Lohnerhöhung in Gastronomie

Es gibt mehr Geld für Koch und Kellner

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Kein Zuckerschlecken: Ein Auszubildender im Koch-Beruf und sein Ausbilder unterhalten sich in der Küche beim Spargelschälen.

Göttingen. Nach den Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft bekommen Mitarbeiter in der Gastronomie mehr Geld. Was das für Betriebe bedeutet, erklärt ein Hotelleiter.

Die rund 4 330 Beschäftigten in Hotels, Restaurants und Gaststätten im Landkreis Göttingen bekommen ab diesem Monat mehr Geld. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit.

Demnach erhalten Köche und Kellner mit mehrjähriger Berufserfahrung 117 Euro mehr im Monat, das ist ein Anstieg von 5,2 Prozent.

Dass das Gehalt gleich zum ersten Jahr nach den Verhandlungen angehoben werde und nicht schrittweise, wie zuvor, sei neu, erklärt Olaf Feuerstein, Vorsitzender des Kreisverbandes Deutscher Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Göttingen Duderstadt. Und: „Ein so hoher Tarifabschluss ist mir aus den letzten 15, 20 Jahren nicht bekannt.“ Die letzte Erhöhung im Mai 2015 lag bei zwei bis 2,5 Prozent.

Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen begrüßt dieses Ergebnis in einer Pressemitteilung. „Die Arbeitgeber hätten erkannt, dass Fachleute im Gastgewerbe für ihre harte Arbeit auch besser bezahlt werden müssen“, so Gewerkschafter Manfred Tessmann. Die Gastronomie in Niedersachsen verzeichne solide Umsätze, von denen die Beschäftigten nun einen fairen Teil abbekommen, heißt es weiter.

Probleme mit Nachwuchs

Damit hofft die Branche auch, ihre Ausbildungsberufe für junge Menschen attraktiver zu machen. „Die Ausbildungssituation ist alles andere als gut“, sagt Olaf Feuerstein. Neben dem generellen Mangel an Azubis auf dem Arbeitsmarkt wollten viele studieren. Deshalb sei das jetzige Lohn-Plus für die Ausbildungsberufe, die im Gehaltsvergleich im unteren Mittelfeld lägen, ein „gutes Zeichen“, so Feuerstein.

Kosten umlegen

Für kleinere Betriebe stellt sich nun die Frage, wie sie diese Kosten umlegen. Christian Lockemann vom Landgasthaus Lockemann in Göttingen-Herberhausen findet die Erhöhung für seine Mitarbeiter gerechtfertigt – „für das, was die stemmen müssen, in dem Tempo und mit diesen Arbeitszeiten“.

Langfristig müsse auch er die Preise im Gasthof und Hotel wohl erhöhen, um diese Kosten umzulegen. Aber vorerst nicht, sagt er.

45 Beschäftigte arbeiten in dem Betrieb, den er zusammen mit seinem Bruder führt. Azubis sind auch bei ihm Fehlanzeige, „leider keine“. Woran das liegt? Lockemann spricht von Interessierten, die ihr Bild von Berufen in der Küche aus Kochsendungen im Fernsehen haben, „wo immer alles sofort da ist“. An Arbeitszeiten bis spät in die Nacht oder am Wochenende denken die wenigsten.

„Wenn man jemanden findet, dann muss derjenige das auch mit Herzblut machen“, sagt der Mit-Geschäftsführer. Solche Azubis gebe es zwar, aber die seien leider schwer zu finden.

Hintergrund: Das verdienen Koch und Bedienung

Der neue Tarifvertrag gilt für Mitglieder in der NGG und Betriebe der Dehoga. Er läuft bis zum 30. April 2019.

In den Tarifverträgen des Deutschen Hotel und Gaststättenverbandes sind Mitarbeiter im Gastrobetrieb in acht Gehaltklassen unterteilt.

Ein Koch verdient:

Im ersten und zweiten Berufsjahr nach abgeschlossener Ausbildung nach altem Vertrag 1.843 Euro, neu: 1.939 Euro;

Ab dem 4. Berufsjahr 2.097 Euro, neu: 2.206 Euro.

Mit mehrjähriger Berufserfahrung neu 2.365 Euro.

Eine Bedienung verdient:

Ohne spezifische Ausbildung, die angelernt wurde 1.641 Euro, neu 1.726 Euro.

Mit abgeschlossener Berufsausbildung und erweiterten Kenntnissen neu 2.206 Euro. 

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