Zu Besuch in der Erdbebenwarte: Einmal im Monat bebt die Göttinger Erde

Wenn die Erde wackelt, dann spüren das sie 100 Jahre alten Geräte der Wiechert´sche Erdbebenwarte: Wolfgang Brunk demonstriert, wie auch sich heute noch die Nadel eines Seismographen die Bewegungen der Erde in mit Ruß geschwärztes Papier kratzt. Foto: Geier

Göttingen. Wenn die Erde in Südniedersachsen und Umgebung bebt, dann spüren das die historischen Geräte der Wiechert´sche Erdbebenwarte als erste.

Seit zehn Jahren betreut ein Verein die historische Forschungsstätte der Göttinger Universität.

Der Fall eines schweren Eisenkoloss aus 14 Metern Höhe endet mit einem lauten Knall. Die vier Tonnen schwere Eisenkugel landet in einem Loch und die Erde unter den Füßen erbebt – So wird Physik körperlich spürbar.

Der Sturz der riesige Eisenkugel des einstigen Assistenten von Emil Wichert, Ludger Mintrop, ist ein Besuchermagnet der Wiechert´schen Erdbebenwarte. Der runde, an zwei Seiten vom vielen Fallen aufs Gestein eingedellte Eisenkoloss lag vor zehn Jahren zwischen den Resten des mehr als 15 Meter hohen Eisengestells, das die Universität eigentlich verschrotten wollte. Dann übernahm es der Verein Wiechertsche Erdbebenwarte Göttingen.

Das Gestell ließ der Verein restaurieren und rekonstrierte Mintrops Methode, löst so authentische Erdbeben aus. Seit zehn Jahren kann man an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr die Erdbebenwarte besichtigen und gegen 15.30 Uhr fallen aus 14 Metern Höhe vier Tonnen Eisen im Göttinger Wald, dann bebt die Erde.

„Etwa 15 000 Besucher“, schätzt Wolfgang Brunk, Vorsitzender des Vereins Wichert’sche Erdbebenwarte, „haben seit 2006 an einer der 750 Führung teilgenommen.“ Der Verein hat 79 Mitglieder, die die Warte instand halten. Die Unterhaltung finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge und über Spenden.

„Es ist wichtig, dass Wissenschaft dort geschieht, wo sie gelebt wurde“, erklärt Brunk. Der Naturwissenschaftler und die Vereinsmitglieder gehen aber noch einen Schritt weiter, denn die historische Warte will die Wissenschaft erlebbar machen.

Ganz egal ob es der Fall der Eisenkugel ist oder eine 100 Jahre alte Nadel, die über das selbst hergestellte Rußpapier zittert, die Neugier und das Interesse an der Physik soll geweckt werden, erklärt Brunk.

Vor allem Schulklassen sind gern gesehene Gäste. Die Besuchergruppen reisen aber nicht nur aus der Region an, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet oder aus dem Ausland. Seit vier Jahren kommen etwa 26 Kursteilnehmer eines Trainingskurses des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam zur Erdbebenwarte. „Es ist die 100 Jahre alte Technik, die die Geoforscher aus der ganzen Welt fasziniert“, erklärt der Vorsitzende. Die Wiechert´sche Erdbebenwarte ist einer der wenigen Orte, wo man die historische Technik noch in Aktion erleben kann.

Der Verein feiert am Sonntag, 6. September, feiert sein 10jährges Bestehen mit einem Familientag. Von 11.17 bis 17.17 Uhr gibt es für die Beuscher zahlreiche Führungen durch die verschiedenen Stationen. Spieleautor Reinhold Wittig ist ebenfalls mit einem Spieleangebot für Kinder vor Ort. Die Erdbebenwarte. Die Erdbebenwarte befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Instituts für Geophysik, das heute einer kirchlichen Einrichtung, der „Jugendhilfe am Rohns“, gehört. Das Gelände liegt am oberen Ende der Herzberger Landstraße, mitten im dicht bewaldeten Hainberg zwischen Rohns und Bismarckstein. Weitere Informationen gibt es hier.

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