Krönung für Literaturherbst

Elke Heidenreich stellt im Deutschen Theater in Göttingen ihr neues Buch vor

„Literaturpäpstin“ beim Literaturherbst: Elke Heidenreich stellte in Göttingen ihr neues Buch „Männer in Kamelhaarmänteln“ vor.
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„Literaturpäpstin“ beim Literaturherbst: Elke Heidenreich stellte in Göttingen ihr neues Buch „Männer in Kamelhaarmänteln“ vor.

Sie sei „die Krönung“ für den Literaturherbst, führte Stephan Lohr aus dem Organisationsteam die Schriftstellerin, Literaturkritikerin und mehr, Elke Heidenreich, im Deutschen Theater ein. Im vollen Haus las sie aus ihrem neuen Buch „Männer in Kamelhaarmänteln“ und begeisterte die Menschen mit ihrer Gabe, fast immer genau ins Schwarze zu treffen.

Göttingen – „Dass ich Ihnen vorlesen darf“, empfand die erfolgreiche Kritikerin in der Zeit mit Corona als besondere Freude und legte mit Entschlossenheit los.

Das Stöbern in alten Tagebüchern habe ihr die Idee zu ihrem Buch gegeben. Intensiver als vieles andere sei ihre Erinnerung an die Kleider, die sie früher getragen habe. Daraus seien Geschichten erwachsen. Manche seien wahr, andere – teils – erfunden.

Mit dem Buch habe sie vor Corona begonnen. Ganz zum Schluss, nach Ausbruch der Pandemie, habe sie das Kapitel „Pest“ hinzugefügt. Es handelt von einem Mann in weißer Kleidung, der zur Pestsäule in Rom geht, um dort zu beten. In der Kirche San Marcello al Corso hat der Papst im März nach einem Fußmarsch für das Ende der Pandemie gebetet.

Die „Literaturpäpstin“ merkte an, dass sie nach erst zwei Lesungen mit dem neuen Buch die Wirkung der Geschichten noch nicht einzuschätzen wisse. So konnte sie das Göttinger Publikum sozusagen als Versuchskaninchen nutzen. Wenn eine Pointe nicht richtig sitze, werde sie die Geschichte beim nächsten Mal wohl nicht wieder lesen. Nach dem Event im Deutschen Theater wird die Wortgewandte wohl kaum etwas aussortiert haben.

Anfangs hörten die Zuschauer von Kleidungsstücken, die die Frau mit rotem Schal auf schwarzem Glitzer-Sakko seit 30 Jahren und noch immer gern trage. Dann stieg sie in ihr neues Buch ein. Mit Unterbrechung nur durch Applaus las sie ihre Geschichten, eine nach der anderen. Zwischenjauchzer gab es oft schon auf halber Strecke, so zum Beispiel bei „Der perfekte Mann“: Im Café verliebt sich eine Frau in einen Fremden, und das nur, weil er ein Buch liest. Dahinschmelzend geht sie zur Toilette, um einen Blick auf den Titel zu erheischen. Auf dem Hinweg kann sie nichts erkennen, allerdings sieht sie, dass der Mann seinen Pullover auf Links trägt, Das macht ihn für sie noch liebenswerter. Auf dem Rückweg erkennt sie den Titel des Buches. Es ist „Fifty Shades of Grey“. Wutentbrannt – auch über ihre Einfalt – schreit sie ihn an, um ihm zu sagen, dass er seinen Pullover umdrehen müsse.

Nach einer wahren Geschichtenflut voller Kleidungs- sowie Lebensweisheiten kommt Heidenreich zum Schluss zu den Kleidern „die wir alle kennen und nie vergessen werden. Dabei denkt sie an Marilyn Monroes Rock, der über dem U-Bahn-Schacht hochgeweht wird, an Liz Hurleys Sicherheitsnadelkleid und an viele andere besondere Roben.

Für die Signierstunde im Glashaus versprach die Vielgeehrte nach ausgiebigem Applaus, dass sie solange signieren werde, bis keiner mehr in der Warteschlange stehe. (Ute Lawrenz)

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