Südniedersachsen - ein gesuchter Filmdrehort

Einstige Drehorte: Filmbüro Göttingen verzeichnet viele Hinweise von Zeitzeugen

Dreharbeiten zum Film „Unsterbliche Geliebte“ mit Kameramann Rudolf Koch – im Hintergrund Schloss Berlepsch.
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Filmstadt Göttingen: Dreharbeiten zum Film „Unsterbliche Geliebte“ – mit Kameramann Rudolf Koch – im Hintergrund Schloss Berlepsch.

Die Berichterstattung in der regionalen Presse über das Werra- und Wesertal als Filmkulisse hatte eine prima Resonanz. Dem Aufruf, sich mit Anekdoten und Hinweisen bei Sven Schreivogel vom Filmbüro Göttingen zu melden, sind mehrere Zeitzeugen gefolgt.

Göttingen/Witzenhausen/Hedemünden/Uslar – Wolfgang Frey berichtet, dass eine Szene des Films „Der Jäger vom Roteck“ 1955 im Sägewerk Koppe in Hedemünden gedreht wurde. Sein Vater Robert war begeisterter Hobbyfilmer im Format Normal-8. Wie ein Lauffeuer hätte sich die Arbeit des Göttinger Filmteams in Hedemünden herumgesprochen. Robert Frey eilte mit seiner Kamera zum Sägewerk und filmte die Dreharbeiten. Diese Aufnahmen zeigen auch den Schauspieler Oskar Sima.

Irmtraut Leonhäuser hat auf die Bernd-Eichinger-Produktion „Grete Minde – Der Wald ist voller Wölfe“ nach einer Novelle von Theodor Fontane hingewiesen. Sie selbst, ihr damaliger Mann und drei ihrer Kinder waren damals als Komparsen beschäftigt. In Datenbanken wie Filmportal.de sind nur Hornburg und Lüneburg als Drehorte aufgeführt; tatsächlich drehte das Filmteam im Herbst 1976 aber auch mehrere Tage in der Umgebung von Witzenhausen.

Im Gedächtnis geblieben sind Irmtraut Leonhäuser vor allem Dreharbeiten auf Burg Ludwigstein, wo in einer Szene Dorfbewohner das Burgtor stürmten, und in Wendershausen, wo ihre Kinder in einer Jahrmarkt-Szene mitgewirkt hatten. Der Zwei-Burgen-Blick ist hier im Hintergrund gut erkennbar. Die asphaltierte Zufahrt zum Ludwigstein hatten die Ausstatter des Films, der im Mittelalter spielt, mit Stroh, Ästen und Erde überdeckt. Weitere Szenen, an denen sie aber nicht beteiligt war, seien auf Schloss Berlepsch gedreht worden, erinnert sich Irmtraut Leonhäuser.

Wiederaufbau der Werratalbrücke nach dem Krieg: Die Baustelle wurde zu Dreharbeiten genutzt als Kulisse für eine Brücke in Südamerika im Film „Tausend rote Rosen blühn“ mit O.W. Fischer und Winnie Markus in den Hauptrollen.

Hauptdarstellerin Katerina Jacob, von ihr als „bildhübsch“ beschrieben, hätte am Set öfter ihre Kleider gewechselt. Zur Besetzung gehörten auch Siemen Rühaak, Hannelore Elsner, Brigitte Grothum und Tilo Prückner – drei Jahre vor seinem Auftritt in Niklaus Schillings legendären„Willi-Busch-Report“, der ebenfalls im Werra-Meißner-Kreis gedreht wurde.

Für Berengar Pfahls NDR-Zweiteiler „Neues von Britta“, der in Fankreisen des ambitionierten Regisseurs Kultstatus genießt, sollen 1984 einige Aufnahmen am Holzmindener Bahnhof gemacht worden sein. Ebenfalls in Holzminden und Umgebung, so im Kaufhaus Schwager und in der Burgruine Polle, sowie in Uslar in der Villa Silva entstanden 1991/92 Außenaufnahmen für Dieter Wedels vierteiligen ZDF-Fernsehfilm „Der große Bellheim“.

Auch der legendäre NDR-Dreiteiler „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ über den spektakulären Postzugraub in Großbritannien am 8. August 1963 wurde in der Region gedreht, so 1965 am Bahnhof Moringen und an einer Brücke an der Sollingbahn beim Vorwerk Holtensen.

„Vor wenigen Wochen hatten sich die Heimatforscher Manfred Baumgartner und Klaus Glaesner aus Bodenfelde bei uns gemeldet und wertvolle Hinweise zu den Filmen ‘Zugvögel’ und ‘Königliche Hoheit’ gegeben“, berichtet Sven Schreivogel. „Grund genug, die Anrainer beider Flüsse zu fragen, ob es noch mehr Geschichten gibt.“

Sven Schreivogel vom Filmbüro Göttingen jedenfalls freut sich sehr über die Hinweisgeber und hofft auf weitere Meldungen über Filmdrehorte und Aktivitäten in Göttingen und der Region: kontakt@filmstadt-goettingen.de

Filmdrehorte im Weserbergland

Die Filmstadt Göttingen mit ihrem Filmatelier und Produktionsfirmen strahlte auch in die Region aus – ins Weserbergland und nach Ostwestfalen.

Filmstadt Göttingen: Drehort Schloss Berlepsch für den Film „Unsterbliche Geliebte“.

Hans-Ulrich Krause verweist auf einen weiteren Film, der im Filmatelier Göttingen hergestellt wurde und bei dem das Weserbergland als Kulisse gedient hatte: „Ferien vom Ich“ mit Rudolf Prack und Marianne Hold aus 1952. Gedreht wurde in Kerßenbrocksches Schloss in Barntrup und auf Gut Wierborn an der Emmer bei Bad Pyrmont. Ein weiterer Film, „Und ewig bleibt die Liebe“ mit Ulla Jacobsson und Karlheinz Böhm aus 1954 wurde Gut Dankersen bei Rinteln gedreht. „Der tolle Bomberg“ mit Hans Albers hatte als Kulissen 1957 das Schloss Vinsebeck bei Höxter sowie die Orte Schwalenberg und Lemgo. Die Edgar-Wallace-Verfilmung „Der unheimliche Mönch“ aus dem Jahr 1965 wurde auch auf Schloss Hastenbeck bei Hameln gedreht.

Wie Hans-Ulrich Krause weiter berichtet, war auf Schloss Varenholz von 1945 bis 1951 die Universum Film AG untergebracht. Im Schloss wie auch im nahen Vlotho hatte der Konzern einen Großteil der Filmtechnik eingelagert. Dort gab es auch eine Mustervorführung und ein Kopierwerk. Eine Szene des Films „Zugvögel“ wurde 1946 im Vlothoer Hafen gedreht. Der damalige Ufa-Chef Hermann Schwerin hatte die erste Produktion in der damaligen britischen Besatzungszone co-finanziert. Auch seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau, Schauspielerin Grethe Weiser, war oft in Vlotho und auf Schloss Varenholz zu Gast. Beide starben 1970 bei einem schweren Verkehrsunfall in Oberbayern.

Über die Ufa-Zeit im Weserbergland hat Hans-Ulrich Krause in mehreren Schriften publiziert, so in „Der Traum von Hollywood an der Weser“, in den Heimatblättern Schlosskirche Varenholz . (Thomas Kopietz)

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