5,5 Kilometer langer Abschnitt soll unter die Erde

Erdkabel bei Göttingen: Landvolk bricht Gespräche ab

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Beispiel aus Nordrhein-Westfalen: Dort wurde ein Teil einer Höchstspannungstrasse unter die Erde gelegt. Das Landvolk will Musterverträge von dort übernehmen.

Göttingen. Bei Göttingen soll ein Abschnitt der geplanten 380.000-Volt-Höchstspannungstrasse Wahle-Mecklar unter die Erde.

Vertreter des Landvolks, die für die Grundstückseigentümer mit Tennet über einen Mustervertrag sprechen, haben jetzt die Verhandlungen darüber abgebrochen.

5,5-Kilometer-Abschnitt 

Es geht um den 5,5 Kilometer langen Abschnitt von Olenhusen bis Hetjershausen. Hintergrund für den Stopp der Verhandlungen: Netzbetreiber und Trassenbauherr Tennet hat kürzlich ein bisheriges Angebot deutlich verschlechtert, berichtet Achim Hübner (Rosdorf), Geschäftsführer des Landvolks Göttingen. Um die Stromtrasse unter die Erde zu bringen, muss der Boden auf einer Breite von etwa 25 Metern etwa 1,50 Meter tief ausgebaggert werden.

Vorbild-Vertrag 

Für diese Variante hatten Bauernvertreter aus dem Bereich Borken in Nordrhein-Westfalen mit dem dortigen Bauherrn Amprion einen Rahmenvertrag geschlossen. Die dortige Trasse wurde 2014/15 gebaut. „Diesen Vorbild-Vertrag, den die Bundesnetzagentur genehmigt hat, wünschen wir uns auch, aber auch nicht mehr“, sagt Landvolk-Geschäftsführer Hübner.

Entschädigung 

Tennet bot für die eigentliche Kabeltrasse eine Entschädigung von 45 Prozent des Bodenrichtwertes pro Quadratmeter sowie einige andere Leistungen an. Im Münsterland gibt es zusätzlich eine Entschädigung für die Randbereiche, die während der Bauarbeiten benötigt werden. Außerdem wurde der Bodenschutz während der Bauarbeiten dort vorbildlich geregelt, so das Landvolk.

Angebot zurückgezogen 

Nun hat Tennet laut Hübner sein 45-Prozent-Angebot zurückgezogen und bietet den Grundstückseigentümern nur noch 20 Prozent des Bodenrichtwertes als Entschädigung. „Das ist eine Frechheit. Deshalb haben wir die Verhandlungen jetzt abgebrochen.“ (bsc)

Das sagt Tennet: Betreiber kam „Forderungen großzügig entgegen“ 

„Die Energiewende gelingt nur mit Netzausbau“, macht Tennet-Pressesprecher Matthias Fischer deutlich. Landwirte, die mit ihrem Boden den Weg für neue Leitungen frei machen, leisten hier einen wichtigen Beitrag.

Tennet will der Pflicht zum Netzausbau so nachkommen, dass möglichst wenig Flächen für Bau und Umweltkompensation beansprucht werden.

Soweit Grundstücksnutzungen unumgänglich sind, erhält der Eigentümer eine Entschädigung. Daneben werden selbstverständlich auch Ertragsminderungen und andere Schäden durch Baumaßnahmen ausgeglichen. Dass dies fast immer gut und einvernehmlich gelingt, zeigen die geringe Zahl von Besitzeinweisungen und das völlige Fehlen gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Tennet ist den Landvolk-Forderungen großzügig entgegen gekommen. Obwohl die Rahmenvereinbarungen noch nicht endverhandelt und gegenseitig unterschrieben sind, garantiert Tennet jetzt schon, dass sie zu den bisher verhandelten Ergebnissen steht.

Bei der Zahlungshöhe nutzt Tennet laut Pressesprecher Fischer den kompletten Spielraum, der bisher durch Gerichte und Behörden festgelegt wurde.

Eine Einigung über die Entschädigung konnte noch nicht erzielt werden. Pressesprecher Fischer: „Jetzt sahen wir uns gezwungen, zum ersten Mal seit Beginn der Verhandlungen überhaupt, ein getätigtes Angebot zurückzunehmen. Dabei galt es, eine wichtige Abwägung vorzunehmen: Die Frage nach der „richtigen“ Entschädigungshöhe ist aus den berechtigten Interessen der Grundeigentümer und dem notwendigen Schutz der Verbraucher vor unangemessenen Kosten zu beantworten.“

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