Drei Cluster nicht ausgewählt

Enttäuschung für die Uni-Stadt: Göttingen nur einmal exzellent

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Enttäuscht: Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel hatte mehr für ihre Uni erwartet.

Göttingen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Exzellenz-Kommission haben entschieden, wer in den kommenden sieben Jahren mit Forschungsgeldern kräftig unterstützt wird. Die Universität Göttingen ist dabei, wenn auch nicht mit allen vier Bereichen, die in der Endauswahl waren.

Deshalb kann die Uni Göttingen nicht am Wettbewerb Exzellenzuniversitäten teilnehmen. Dafür hätte sie mindestens zwei Exzellenzcluster benötigt.

Das Resultat sorgte für große Enttäuschung – nicht nur im Präsidium der Universität, statt knallender Sektkorken, gab es die Frage nach dem Warum?

Unter den ausgewählten 57 Exzellenzclustern, ist das Forschungsprojekt „Multiscale Bioimaging: Von molekularen Maschinen zu Netzwerken erregbarer Zellen“. Es könnte in den nächsten sieben Jahren mit bis zu 56 Millionen Euro gefördert werden, teilte die beteiligte Universitätsmedizin Göttingen (UMG) mit.

Für Uni-Präsidentin Prof. Dr. Ulrike Beisiegel ist das zu wenig, sie ist enttäuscht: „Dies ist ein sehr bitterer Moment für die Uni Göttingen und für mich als Präsidentin. Es ist extrem bedauerlich, dass sich nur ein Cluster in dem Wettbewerb durchsetzen konnte.“ Sie gratulierte allen am erfolgreichen Cluster Beteiligten. Beteiligt daran sind Forscher aus der UMG, die Fakultäten Chemie, Physik, Mathematik, Biologie und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen.

Beisiegel kündigte an, dass die Universitätsleitung nun die schriftlichen Gutachten abwarten wird. Dann wolle man mit den drei anderen Clusterinitiativen, die nach ihren Worten „ebenfalls sehr gute Anträge eingereicht hatten“, das weitere Vorgehen planen. Die Präsidentin zollte allen, die an dem aufwendigen Verfahren über zwei Jahre extrem viel Arbeit investiert hätten, einen Dank für ihren hohen Einsatz.

Die drei nicht berücksichtigten Cluster sind: Primatenkognition – Informationsintegration in einer komplexen sozialen Welt; Konstruktionen des Religiösen; Integrative Landnutzungswissenschaften für nachhaltige Entwicklung. Für sie gibt es aber noch eine Chance, denn laut Kommission vergibt die DFG auch Förderungen für Sonderforschungen. Viele der abgelehnten Cluster hätten sehr gute Chancen, auf diese Art finanziell gefördert zu werden, hieß es auf der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag in Bonn. Ulrike Beisiegel zeigte sich in der Stunde der Enttäuschung kämpferisch: Die Universitätsleitung ist entschlossen, die hervorragenden Forschungsleistungen an der Universität und auf dem Campus weiter zu fördern und die Lehre auf hohem Niveau weiter zu entwickeln. Die Aktivitäten in der Region werden ebenfalls mit hohem Engagement weiterverfolgt.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) freute sich für das Land über das Resultat: Man habe die Zahl der Exzellenzcluster verdoppelt und mehr als 250 Millionen Euro für die Forschung würden in die Projekte bis 2025 fließen. Dazu haben die Medizinische Hochschule Hannover und Leibniz-Uni Hannover sowie die TU Braunschweig die Chance, sich als Exzellenzunis mehr Fördergeld zu sichern – bis zu 148 Millionen Euro.

Hintergrund: Exzellenzinitiative und Exzellenzstrategie

Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen wurde 2005/2006 zum ersten Mal als Förderprogramm ausgelobt – als Reaktion auf das Lissabon-Programm der EU, das 2000 beschlossen worden war, mit der Absicht die EU-Staaten zu verpflichten in ihre Bildungs- und Wissenschaftssysteme zu investieren. Die Uni Göttingen war bis 2012 dabei, verlor den Exzellenz-Status dann aber. Die Exzellenzinitiative ist ab 2017/18 durch die Exzellenz-Strategie abgelöst worden. Start der Förderung wird 2019 sein. Dann werden die Förderlinien Exzellenz-Cluster und Exzellenzuniversitäten unterstützt. 

Kritiker bemängeln, dass durch die Exzellenzinitiative die Hochschullandschaft in Deutschland in Elite- und Nicht-Elite-Unis gespalten worden ist. Auch die Finanzierung habe sich verlagert, zu Lasten der Unis ohne Gütesiegel. 

Auch würde generell der Wettstreit der Unis gefördert, die zudem auch noch im internationalen Wettbewerb stünden. Sie verstärke zudem die Ausbildung eines Zwei-Klassen-Hochschulsystems, dazu trage auch die Studienabschlusskonzentration auf Bachelor und Master bei, also eine Spitzenforschung in Master-Studiengängen und die wenig intensive Massenausbildung in Bachelorstudiengängen.

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