Weender Tor üben die Göttinger Piraten. Für sie ist das Projekt eine Fehlplanung.

Die Kreuzung hätte nicht umgebaut werden dürfen. Die Partei fordert, die weiteren Planungen für den E-Radschnellweg so lange auf Eis zu legen, bis die Mängel am Weender Tor behoben sind.

Mit dem Thema beschäftigte sich die Gruppe „Ampelpiraten“. Sie berichten, dass die Kreuzung vermutlich die mit dem dichtesten Radverkehr in Norddeutschland ist. Nach den Recherchen von Francisco Welter-Schultes und Angelo Perriello fahren täglich bis zu 20.000 Radfahrer über die Kreuzung in der Innenstadt.

Die Piraten haben mehr als ein halbes Dutzend Kritikpunkte für einen der zentralen Abschnitte des E-Radschnellweges gefunden, die seit dem kürzlich beendeten Umbau, im Zuge der Realisierung des E-Radschnellweges vom Bahnhof bis zum Nord-Campus der Universität bestehen:

• Ein Großteil des vorher regelkonformen Verkehrs quert die Kreuzung nun regelwidrig.

• Der E-Radschnellweg wird vor dem Opel-Hochhaus nicht als solcher wahrgenommen.

• Der Radweg bergauf zur Goßlerstraße wird nicht mehr genutzt als der Gehweg vorher.

• Die Aufstellflächen, Auffahrten auf Radwege und Spurbreiten sind zu eng bemessen.

• Die Spurenführung auf der Verkehrsinsel wird vom Radverkehr nicht angenommen.

• Die Induktionsschleife vor dem Opel-Hochhaus, mit der die Radfahrer gezählt werden, ermittelt systematisch falsche Zahlen.

• Neue Unfallursachen wurden geschaffen, die Kreuzung sei gefährlicher geworden.

Hauptursache für die Missstände ist laut Piraten das neu eingeführte Verbot, die Kreuzung auf der Ostseite vom Opel-Hochhaus zum Auditorium zu queren. Das Verbot ist aus Sicht der Piraten unsinnig, denn jetzt fahren fast 30 Prozent aller Radfahrer regelwidrig über die Kreuzung, haben Zählungen der Piraten ergeben. An dieser Stelle ist die Ampel (für Fußgänger) in Richtung Innenstadt deutlich länger grün als auf der von den Planern vorgesehenen Route, die offensichtlich ein Umweg ist.

Die Piraten haben nachgerechnet: Wäre das schon seit 1965 so und hätte man für jede illegale Querung zehn Euro kassiert worden, so hätte die Stadt heute 700 Millionen Euro mehr in der Kasse.

Empfehlungen für Planung

In der kurzen Planungsphase im Herbst 2014 habe es schriftliche Empfehlungen gegeben. „Darin wurde vor absehbaren Planungsmängeln gewarnt“, sagt Welter-Schultes.

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