Bündnis vereint zahlreiche Partner

Energiewende in Südniedersachsen mit der Wasserstoff-Allianz

Volkswirt Dr. Benjamin W. Schulze
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Leitet die Wasserstoff-Allianz Südniedersachsen: Volkswirt Dr. Benjamin W. Schulze.

Wasserstoff kann das zentrale Problem der Energiewende lösen, die Speicherung grünen Stroms. „Gleichzeitig gestaltet sich die Umsetzung zukunftsweisender Projekte in der Region jedoch schwierig“, berichtet Dr. Benjamin W. Schulze.

Göttingen – Der promovierte Volkswirt leitet die im Juli 2021 gegründete Wasserstoff-Allianz, die am Göttinger Maschmühlenweg 105 bei der SüdniedersachsenStiftung angesiedelt ist.

„Windräder und Photovoltaikanlagen erzeugen den Strom nicht immer dann, wenn er benötigt wird“, erläutert Schulze. Da sich Strom nicht so einfach speichern lässt, müssen bereits heute immer wieder Anlagen abgeschaltet werden. Diese Herausforderung wächst in den kommenden Jahren, wenn nach dem erklärten Willen der Bundesregierung deutlich mehr Strom regenerativ gewonnen wird.

„Mit der – zu bestimmten Zeiten – überschüssigen Energie ließe sich Wasserstoff erzeugen“, betont Schulze. Wenn der Strom dann benötigt wird, kann er in einer Brennstoffzelle mit dem Wasserstoff gewonnen werden. Energieerzeugern, aber auch großen Stromkunden ist der Zusammenhang bekannt. Die Allianz bringt sie zusammen. Viele Hindernisse erschweren jedoch gemeinsame Projekte.

„Um den Wasserstoff wirtschaftlich zu erzeugen, benötigt man viel überschüssigen Strom“, erläutert Schulze. So viel fällt allerdings in der Region nicht an. Wer Strom, der gerade nachgefragt wird, zur Erzeugung von Wasserstoff verwendet, legt drauf. Der Grund: Die Herstellung von Wasserstoffs verbraucht ihrerseits Energie.

„Potenzielle Nutzer können den Wasserstoff auch von auswärts beziehen“, weiß der Volkswirt. Allerdings fehlt das nötige Leitungsnetz. Das Gas in Tankzügen anzufahren, ist teuer. Ein weiteres Problem: Um eine Wasserstoff-Tankstelle kostendeckend zu betrieben, sind ausreichend Kunden notwendig. Die Göttinger Verkehrsbetriebe und der Goslarer Stadtbus setzen jedoch zum Beispiel erst einmal auf Batterien, nicht auf Brennstoffzellen. Logistiker wie Zufall aus Göttingen oder Obermann aus Osterode können sich vorstellen, mit ein, zwei Lkw – aber nicht gleich mit einer kleinen Fahrzeugflotte – erste Erfahrungen zu sammeln.

„Immerhin haben wir ausreichend Mitglieder geworben, um mit den Jahresbeiträgen von zusammen rund 30 000 Euro eine halbe Stelle zu finanzieren“, sagt Schulze. Neben den beiden genannten Verkehrsbetrieben und den beiden Logistikern gehören unter anderem die Universität Göttingen und die Technische Universität Clausthal, die Landkreise Northeim und Goslar sowie die Stadt Göttingen zu den 23 Mitgliedern. Schulze erwartet, dass zu Jahresbeginn 2022 noch einmal bis zu sieben neue Mitglieder dazukommen.

Die Allianz betreibt Öffentlichkeitsarbeit, vernetzt Akteure und organisiert monatliche Vorträge. Zudem will sie mit ihren Mitglieder für gemeinsame Projekte Fördergelder einwerben. (Michael Caspar)

Das soll in der Wasserstoffregion Südniedersachsen erreicht werden

Die Waserstoff-Allianz Südniedersachsen (H2AS) entstand aus der Initiative ViridisH2 Südniedersachsen. Die Initiative hat mit öffentlichen Mitteln von September 2020 an innerhalb von neun Monaten mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kommunen ein Konzept für eine grüne Waserstoff-Wertschöpfungskette in der Region entwickelt.

Die acht Millionen Euro Fördergelder, die sie für die Umsetzung beim Bundesministerium für Wirtschaft beantragt hat, erhielt sie jedoch nicht. Nun will sie die Ideen, die Südniedersachsen zur Wasserstoffregion machen sollen, in Einzelprojekten umsetzen. (zmc)

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