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Arno Hennig: Vom Göttinger Bundestagsabgeordneten zum Minister in Hessen

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Von: Thomas Kopietz

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Arno Hennig war der erste Bundestagsabgeordnete aus Göttingen. Er wurde 1949 und für die erste Legislaturperiode im Wahlkreis Göttingen-Münden direkt in den Bundestag gewählt – für die SPD.
Arno Hennig war der erste Bundestagsabgeordnete aus Göttingen. Er wurde 1949 und für die erste Legislaturperiode im Wahlkreis Göttingen-Münden direkt in den Bundestag gewählt – für die SPD. © Foto: SPD

Andreas Philippi wurde vom Bundestagsabgeordneten zum Minister in Hannover. Einen ähnlichen Weg ging Göttingens erster SPD-Bundestagsabgeordneter

Göttingen – Die SPD in Göttingen hat gerade einen Bundestagsabgeordneten verloren: Andreas Philippi wurde von Ministerpräsident Stephan Weil – natürlich auch SPD – aus Berlin nach Hannover beordert und zum Sozialminister gemacht. Ein ähnliches „Schicksal“ ereilte den ersten SPD-Bundestagskandidaten überhaupt – Arno Hennig wurde einst Minister im Nachbarland Hessen.

In der Geschichte der Göttinger SPD-Bundestagsabgeordneten ragten einige heraus, so der 2020 viel zu früh gestorbene Thomas Oppermann und die einstige Schatzmeisterin der SPD, Inge Wettig-Danielmeier. Der Wahlkreis Göttingen rückte aber über starke Abgeordnete immer auch in die bundes- und europaweite Aufmerksamkeit, dafür stehen Namen wie Jürgen Trittin (Grüne), einst Bundesumweltminister, und Christa Süßmuth (CDU) , die zur Bundestagspräsidentin avancierte und Kanzler Helmut Kohl nicht nur einmal die Stirn bot.

Arno Hennig zog ins Hohe Haus in Bonn ein

Wer aber war eigentlich der erste Bundetagsageordnete im damaligen Wahlkreis Göttingen-Münden? Nun, es war Arno Hennig, der nach der ersten Bundestagswahl ins hohe Haus in Bonn einzog. Hennig wäre am 24. Januar 125 Jahre alte geworden – und die Göttinger Sozialdemokraten erinnern deshalb jetzt erneut an ihn.

Arno Hennig war kein Göttinger. Er wurde am 24. Januar 1897 in Wolkau/Sachsen geboren. Nach dem Abitur besuchte er ein Lehrerseminar, studierte später in Würzburg Pädagogik und Naturwissenschaften. Da Lehrer in Sachsen entlassen wurden, wenn ihre Mitgliedschaft bekannt würde, trat er erst 1920 der SPD bei.

Mit der Ausrufung der Republik 1918 hatte die Verfolgung der Sozialdemokratie durch die Behörden des Kaiserreichs geendet, sodass für Beamte die Mitgliedschaft in der SPD möglich wurde.

Hennig kam aus der sächsischen SPD

Der kenntnisreiche und aktive Pädagoge übernahm bald wichtige Funktionen in der sächsischen SPD, die ihn 1928 zum Parteisekretär wählte. Den Verfolgungen durch die Nationalsozialisten konnte er sich als Vertreter für naturwissenschaftliche Lehrmittel entziehen, obwohl er mehrfach verhaftet wurde. Eine Rückkehr in den Lehrerberuf war ausgeschlossen.

Nach dem Ende der NS-Diktatur gehörte er zu den Wiedergründern der SPD in Sachsen. In seinem Heimatort Freital übertrug ihm 1945 die sowjetische Besatzungsmacht das Amt des Oberbürgermeisters. Da er als Gegner der Zwangsvereinigung von KPD und SPD auftrat, endete seine Amtszeit jedoch 1946.

Hennig floh in den Westen - arbeitete für die SPD in Hannover

Er floh in den Westen, wo ihn der SPD-Parteivorstand an ihrem Wiedergründungsort Hannover als Kulturreferenten beschäftigte. In dieser Aufgabe entwickelte Hennig das SPD-Programm für eine Kulturpolitik im demokratischen Staat, das die Zerstörungen der NS-Diktatur ausgleichen wollte.

Hennig kandidierte 1949 im Wahlkreis Göttingen-Münden

Als 1949 für die erste Bundestagswahl zahlreiche Wahlkreise zu besetzen waren, akzeptierte ihn die örtliche SPD des damaligen Wahlkreises Göttingen-Münden als ihren Kandidaten. Arno Hennig gewann das Direktmandat am 14. August klar vor seinem Mitbewerber Walter Drechsel von der FDP, die damals über eine starke Stellung in Südniedersachsen verfügte. Die CDU rangierte 1949 erst auf Platz 4 im Wahlkreis.

1953 verlor Hennig das Direktmandat an Walter Drechsel, der als Gemeinschaftskandidat der Parteien der Adenauer-Koalition kandidierte. CDU und Deutsche Partei (DP) verzichteten auf Direktkandidaten und warben nur für ihre Landeslisten. Hennig war auf der Landesliste nicht abgesichert.

Nach verlorener Wahl wird Hennig 1953 hessischer Kultusminister

Bereits im Dezember 1953 wurde er zum hessischen Kultusminister berufen. Dieses Amt gab er 1959 aus gesundheitlichen Ggründen auf.

Mit seiner Tätigkeit in Hessen verbindet sich die Landschulreform, die über das Programm von Mittelpunktschulen die Schulbildung im ländlichen Raum nachhaltig verbesserte, wie es in den SPD-Annalen heißt. In der Kulturpolitik förderte er die Kunstaustellung documenta, die 1955 in Kassel startete. Arno Hennig starb 1963 in Frankfurt/Main. (Thomas Kopietz/Klaus Wettig)

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