Göttingen

Einst Disko, Druckerei – nun Literaturhaus: Literaturherbst und Literarisches Zentrum unter einem Dach

Hilmar Beck (Lit.Zentrum Verein), Johannes Peter Herberhold (Literaturherbst-Geschäftsführer), Gesa Husemann (Lit.Zentrum und Literaturherbst), Stephan Lohr (Programmplanung Literaturherbst), Anja Johannsen (Geschäftsführerein Lit. Zentrum), Nina Hornig (Literaturherbst Presse-Arbeit) und Architekt Charles de Picciotto.
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Zwei unter einem Dach: Literaturherbst- und Literarisches-Zentrum-Mitarbeiter ziehen ins Literaturhaus an der Nikolaistraße 22. Von links: Hilmar Beck (Lit.Zentrum Verein), Johannes Peter Herberhold (Literaturherbst-Geschäftsführer), Gesa Husemann (Lit.Zentrum und Literaturherbst), Stephan Lohr (Programmplanung Literaturherbst), Anja Johannsen (Geschäftsführerein Lit. Zentrum), Nina Hornig (Literaturherbst Presse-Arbeit) und Architekt Charles de Picciotto.

Göttingen wird bald um eine weitere Kulturattraktion reicher sein. An der Nikolaistraße 22 entsteht derzeit eine gemeinsame Heimat für Literaturherbst und Literarisches Zentrum.

Göttingen – Das verzierte, massige Eingangsportal zur Nikolaistraße ist die Visitenkarte des Hauses mit der Nummer 22. Das schwere Holztor mit Verzierungen fällt auf. Dort hinein pilgerten viele Jahre massenweise die Feierfreudigen, als dort die „Bine Gassmann“ zum Kult-Lokal avancierte.

In einigen Monate werden etwas ruhigere Kulturgäste durch das Tor gehen, dann, wenn das Göttinger „Literaturhaus“ öffnet. Es beherbergt dann das Literarische Zentrum Göttingen und den Göttinger Literaturherbst – zwei überregional bekannte Kultureinrichtungen, die seit Jahren stetig näher zusammengerückt sind und deren Kooperation nun den passenden Raum, mehr noch, ein gemeinsames Haus findet.

Literaturhaus in Göttingen: Gemeinschaftsprojekt

So steht das Projekt als Beispiel für ein zielorientiertes, gemeinschaftliches Handeln, um etwas auf den Weg zu bringen, das eigentlich weder Literarisches Zentrum noch Literaturherbst finanziell hätten stemmen können: den Kauf, Aus- und Umbau zum Literaturhaus, das später in Eigenregie verwaltet, vermietet und bewirtschaftet werden wird.

Engagiert haben sich einige, so die Stadt mit ihren Ämtern und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler an der der Spitze, die Sparkasse bei der Finanzierung, besonders aber der Literaturherbst-Hauptsponsor Sartorius: Die Architekten, die für das Unternehmen das Sartorius-Quartier entwickeln, planen auch das Literaturhaus.

Die Planung: So wird sich die Veranstaltungshalle im Göttinger Literaturhaus, Nikolaistraße 22, präsentieren. 120 Plätze finden im Erdgeschoss Platz. (Grafik)

Sie wollen im Erdgeschoss einen schlicht-schicken Saal auf 240 Quadratmetern für 120 Gäste und dazu ein Verkaufsbüro einrichten. In den Obergeschossen werkeln schon jetzt die Literaturherbst-Mitarbeiter und – noch 2021 – die des Literarischen Zentrums.

Literaturhaus in Göttingen: Weiterer Anziehungspunkt für „Kunstquartier“

Privat mit im Boot ist auch der in Göttingen gut vernetzte Thomas Münter, der für Sartorius auch die großen Projekte betreut. Derzeit ist die Halle eine Baustelle. Träger werden eingezogen, andere herausgenommen, der Fußboden ist aufgebrochen und wird ausgehoben, um mehr Raumhöhe zu gewinnen, wie Architekt Charles de Picciotto (Hamburg) erklärt.

Und Sartorius-Vorstandschef Dr. Joachim Kreuzburg engagiert sich ebenfalls im großen Stil persönlich, finanziert den Ausbau zum Veranstaltungssaal – macht daraus aber kein Brimborium. Er wolle einfach die für Göttingen wichtige Kultur fördern, sagte er einmal allgemein. Speziell tut er es nun am Projekt Literaturhaus.

Kürzlich stand in der Halle noch eine High-Tech-Druckmaschine von Verleger Gerhard Steidl, der das Haus nun verkauft hat und sich freut, dass das von ihm mit angeschobene und wachsende „Kunstquartier“ einen weiteren Anziehungspunkt erhält.

Literaturhaus in Göttingen: „Es wird ein Festivalzentrum“

Für den seit 2014 Kooperationen schmiedenden Literaturherbst-Geschäftsführer Johannes Peter Herberhold ist es letztlich ein Glücksfall, wie sich alles gefügt hat: „Es zeigt, was geht, wenn man zusammenarbeitet.“ Der Literaturherbst bekomme nun auch so etwas wie ein räumliches Herz: „Hier können wir uns nach Veranstaltungen treffen, hier ist die Anlaufstelle für Besucher – es wird ein Festivalzentrum.“

Portal zur Nikolaistraße: Das Tor zum Literaturhaus wird sich noch in diesem Jahr für Gäste öffnen.

So dachte Herberhold zunächst nur an ein Literaturherbsthaus, erkannte dann: „Das aber wäre doch zu viel für uns gewesen.“ Da das Miteinander personell wie inhaltlich mit dem Literarischen Zentrum klappt und das in beengten, „nicht mehr zeitgemäßen Räumen leben musste“, wie Vorstand Thedel von Wallmoden sagt, lag die WG-Konstellation in der Nikolaistraße 22 auf der Hand.

Literaturhaus in Göttingen: „Buchhauptstadt der Republik“

Verleger Wallmoden streicht auch die Bedeutung der Verlage als drittgrößter Zweig der heimischen Wirtschaft heraus. Göttingen sei eine „Buch- und Verlagsstadt“ und Göttingen habe in Bezug auf die Neuveröffentlichungen pro Kopf der Bevölkerung wohl bundesweit die Nase vorn, wäre demnach „Buchhauptstadt der Republik“. Wallmoden engagiert sich seit Langem im „Zentrum“-Vorstand, jetzt schließt sich ein Kreis, der Traum vom Literaturhaus.

Wann sich das schmucke Portal zur Nikolaistraße hin für Gäste öffnen wird, ist noch nicht klar. Das Literarische Zentrum würde gern zum Start des Winterprogramms im November einziehen, wie Geschäftsführerin Anja Johannsen sagt. Als Literaturherbst-Festivalzentrum wird es ab Mitte Oktober noch nicht dienen können.

Am Mittwoch, 30. Juni, zur Vorstellung jedenfalls standen die Gäste bei geöffneter Pforte schnell vor dem Haus an der Nikolaistraße. (Thomas Kopietz)

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