Erdwärme für den Campus

Uni Göttingen plant Geothermie-Pilot-Projekt - Tests ab Montag

Messungen für Geothermie: Das Foto der Georg-August-Universität zeigt ein „Vibrationsfahrzeug“, mit dem Vibrationen ins Erdreich geschickt und von unterschiedlichen Gesteinsschichten dann unterschiedlich reflektiert werden. Foto: Georg-August-Universität/nh

Göttingen. Die Universität Göttingen plant ein landesweit einzigartiges Projekt zur Energiewende:

Die Hochschule will künftig einen großen Teil ihres Energiebedarfs durch Erdwärme decken, die aus bis zu 5000 Metern Tiefe gewonnen werden soll. Bislang ist nach Angaben des Landesamtes für Bergbau und Energie in Niedersachsen noch keine derartige Anlage zur tiefen Geothermie in Betrieb. Alle bisherigen Geothermie-Projekte beziehen die Erdwärme aus oberflächennahen Schichten. Die Vorarbeiten sollen in der kommenden Woche beginnen. Ab Montag sollen spezielle Vibrationsfahrzeuge mit seismischen Verfahren den Göttinger Untergrund erkunden. Die geophysikalischen Messungen sollen Aufschluss darüber geben, welche nutzbaren Erdwärmepotentiale in den verschiedenen Tiefen vorhanden sind.

Göttingen sei ein günstiger Geothermie-Standort, sagte der Strukturgeologe Bernd Leiss vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen bei einer Informationsveranstaltung im Zentralen Hörsaalgebäude. Zum einen sei der Leinetalgraben eine nichttektonische Zone, so dass hier keine Erdbeben zu erwarten seien. Auch der stockwerkartige Aufbau der Gesteinsschichten sei von Vorteil, weil sich damit eine flexible und variantenreiche Energieversorgung erreichen lasse. So könnten die oberflächennahen Erdwärmesysteme den großen Kühlungsbedarf zahlreicher Einrichtungen decken. Die Wärme aus der darunter liegenden bis zu 1500 Meter tiefen Schicht aus Salzgestein könnte zur Versorgung dezentraler und kleinerer Gebäude genutzt werden. Darunter befindet sich das so genannte Grundgebirge. Sofern es die geologischen Verhältnisse zulassen, will man aus dieser Schicht aus bis zu 5000 Metern Tiefe Wärme an die Erdoberfläche pumpen und in das Fernwärmenetz einspeisen.

Die schweren Lastwagen erzeugen mit den Spezialvibratoren jeweils etwa zehn Sekunden lang Schallwellen. Die dadurch verursachten Geräusche seien nicht lauter als ein Presslufthammer. Die Schwingungen seien ähnlich wie bei einem vorbeifahrenden Lkw, sagte Lies.

Die Messkampagne soll rund zehn Tage dauern. Gemessen wird entlang zweier Linien von jeweils zehn Kilometern Länge. Die erste Linie verläuft von Lenglern über Lutteranger südlich am Uni-Klinikum vorbei Richtung Ewaldstraße und weiter bis zur Sternwarte. Die zweite Linie beginnt bei Herberhausen und führt durch das Ostviertel über den Nikolausberger Weg südlich am Bahnhof vorbei über den Egelsberg und das Industriegebiet Grone bis Elliehausen. Sollten die Erkundungen erfolgreich verlaufen, will die Hochschule in den nächsten 20 Jahren etwa 50 Millionen Euro in Geothermie-Projekte investieren. (pid)

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