Erpresser von Lottomillionär soll Autounfall inszeniert haben

Göttingen: Ein 27-jähriger Bekannter des wegen Erpressung eines Lottomillionärs verurteilten Kickboxers hat sich jetzt vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm vor, zu einem mutmaßlich inszenierten Verkehrsunfall, den der Kickboxer initiiert haben soll, Beihilfe geleistet zu haben. Der 27-Jährige war Beifahrer eines Transporters gewesen, der im Februar 2010 im Stadtteil Weende auf ein Auto des Kickboxers aufgefahren war.

Der Unfall ereignete sich rund eineinhalb Jahre vor der Straftat, die dem Kickboxer und früheren Teilnehmer der TV-Show „Big Brother“ eine Haftstrafe von fünf Jahren und neun Monaten wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung einbrachte. Der 31-Jährige hatte im Herbst 2011 einen Lottomillionär aus dem Eichsfeld bedroht, dass der ihm 425.000 Euro zahlte.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte der Kickboxer den Unfall geplant, um Geld von der Versicherung zu kassieren. Er habe dabei in Kauf genommen, dass seine damalige Freundin verletzt wurde. Sie hatte am Steuer seines Autos gesessen und bei dem Unfall auch eine Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule erlitten.

Den Ermittlungen zufolge soll der Kickboxer einen gleichaltrigen Kumpanen als Unfallfahrer engagiert haben, der später auch an der Erpressung des Lottomillionärs beteiligt war. Der Komplize hatte nach seiner Festnahme gegenüber der Polizei seine Beteiligung sowohl an der Erpressung als auch an dem inszenierten Unfall gestanden. Später widerrief er im Prozess das Geständnis. Die Kammer hielt aber seine Beteiligung an der Erpressung für erwiesen und verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten zur Bewährung.

Seinen Angaben bei der Polizei zufolge hatte der Kickboxer ihn benachrichtigt, als sich seine Freundin zur üblichen Zeit mit seinem Audi auf den Weg zu einem Sonnenstudio gemacht hatte. Der Komplize soll dann mit dem 27-jährigen Beifahrer dem Audi gefolgt und an der Einfahrt zum Sonnenstudio auf den Wagen aufgefahren sein.

Laut Anklage sollte der 27-jährige Beifahrer als Unfallzeuge fungieren, um den Versicherungsbetrug zu verschleiern. Der Prozess gegen ihn endete mit einem Freispruch, weil sich nicht nachweisen ließ, dass der 27-Jährige von der mutmaßlichen Betrugsabsprache wusste. Die Zeugen – der Kickboxer und der Unfallfahrer – machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, weil gegen sie ebenfalls Strafverfahren anhängig sind. Gegen den Kickboxer, der in Handschellen aus der Haft vorgeführt wurde, sind neun Anklagen wegen ähnlicher Betrugsdelikte und gefährlicher Körperverletzung anhängig. Das Landgericht hat noch keinen Verhandlungstermin angesetzt.

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Rubriklistenbild: © msh

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