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Erfrischung für heiße Rechner mit Kühlsystemen aus der Region Göttingen

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Von: Michael Caspar

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Blick ins Innere eines mit Wasser gekühlten Computers mit der Technik aus der Gemeinde Gleichen: Stephan Wille (links) und Stefan May.
Blick ins Innere eines mit Wasser gekühlten Computers mit der Technik aus der Gemeinde Gleichen: Stephan Wille (links) und Stefan May. © Michael Caspar

Eine Marktlücke bedient das Unternehmen Aqua Computer aus der Gemeinde Gleichen. Es stellt Kühlsysteme für Computersysteme her.

Benniehausen – Die Hitze macht nicht nur Menschen und Tieren zu schaffen – auch den unentbehrlichen Computern. Mit einfachen, wie wirksamen Material schwimmt ein kleines heimisches Unternehmen auf der Erfolgswelle: Aqua Computer in Benniehausen bei Göttingen baut (Wasser-)Kühlsysteme für Rechner. Mit diesen lautlosen, leistungsstarken Wasserkühlsystemen für Rechner hat das Unternehmen aus der Gemeinde Gleichen 2021 einen Rekordumsatz erzielt.

Kühlung für heiße Computer aus der Region Göttingen: Firma hat 20 Mitarbeiter

„Das Geschäft mit der Industrie ist während der Pandemie zurückgegangen, dafür fragten 2021 Endkunden unsere Systeme stark nach“, berichtet Geschäftsführer Stephan Wille. Er hat das Unternehmen 2001 zusammen mit Geschäftsführer Stefan May auf dem elterlichen Bauernhof an der Gelliehäuser Straße 1 gegründet. Dort beschäftigen sie heute 20 Mitarbeitende, darunter Zerspaner, Feinwerk- und Industriemechaniker.

Kühlung für heiße Computer aus der Region Göttingen: Karten produzieren Abwärme

„Weil Freizeitmöglichkeiten in der Coronazeit stark eingeschränkt waren, haben viele Privathaushalte ihre Desktop-Rechner aufgerüstet“, ergänzt May. Sie entschieden sich für leistungsstarke Grafikkarten, wie sie bei Computerspielen, Virtuelle-Realität-Anwendungen oder zur Bearbeitung von 4K- und 8K-Videos benötigt werden. Die Karten produzieren viel Abwärme. Da reicht die herkömmliche Luftkühlung meistens nicht aus.

Kühlung für heiße Computer aus der Region Göttingen: Geschäft mit Rechenzentren

„2021 erleichterte uns zudem eine Innovation, an der wir anderthalb Jahre gearbeitet hatten, das Geschäft mit Rechenzentren“, führt Wille aus. Die Zentren, die ihren Kunden einen stabilen Betrieb garantieren, waren bisher zurückhaltend. Sie fürchten den Einsatz von Wasser in unmittelbarer Nähe zu empfindlicher Elektronik. Für Sicherheit sorgt nun der „Leakshield“. Bei ihm erzeugt eine Vakuumpumpe einen Unterdruck im Kühlsystem. So kann kein Wasser austreten, wenn es wider Erwarten zu einem Leck kommen sollte. Das System kühlt sogar weiter.

Beschäftigen 20 Mitarbeiter in außergewöhnlichen Betriebsräumen, in ehemaligen Schweineställen eines Bauernhofs: Stephan Wille (links) und Stefan May.
Beschäftigen 20 Mitarbeiter in außergewöhnlichen Betriebsräumen, in ehemaligen Schweineställen eines Bauernhofs: Stephan Wille (links) und Stefan May. © Michael Caspar

Für einen optimistischen Blick in die Zukunft sorgt die seit Jahren anziehende Nachfrage bei Elektrofahrzeugen. Bei ihnen werden die Batterien ohnehin mit Wasser gekühlt. Das macht Hersteller offen dafür, auch Rechner im Auto so zu kühlen. Die Computer verarbeiten die Informationen der Assistenzsysteme. „Für einen großen Hersteller aus dem kalifornischen Silicon Valley haben wir bereits Vorserien von einigen 1000 Systemen produziert“, verrät Wille.

Kühlung für heiße Computer aus der Region Göttingen: Engpässe bei Vorprodukten

Zu schaffen machen den Benniehäusern aktuell jedoch Lieferprobleme. Vor einem halben Jahr kämpften sie mit Engpässen bei Aluminium und Kupfer. Einzelne Elektronikbauteile sind schwer erhältlich. Ein Jahr Lieferzeit gibt es derzeit beim Kunststoff Polyoxymethylen (POM), den Aqua Computer vielfach verarbeitet. Unklar ist, warum China nicht liefert.

Kühlung für heiße Computer aus der Region Göttingen: Qualitätskontrolle

„Wir sind gezwungen, Ware viele Monate im Voraus zu bestellen“, sagt Wille. Das Problem: Der Markt verändert sich rasch. Auch hinsichtlich der Qualität gibt es Fragezeichen. Die Benniehäuser haben zum Beispiel gerade POM-Kunststoff bestellt, den sie nach der Ankunft erst noch mit Ultraschall auf mögliche Lufteinschlüsse untersuchen müssen. Weitere Infos gibt es hier. (Michael Caspar)

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