Razzia wegen Schwarzarbeit

Ermittlungen wegen illegaler Beschäftigung: Zoll-Razzia am Göttinger Nonnenstieg

Zoll-Razzia wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung auf einer Großbaustelle am Nonnenstieg in Göttingen.
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Zoll-Razzia wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung auf der Großbaustelle ehemaliges IWF-Gelände am Nonnenstieg in Göttingen.

Aufsehenerregende Aktion am Mittwochmorgen im Göttinger Osten: Zig Einsatzfahrzeuge des Hauptzollamts Braunschweig standen an einer Großbaustelle am Nonnenstieg.

Göttingen/Kassel – Rund um die Baustelle zwischen Nonnenstieg und Habichtsweg sowie in der tief ausgehobenen Baugrube, in der zahlreiche Kräne stehen und die Tiefgarage mittlerweile teilweise fertig gegossen ist, waren etwa 70 Beamte im Einsatz.

Bei den Baustellenkontrollen am Nonnenstieg und in Kassel wurden insgesamt 18 Bauarbeiter, die beschuldigten Kasseler Unternehmen zuzuordnen waren, wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt vorläufig festgenommen. Darunter einige, die sich mit gefälschten Ausweisdokumenten auswiesen.

Hauptsächlich richtete sich der Schlag aber gegen eine mutmaßliche Tätergruppe der organisierten Kriminalität im Baugewerbe. Gegen die zwei mutmaßlichen Hauptbeschuldigten und Drahtzieher des Schwarzarbeits-Netzwerkes lagen bereits Untersuchungshaftbefehle Kasseler Justizbehörden vor, die voll-streckt wurden. Insgesamt richteten sich die Maßnahmen gegen 25 Beschuldigte. Zwei Männer, 31 und 58 Jahre alt, wurden in Kassel verhaftet.

Riesiges Loch am Hang: Die Großbaustelle ehemaliges IWF-Gelände am Nonnenstieg in Göttingen, wo in großem Stil Wohnungen gebaut werden. Mittwoch gab es dort eine Razzia mit 70 Zollbeamten aus Braunschweig.

Auf der Baustelle am Nonnenstieg in Göttingen sicherten Zoll- und Polizeibeamte die Baustelle so, dass keine Arbeiter diese verlassen konnten, führten – auch mithilfe von Dolmetschern – die Gespräche und Ermittlungen. Elf Arbeiter wurden in Göttingen vorläufig festgenommen. Nach ihren Vernehmungen entscheidet die Ausländerbehörde, was mit ihnen geschieht. „In der Regel müssen sie Deutschland verlassen“, so Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamts Gießen (Hessen).

Die Ermittlungen drehten sich um die Vorwürfe der „illegalen Beschäftigungsverhältnisse und Schwarzarbeit“, wie Bender gegenüber unserer Zeitung sagte.

Die Staatsanwaltschaft Kassel und der Gießener Zoll sowie die Ermittlungsgruppe „Joker“ koordinierten diesen „Schlag gegen organisierte Kriminalität auf dem Bau, der sich über mehrere Bundesländer erstreckte und an der etwa 500 Einsatzkräfte beteiligt waren. Beteiligt waren auch Polizei und Steuerfahnder. Zeitgleich wurden in mehreren Ländern 44 Wohnungen und Geschäftsräume sowie Baustellen durchsucht.

Schwerpunkt der Aktion lag auf Kassel und Umgebung. Auch liefen Durchsuchungen im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin und Hamburg.

Der Bande wird gewerbsmäßiger Betrug sowie Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe vorgeworfen. Sie sollen Bauaufträge im Bundesgebiet mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt und so den Sozialkassen und dem Fiskus Sozialversicherungsbeiträge und Steuern von rund 2,5 Millionen Euro vorenthalten haben.

Es handele sich bei dem Geschäftsgebaren um einen Kettenbetrug, bei dem mit fingierten Zahlungen und Scheinrechnungen für nicht erbrachte Bauleistungen von mehreren Scheinfirmen Schwarzgeld generiert wurde, um damit die Schwarzarbeiter zu bezahlen, sagte Michael Bender.

„Dabei sollen sich die Tatverdächtigen eines komplexen Firmengeflechtes bedient haben, um die kriminellen Taten zu verdecken, Einnahmen zu verschleiern und Kontrollen zu erschweren.“ Auf die Schliche kam der Zoll der Bande bei auf Baustellenkontrollen festgestellten Verstößen und Folgeermittlungen. So tauchten immer wieder die gleichen Namen der Beteiligten.

Finanzermittler des Zolls sicherten zudem umfangreiche Vermögenswerte, pfändeten Konten und offene Forderungen für erbrachte Bauleistungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Bei dem Einsatz wurden auch Bargeldspürhunde des Zolls eingesetzt, die in mehreren Objekten nach verstecktem Geld schnüffelten. Neben Bargeld stellten die Einsatzkräfte auch einen Schlagstock, ein Einhandfaustmesser sowie eine kleinkalibrige Handfeuerwaffe sicher.

In Südniedersachsen gab es auch „Besuche“ der Zöllner in Hann. Münden. (Thomas Kopietz)

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