„Es gibt kaum wichtigere Anlässe“

Göttingen gedenkt der Atombombenabwürfe vor 75 Jahren

Gedenken an die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki: Eine Ausstellung am Göttinger Kornmarkt begleitete die Kundgebung.
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Gedenken an die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki: Eine Ausstellung am Göttinger Kornmarkt begleitete die Kundgebung.

Mit einer Kundgebung vor dem Alten Rathaus hat das Göttinger Friedensforum am Samstag an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vor 75 Jahren erinnert.

Göttingen – Die erste in einem Krieg eingesetzte Atombombe, die die Amerikaner am 6. August 1945 auf Hiroshima abwarfen, forderte Schätzungen bis zum heutigen Tag insgesamt bis zu 136 000 Todesopfer. Drei Tage später forderte ein weiterer Atombombenabwurf auf Nagasaki noch einmal 64 000 Tote.

„Hiroshima steht für die tödliche und zerstörerische Macht von Atomwaffen sowie das Leid der betroffenen Menschen“, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler als erster Redner. „Ein Leid, das sich niemals wiederholen darf!“ Köhler betonte, dass es „sicher schönere Anlässe“ gebe, um sich vor dem Alten Rathaus zu treffen. „Aber es gibt sicher kaum wichtigere.“ Seine Aufforderung an die Bundesregierung, den Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen zu unterzeichnen, honorierten die Anwesenden mit starkem Applaus.

Organisatorin Anne Schreiner (am Mikrofon) vom Göttinger Friedensforum moderierte die Veranstaltung und las aus den ergreifenden Erzählungen einer Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Hiroshima vor 75 Jahren.

Organisatorin Anne Schreiner vom Göttinger Friedensforum hatte zu Beginn der Veranstaltung die ergreifende Geschichte einer Japanerin vorgelesen, die den Bombenabwurf auf Hiroshima überlebt, dabei aber unter anderem ihre Schwester verloren hatte. Der Linken-Bundestagsabgeordnete und Friedensforscher Tobias Pflüger wies auf die aktuellen Möglichkeiten und Verpflichtungen hin, die der Menschheit heute aus der neuerlich ungebremsten Atomrüstung und konfliktreichen politischen Weltsituation erwachsen und forderte die bedingungslose Vernichtung aller Atomwaffen.

Genau wie Pflüger protestierten auch andere Redner wie Annette Ramaswamy von der Anti-Atom-Initiative Göttingen (AAI) gegen die in der Eifel bei Büchel gelagerten amerikanischen Atombomben, die im Kriegsfall von Piloten der Bundeswehr mit deutschen Atombombern ins Ziel getragen und abgeworfen werden sollen.

„Schon vor zehn Jahren hatte fraktionsübergreifend der Deutsche Bundestag gefordert, dass diese amerikanischen Atombomben aus Deutschland abgezogen werden sollten“, sagte Anne Schreiner. Die Realisierung dieses Beschlusses stehe aber leider immer noch aus.

Von Per Schröter

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