Folge des Organspende-Skandals: Ende der Leber-Transplantation am Uni-Klinikum

Nicht mehr benötigt: Dieses Hinweisschild, das im Juli 2012 nach Bekanntwerden des Transplantationsskandals in der Göttinger Uni-Klinik stand, ist Vergangenheit. Ab 2015 werden in der UMG keine Lebern mehr transplantiert. Archivfoto: dpa

Göttingen. Das Aus für Lebertransplantationen in Göttingen wird Realität: Ab 2015 werden in der Uni-Klinik keine Lebern mehr verpflanzt.

Herz-Transplantationen werden weiterhin ermöglicht. Auch die Betreuung und Versorgung von Patienten vor und nach einer Leber-Transplantation wird weiter in Göttingen gewährleistet. „Nur die Transplantation werden wir nicht mehr selbst vornehmen“, erläutert der Vorstand Krankenversorgung der Göttinger Universitätsmedizin, Dr. Martin Siess.

Die Entscheidung zur Einstellung des Leber-Transplantationsprogramms hatte Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo Kroemer im Oktober bekanntgegeben. Insgesamt hatten seit dem Start des Programms vor mehr als 20 Jahren etwa 450 Patienten eine Leber erhalten. 2014 wurden am Göttinger Uni-Klinikum 13 Lebern transplantiert, 2013 waren es 16.

Patienten, die eine Leber benötigen, werden ab Januar an vier kooperierende Transplantationszentren vermittelt. In Niedersachen sind Lebertransplantationen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) möglich, je nach Wohnort der Patienten kommen die Uni-Kliniken in Jena, Bonn und Frankfurt/Main in Frage.

Das Göttinger Klinikum wird auch weiter Transplantationspatienten aus Südniedersachsen, Nordhessen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen betreuen. Deshalb wird in der UMG ein neues interdisziplinäres Leberzentrum aufgebaut, damit soll der onkologische Schwerpunkt weiter ausbaut werden, hatte Kroemer angekündigt.

Eine Komplettaufgabe der Transplantationsmedizin wird es in Göttingen indes nicht geben. Herztransplantationen werden auch weiterhin vorgenommen. In diesem Jahr erhielten fünf Patienten in Göttingen ein Spenderherz.

Das Ende des Leber-Programms ist auch eine Folge des Transplantationsskandals. In den vergangenen Jahren werden in Deutschland auch als Folge des Transplantationsskandals immer weniger Organe gespendet.

Kritiker hatten auch bemängelt, dass es in Deutschland zu viele Transplantationszentren gibt. Wegen der geringen Fallzahlen sei es sowohl aus medizinischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoller, die Transplantationen auf einige Zentren zu konzentrieren.

Finanziell spielte der Bereich Lebertransplantation ohnehin nur eine marginale Rolle im Gesamtbudget der Universitätsmedizin: „Wirtschaflich ist die Lebertransplantationschirurgie nicht bedeutend“, hatte Martin Siess auch in einem HNA-Interview gesagt.

Wohl aber für das Renommee, zählte die Tranplantationschirurgie zu den top-angsehenen Medizinbereichen, intern wie in der Öffentlichkeit. Doch das Ansehen hat gelitten. Der Skandal hat Fehler im System aufgezeigt, das Vertrauen in dieses sinken lassen. Die Statistiken bestätigen das: Organspender und -spenden werden immer weniger. (pid/tko)

Organe und Organspender

2012 wurden postmortal 2.777 Organe gespendet, 2013 noch 2.363, 2014 werden es kaum mehr sein. Die Zahl der Organspender ist von 902 im Jahr 2008 auf den bisherigen Tiefstand 675 im Jahr 2013 gesunken. Wie drastisch die Situation ist, das zeigen andere Zahlen: 11 000 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ, davon 8000 auf eine Niere, meldet die Deutsche Stiftung Organstransplantation (DSO) Für Herz und Leber gilt: Einige Patienten müssen wegen schlechten Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden, andere sterben, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht. In den deutschen Transplantationszentren werden folgende Organe transplantiert: Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Dünndarm. Dafür werden Wartelisten geführt. Darauf stehen alle Patienten, die ein Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und der Nachbehandlung zu hoch, sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Im Vergleich mit anderen Staaten liegt Deutschland bei den Organspenden weit zurück – das war leider auch vor dem Aufdecken des Transplantationsskandals im Sommer 2012 so. Ein stärkeres Werben um Organspenden, das auch UMG-Vorstand Krankenversorgung Dr. Martin Siess propagiert hatte und von der Landesregierung in Hannover aufgenommen wurde, zeigt bisher keine positiven Wirkungen. Siess hatte auch die Ärzte in die Pflicht genommen. Sie müssten im Fall der Fälle die Gespräche mit Patienten und Angehören führen. Diese Bereitschaft müsste unbedingt vorhanden sein. (tko)

Transplantationsskandal und Göttinger Prozess

2012 wurden postmortal 2777 Organe gespendet, 2013 noch 2363, 2014 werden es kaum mehr sein. Die Zahl der Organspender ist von 902 im Jahr 2008 auf den bisherigen Tiefstand 675 im Jahr 2013 gesunken. Wie drastisch die Situation ist, das zeigen andere Zahlen: 11.000 Menschen warten in Deutschland auf ein Organ, davon 8000 auf eine Niere, meldet die Deutsche Stiftung Organstransplantation (DSO) Für Herz und Leber gilt: Einige Patienten müssen wegen schlechten Allgemeinzustandes von der Warteliste genommen werden, andere sterben, weil kein Organ rechtzeitig zur Verfügung steht. In den deutschen Transplantationszentren werden folgende Organe transplantiert: Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas und Dünndarm. Dafür werden Wartelisten geführt. Darauf stehen alle Patienten, die ein Organ benötigen und transplantiert werden können. Ist das Risiko der Transplantation und der Nachbehandlung zu hoch, sind die Erfolgsaussichten schlecht, so wird der Eingriff nicht in Betracht gezogen. Im Vergleich mit anderen Staaten liegt Deutschland bei den Organspenden weit zurück – das war leider auch vor dem Aufdecken des Transplantationsskandals im Sommer 2012 so. Ein stärkeres Werben um Organspenden, das auch UMG-Vorstand Krankenversorgung Dr. Martin Siess propagiert hatte und von der Landesregierung in Hannover aufgenommen wurde, zeigt bisher keine positiven Wirkungen. Siess hatte auch die Ärzte in die Pflicht genommen. Sie müssten im Fall der Fälle die Gespräche mit Patienten und Angehören führen. Diese Bereitschaft müsste unbedingt vorhanden sein. (tko)

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