Empfang: Integration von Flüchtlingen ist Aufgabe für alle

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Neujahrsempfang des Integrationsrates der Stadt im Haus der Kulturen. Die persische Sängerin Mijeta Arayesh und der Vorsitzende des Integrationsrates, Dr. James Albert, spielten und sangen das Lied vom Zugvogel.

Göttingen. Die Universitätsstadt wird 2015 weitere 700 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Damit rechnet Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.

Beim Jahresempfang des Integrationsrats der Stadt am Dienstagabend vor 150 Gästen im Haus der Kulturen am Hagenweg appellierte er deshalb an die Bevölkerung, Wohnraum zur Verfügung zu stellen.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler.

„Jedes Angebot zählt.“ Angesichts der angespannten Wohnraumsituation hofft Köhler auch weiterhin, dass die Stadt das frühere Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) am Nonnenstieg – möglichst bald – als Gemeinschaftsunterkunft nutzen kann. Und er nahm auch die Göttinger in die Pflicht: Vor 150 Gästen forderte er bei der Integrationarbeit auch den Einsatz der Bürger: „Wir brauchen eine sprachliche, schulische, berufliche, kulturelle und gesellschaftliche Integration. Das schafft die Stadt nicht alleine. Dazu brauchen wir engagierte Bürger.“

Der Vorsitzende des Integrationsrats, Dr. James Albert, dankte Rat und Stadt für die Bemühungen um die Flüchtlinge. Als wünschenswert bezeichnete er, dass die Unterbringung der Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften auf maximal ein Jahr begrenzt wird und dass sie mehr Quadratmeter erhalten.

Wichtig seien zudem die Finanzierung und Bereitstellung von Dolmetschern, Sprach- und Alphabetisierungskurse sowie mehr Sozialarbeiter.

Albert warnte auch davor, Muslime und vor allem Jugendliche unter den Generalverdacht des Terrorismus und Salafismus zu stellen. Ständig würden sich vor allem muslimische Jungen damit konfrontiert sehen, beweisen zu müssen, dass sie deutscher seien als die Deutschen, um nicht diskriminiert und als Gefahr für die Sicherheit betrachtet zu werden. „Dies finde ich schlichtweg entwürdigend, beschämend und damit unerträglich. Was wir brauchen ist eine Kultur der Anerkennung und Wertschätzung.“

Der Integrationsratsvorsitzende verwies auf eine Studie des Berliner Instituts für Migrationsforschung, nach der es bezüglich der Verbundenheit mit Deutschland, kaum Unterschiede zwischen Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund gebe. 81 Prozent der Migranten würden angeben, Deutschland zu lieben und 77 Prozent fühlten sich deutsch.

Eingebunden in den Jahresempfang war ein Kulturprogramm mit Beiträgen unter anderem aus Eritrea, Peru und dem Iran. James Albert begleitet dabei die persische Sängerin Mijeta Arayesh auf Trommeln, als sie in ihrem auf Farsi gesungenen Lied vom Schicksal eines angeschossenen Zugvogels erzählte. „Er ist Sinnbild für die Flüchtlinge“, sagte die Sängerin.

Von Hans-Peter Niesen

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