Insolvenz von Biomassekraftwerk verunsichert die Anleger

Windräder drehen sich vor Borkum: Ob ein Windpark der EEV AG in der Nordsee genehmigt wird, ist offen. Foto: dpa

Göttingen/Papenburg. Ein Biomassekraftwerk in Papenburg, das zur früher in Göttingen ansässigen Erneuerbare Energie Versorgung (EEV) AG gehört, ist insolvent. Was wird aus dem Geld der Anleger?

Insgesamt soll das Unternehmen laut NDR-Info bei 2500 Kunden etwa 25 Millionen Euro eingesammelt haben. Bei der Kölner Rechtsanwaltskanzlei Müller Seidel Vos, die bereits eine Vielzahl von Anlegern der EEV vertritt, sieht man „keinen Anlass mehr, dem Unternehmen weiterhin zu vertrauen“.

Nach Ansicht der Juristen stellt das Biomassekraftwerk in Papenburg, das Strom aus Altholz erzeugt, die nahezu einzige Einnahmequelle der EEV AG dar. Das Insolvenzverfahren hatte die Etanax Holding, der Vorbesitzer des Kraftwerks, wegen offener Kaufpreisforderungen angestrengt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das Amtsgericht Meppen den Hamburger Rechtsanwalt Dr. Dietmar Penzlin bestellt.

Die EEV AG, die bis zum Sommer ihren Sitz in Göttingen hatte und nach Papenburg umgezogen ist, hatte die Anleger mit hohen Renditen gelockt. Sie investierte das Geld unter anderem in das Biomassekraftwerk sowie in Windparkplanungen. So soll in der Nordsee der 80-Anlagen-Windpark Skua entstehen. Allerdings nutzt die Bundeswehr das Gebiet für Schießübungen. Ob der Windpark je genehmigt wird, ist offen.

„Aufgrund des eingeleiteten Insolvenzverfahrens über das Vermögen der EEV BioEnergie GmbH & Co. KG besteht dringender Handlungsbedarf sowohl für die Zeichner von Nachrangdarlehen als auch für die Genussrechtsinhaber der EEV AG“, schreiben die Kölner Juristen. Sie kritisieren die mangelhafte Information der Anleger durch die Geschäftsleitung der EEV AG.

Die Rechtsanwälte empfehlen betroffenen Anlegern dringend, „fachanwaltliche Hilfe zur Schadensbegrenzung und Sicherung von Rechten in dem komplexen Verfahren“ in Anspruch zu nehmen.

Was können Anleger tun?

Nach Ansicht der Juristen gibt es folgende Handlungsmöglichkeiten:

• Fristlose Kündigung der Genussrechte und Nachrangdarlehen sowie Rückforderung des Kapitals

• Sicherung von Rechten aus der Grundschuld

• Geltendmachung von Schadenersatzansprüchen

Die EEV AG berichtet auf ihrer Homepage von dem Insolvenzverfahren: „Die Investoren und Gläubiger der EEV AG werden gebeten, sich bei Rückfragen unmittelbar an die EEV AG zu wenden“. Weder die Mitarbeiter der Kraftwerksgesellschaft noch die vorläufige Insolvenzverwaltung könnten Auskünfte erteilen.

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