Universität schließt geisteswissenschaftliches Institut

Einsparungen: Aus für das Lichtenberg-Kolleg in Göttingen

Die historische Sternwarte der Universität Göttingen
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Sitz auch des Lichtenberg-Kollegs: Die historische Sternwarte der Universität Göttingen – hier bei einem Sommerfest. Das Kolleg wird geschlossen.

Die Universität Göttingen wird zum September 2021 das in der historischen Sternwarte angesiedelte Lichtenberg-Kolleg schließen. Der Senat hat die Entscheidung des Präsidiums bestätigt, wie Pressesprecher Romas Bielke mitteilte.

Göttingen – Als triftigen Grund nennt die Uni die Kürzungen im Landeshochschuletat. So stünden für 2020 rund 2,9 Millionen Euro weniger bereit. Für 2021 habe plant das Wissenschaftsministerium weitere Kürzungen von 3,3 Millionen Euro für die Uni Göttingen.

Wie die Vize-Präsidentin Prof. Hiltraud Casper-Hehne auf Anfrage betonte, sei die Entscheidung, das Lichtenberg-Kolleg zu schließen, nur eine von vielen Maßnahmen, um Kosten einzusparen. Es sei natürlich schade, wenn diese Einrichtung, in der junge Geisteswissenschaftler aus verschiedenen Ländern, nicht weiterbetrieben werden könnte, so Casper-Hehne, die auch für den Bereich „Göttingen International“ an der Uni federführend zuständig ist. Die Entscheidung sei aber nicht leichtfertig getroffen worden: „Wir diskutieren alle Entscheidungen, in denen Prioritäten bei Etat-Kürzungen oder Stellenstreichungen gesetzt werden müssen, sehr hart.“ Das eine oder andere könne im Moment nicht weiterlaufen.

Die Hochschulleitung nennt aber in ihrer Mitteilung noch einen weiteren Grund für das Aus des Lichtenberg-Kollegs: Demnach ist es auch eine strategische Entscheidung. Als Manko angeführt wird auch eine letztlich nicht erreichte „dauerhafte und stabile Verbindung zu den thematisch verwandten Fakultäten der Universität“, die für eine Weiterarbeit wichtig gewesen wäre.

Gleichwohl habe sich das Lichtenberg-Kolleg vor allem unter Direktor Prof. Martin von Gelderen eine hohe internationale Reputation erarbeitet. Die Uni sicherte zu, dass die vereinbarten und laufenden Stipendien und Fellows fortgesetzt würden, auch sollen die Forschungsarbeiten des akademischen Direktors Martin van Gelderen nicht behindert würden. Er bleibe Professor an der Philosophischen Fakultät mit allen Rechten und der Möglichkeit, Forschungsprojekte fortzusetzen. Van Gelderen ist seit Oktober 2012 Direktor des Lichtenberg-Kollegs. Er arbeitet auch an einer neuen historisch-kritischen Ausgabe der Tagebücher von Anne Frank.

Die Schließungspläne für das „Institute for Advanced Studies“, das im Rahmen der Exzellenzinitiative eingerichtet wurde, waren bei Wissenschaftlern, die am Lichtenberg-Kolleg tätig sind oder waren, auf Protest gestoßen. 120 Forscher aus verschiedenen Ländern unterzeichneten offenen Protestbrief, in dem sie die beabsichtigte Schließung als direkten Angriff auf die Werte der Aufklärung, für die die Universität Göttingen stehe, werteten.

Forschungsschwerpunkte des Lichtenbergs-Kollegs sind auch Menschenrechte, Aufklärung, Modern Jewish Studies und politische Ideengeschichte. (pid/tko)

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