15 Prozent weniger Erdbeeren als 2017

Aktuelle Erntebilanz für Niedersachsen: Große Hitze, kleine Erdbeeren

Hannover/Göttingen. Noch einmal 15 Prozent weniger Erdbeeren als 2017 – damit rechnet das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) fürs laufende Jahr.

Dabei war schon der vergangene Sommer – damals allerdings wegen zu viel Regen – ein schlechter für Landwirte, die Erdbeeren anbauen. Bemerkenswert ist außerdem: Die Entwicklung in Niedersachsen verläuft gegen den Bundestrend. Deutschlandweit wird eine Zunahme der Erntemenge um sechs Prozent erwartet.

Der Grund dafür ist laut Georg Keckl vom LSN, dass Niedersachsen mehr unter der Trockenheit zu leiden hatte als andere Bundesländer, in denen viele Erdbeeren angebaut werden – etwa Baden-Württemberg. „Außerdem gibt es in Niedersachsen einen hohen Anteil an Sandböden“, sagt Keckl. Die hätten aufgrund des Wetters deutlich weniger Erträge eingebracht als sonst.

„Die Erdbeeren, die wir hatten, waren süß und lecker. Aber sie waren deutlich kleiner als sonst“, sagt Kay Mecke, der mit seiner Frau eine Erdbeerplantage im Göttinger Stadtteil Holtensen hat. Ein Großteil der Früchte sei deshalb nicht vermarktungsfähig gewesen. „Selbstpflückern kann man das erklären, dass auch kleine Erdbeeren gut schmecken. Aber im Handel gibt es feste Kriterien“, erklärt Mecke. Die Erntemenge sei auf seiner Plantage um etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken – damit ist der Landwirt zufrieden. Immerhin liege er unter dem landesweiten Durchschnitt. Andere habe es wesentlich schlimmer getroffen.

Letztes gutes Jahr war 2015

Dem Vorurteil, dass Landwirte sich eigentlich immer über das Wetter beklagen, pflichtet Mecke lachend bei. Es sei aber eben tatsächlich so, dass das Wetter immer verrückter werde. „Starkregen, Hagel, Hitze – Erdbeeren reagieren darauf mit am stärksten. Wir hatten vor einigen Jahren mal einen Hagelschlag, der uns auf einen Schlag 50 Prozent der Ernte gekostet hat“, sagt er. Das letzte gute Jahr für Erdbeeren sei 2015 gewesen – weil es eben „ein ganz normales Jahr“ war, also mit feuchtem Frühling und einem warmen, aber nicht zu heißen Sommer.

Erosion ist für Mecke hingegen trotz der Hitze kein Problem. Darum müssten sich eher die Besitzer von Sandböden Gedanken machen. „Wir haben hier schwere Böden.“

Auf zunehmende Extremwetterlagen reagieren laut dem Landesamt für Statistik immer mehr Betriebe damit, dass sie die Erdbeeren unter begehbaren Schutzabdeckungen teilweise auf mehreren Etagen anbauen. Seit 2014 sei diese Anbauform um mehr als die Hälfte auf nun über 100 Hektar gestiegen. Die für den Erdbeeranbau genutzte Freilandfläche sei hingegen im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent auf nun 2800 Hektar gesunken.

Für Familie Mecke steht ein Anbau unter Schutzabdeckungen nicht zur Debatte. „Wir wollen naturnah produzieren. Unsere Erdbeeren sollen unter freiem Himmel in der Erde wachsen“, sagt der Landwirt.

Rubriklistenbild: © Archiv/Martina Sommerlade/nh

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