Neuinszenierung im Theater im OP

Eine Weihnachtsgeschichte: Fest in Laut- und Gebärdensprache

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Gebärdensprache spielt bei dieser Inszenierung eine wichtige Rolle: Das Göttinger Theater im OP bringt „Eine Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens auf die Bühne.

Göttingen. So weihnachtlich habe ich mich selten gefühlt: Mit Laut- und Gebärdensprache hat das Theater im OP (ThOP) „Eine Weihnachtsgeschichte“ nach Charles Dickens auf die Bühne gebracht.

Wie der geläuterte Ebenezer Scrooge möchte ich nach der Vorstellung Gutes tun. So eindringlich ist den Regisseurinnen Miriam Feix und Franziska Karger die Erzählung für das Gute vielleicht gerade dank der besonderen Umsetzung gelungen.

Der alte Geizhals Ebenezer Scrooge steht im Zentrum von Dickens‘ Geschichte. Seit Jahrzehnten lebt er nur für sein Geld lebt und vereinsamt darüber völlig. Drei Weihnachtsgeister führen ihm sein sinnentleertes Dasein vor Augen.

Um die Geschichte so zu erzählen, dass sie in Laut- und Gebärdensprache funktioniert, gibt es im ThOP zwei Erzählerinnen. Während Mireille Mentgen ihre Gebärden fast malt, spielt Jella Böhm die Vorleserin. Nils Finck zeigt den gehörlosen Ebenezer, Tom Röber ist sein sprechendes Double.

Auch wenn der eine mal auf dem Bett liegt, während der andere im Sessel sitzt, stellt sich nie die Frage, ob es sich nicht doch um zwei verschiedene Personen handelt. Wie aus dem Spiegel nehmen die beiden ihre Bewegungen voneinander ab.

Jacob Marleys Geist in Ketten (eindringlich: Henning Baker) wird von einem sprechenden Chor begleitet. In Gebärden übertragen schwarzgewandete Begleiter, was die Weihnachtsgeister vermitteln. Sicher bewegen sich Scrooges Neffe Fred (überzeugend liebenswert: Friedmuth Kraus) und dessen Freund Charles (Matti Fellmann) in Laut- und Gebärdensprache.

Ausdruck und Bildhaftigkeit

„Die Gebärdensprache als eine wunderbar theatralische Sprache verleiht den Texten viel Ausdruck und Bildhaftigkeit, sodass sie sich als Bühnensprache sehr gut eignet“, haben die Regisseurinnen Feix und Karger im Programmheft geschrieben. Dort zeichnen sie die Vision von einer Welt, in der alle die Gebärdensprache „sprechen“, Gehörlosigkeit gehöre dann zum Alltag.

Geschickt wird für dieses Großprojekt im ThOP – nach 2016 dort die zweite Inszenierung in Laut- und Gebärdensprache – der begrenzte Bühnenraum genutzt. Mit seinem Büro thront Scrooge über dem Geschehen, dort staucht er seinen Angestellten Cratchit (Dominic Wolf) zusammen, darunter zeigen ihm die Geister Vergangenheit und Zukunft. Mit einer Drehbühne sind schnelle Verwandlungen möglich. Mit Hilfe aus dem großen Ensemble hat Ulf Janitschke unzählige Bilder gebaut. Stimmungsvoll unterstützt das Licht von David Höhle die vielen Szenenwechsel.

Intensiv wirken die zwei Stunden, die mehr als 30 Darsteller mit zusätzlichen Statisten im Theater im OP auf die Bühne gebracht haben. Das Publikum im gut gefüllten Zuschauerraum belohnt ihre Leistung mit begeistertem Applaus.

Weitere Vorstellungen zeigt das Ensemble am 15.12., 18.12. und 19.12. um 20.15 sowie am 16.12. um 16 Uhr. Die Vorstellungen sind gut verkauft. Restkarten gibt es an der Theaterkasse.

Weitere Infos gibt es hier.

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