Oberkommissarin Katrin Kressing

Erste Kontaktbeamtin der Polizei: Mit Visionen auf Streifzug im Revier

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Sie nimmt alles, wie es kommt: Polizeioberkommissarin Katrin Kressing ist nicht nur bei regennasser Fahrbahn zu Fuß unterwegs. Schlechtwetter-Stimmung kommt bei ihr nicht auf, wenn sie ihr Gebiet trotz Wind und Wetter ohne Auto durchstreift.

Göttingen. Katrin Kressing geht auf Streifzug durch ihr Revier. Sie ist die neue Kontaktbeamtin der Göttinger Polizei. Seit Anfang September ist die 38-Jährige in Teilen der Weststadt, Nordstadt, Roringen und Nikolausberg unterwegs.

Drei Grundschulen und 20 Kitas fallen in ihr Gebiet. Dort bringt die Oberkommissarin vorbeugend und frühzeitig Kindern richtiges Verhalten unter anderem im Straßenverkehr bei. Sie möchte viel bewirken. Freunde beschreiben sie als aufgeschlossen, direkt und positiv eingestellt.

Sie möchte Dinge voranbringen. Dabei muss sie sich manchmal selbst ausbremsen, weil sie voller Tatendrang ist.

So hat sie die Idee, die Arbeit zwischen Polizei, Familienzentren und Jugendeinrichtungen zu verzahnen. Ziel ist ein Netzwerk, in dem sich alle Hand in Hand für die Sicherheit der Menschen einsetzen.

„Meine kleine Wunschvorstellung ist eine engere Zusammenarbeit. Man muss auch Visionen haben“, meint Katrin Kressing. Derzeit strömt viel Neues auf sie ein. So hat sie neulich das außerirdische Känguru Kari mit Haustier Bu kennengelernt, das erstmal von den Schülern geweckt werden musste.

Ihren ersten Stopp auf einem Rundgang legt sie in der Brüder-Grimm-Schule ein. Die erste Klasse zeigt ihr im Musiksaal spontan einen einstudierten, hebräischen Tanz. Bevor sie wieder gehen kann, versperren ihr die Kinder auf dem Flur den Weg, bilden eine Kette, lassen sie nicht durch und wollen mit ihr Gut gegen Böse spielen und sich fesseln lassen. Bis der Lehrer kommt.

Am nächsten Tag ist sie wieder da. Der Raum ist dunkel. Die Schüler bekommen Taschenlampen von der Polizei, ziehen ihre hellen Westen an und lernen, wie sie sich in der dunklen Jahreszeit richtig kleiden, um gesehen zu werden. An der zweiten Station, einer Zweigstelle der Godehardschule, kommt ihr schon auf dem Flur ein Erstklässler entgegen und präsentiert ihr stolz seinen Kinderpolizeiausweis, der ihm auf einer Wache geschenkt wurde. In der Klasse merkt sie schnell, dass die Kinder Sportunterricht hatten. „Das hat gewirkt, die sind alle so still.“

Ihre Arbeit macht ihr Spaß: „Es ist etwas völlig Neues für mich. Ich bin jetzt mal ein guter Polizist.“ So werde sie ganz anders wahrgenommen. Auf Streife nahm Kressing hauptsächlich Daten auf und erledigte Papierkram im Büro. Jetzt verlässt sie den Schreibtisch, geht auf die Menschen zu und baut ein gegenseitiges Vertrauen auf.

Auch Verkehrssicherheit ist ihr wichtig. Da könnten manchmal selbst die Eltern der Kita-Kinder des Universitätsklinikums in der Robert-Koch-Straße noch etwas lernen, meint sie. Denn die Eltern der Kleinen parken auf Rad- und Gehwegen, was gefährlich sein kann. Mehrere Hinweise änderten die Situation nicht. „Jetzt geht’s nur noch übers Geld“, meint sie und wird das Ordnungsamt kontaktieren, schon allein wegen der Sicherheit der Kinder.

Kontakt: Polizeioberkommissarin Katrin Kressing, Tel. 0551/ 491 2341; E-Mail: Katrin.Kressing@polizei.niedersachsen.de

Zur Person

Katrin Kressing (38) ist die erste Frau in der Funktion einer Kontaktbeamtin der Göttinger Polizei. Seit 18 Jahren ist sie bei der Polizei. 2007 war sie acht Monate im Kosovo bei einer UN-Auslandskommission. In ihrer Freizeit kümmert sie sich um zwei Pferde, einen Hund und drei Katzen. Kressing ist ledig und lebt in einer Lebensgemeinschaft. Sie ist in Göttingen aufgewachsen und entdeckt durch ihre Arbeit neue Ecken der Stadt, die sie früher nicht einmal auf einem Foto erkannt hätte. (mtg)

Von Marie-Therese Gewert

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