Mehrjährige Haftstrafe

Erster Prozess um Handel mit Crystal Meth in Göttingen

Göttingen. Mit einer neuartigen Form der Drogenkriminalität hat sich am Dienstag das Landgericht Göttingen beschäftigt.

Erstmals musste sich dort ein Angeklagter wegen illegaler Einfuhr und Handels mit der synthetischen Droge Crystal Meth verantworten.

Die Kammer verurteilte den 30-jährigen Mann aus Herzberg zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte im Frühjahr 2013 bei fünf Beschaffungsfahrten nach Tschechien in Verkaufsbuden kurz hinter der Grenze Crystal Meth erworben und nach Deutschland eingeführt hatte.

Seine mitangeklagte Ehefrau erhielt wegen Beihilfe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und elf Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die 29-Jährige hatte jeweils das Auto angemietet und ihren drogenabhängigen Mann, der zu der Zeit keinen Führerschein hatte, nach Tschechien gefahren.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war es der erste Prozess um die stark zerstörerische und abhängig machende Billigdroge im Bereich des Landgerichts Göttingen.

Die Polizei war damals im Rahmen von Ermittlungen im Drogenmilieu auf die Beschaffungstouren des 30-Jährigen aufmerksam geworden. Als die Fahnder mitbekamen, dass die Ehefrau erneut ein Auto gemietet hatte, folgten sie ihr bis zur tschechischen Grenze. Eine halbe Stunde nach der Einreise sei das Auto wieder aufgetaucht, berichtete ein als Zeuge geladener Polizeibeamter. In Bad Lauterberg stoppten die Fahnder schließlich das Fahrzeug. Bei der Durchsuchung entdeckten sie im Handschuhfach 40 Gramm Crystal Meth.

Nach Angaben der Ehefrau war ihr Mann stark von der Droge abhängig. Er sei immer sehr streitlustig und aufbrausend gewesen, wenn er „runter kam von diesem Zeug“. Sie habe Angst gehabt, dass er sie und das gemeinsame kleine Kind verlassen würde. Deshalb habe sie ihn bei den Fahrten begleitet.

Der 30-Jährige gab zunächst an, das Crystal Meth nur für den Eigenbedarf gekauft zu haben. Erst nach einigem Hin und Her räumte er ein, dass er die Drogen auch gewinnbringend an „Vorbesteller“ habe verkaufen wollen. Seinen Angaben zufolge hat er inzwischen eigenständig einen Entzug gemacht und ist seit eineinhalb Jahren „clean“. Nach Angaben seiner Bewährungshelferin hatte er in der Zeit seiner Methamphetamin-Abhängigkeit ein aggressives und bedrohliches Auftreten an den Tag gelegt. Inzwischen habe er sich sehr verändert.

Das Gericht blieb mit seinem Urteil knapp unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte für den 30-Jährigen eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren und für die Ehefrau eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert. Die Verteidigung hatte keinen konkreten Antrag gestellt. (pid)

Rubriklistenbild: © dpa

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