Göttingen: Es läuft besser als bei vielen anderen

Die Tafel Göttingen ist bisher gut durch die Coronakrise gekommen

In der Tafel Göttingen: Birgit Schenke-Schneemann packt die Lebensmittel für einen Kunden zusammen.
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In der Tafel Göttingen: Birgit Schenke-Schneemann packt die Lebensmittel für einen Kunden zusammen, der ihr von der Theke aus sagt, was er haben möchte.

Die Kunden der Tafel Göttingen stauen sich vor dem Eingang. Einige sind mit Fahrrädern da, ein paar auch mit Hunden. Viele sprechen miteinander.

Göttingen – „Man kennt sich“, sagt Birgit Schenke-Schneemann, die an diesem Tag Nahrungsmittel der Tafel verteilt. Eine Kundin, die anonym bleiben möchte, sagt: „Davon kriege ich meine Familie zwei Tage lang satt.“

Es ist etwas anders als vor der Coronakrise. Nur vier Kunden dürfen zur selben Zeit im Laden sein. Als der erste Kunde rausgeht, ruft ein Ehrenamtlicher am Eingang: „Nummer fünf?“ Bereits eine Viertelstunde vor der eigentlichen Öffnungszeit um 14.30 Uhr haben die ersten Kunden Nummern bekommen und ihre Daten angegeben.

Als die Tafel die ersten Kunden hereinlässt, herrscht eine lockere Stimmung zwischen ihnen und den Ehrenamtlichen der Tafel. „Ihr seit heute aber früh dran“, sagt Schenke-Schneemann zu zwei jungen Männern, die gerade an der Theke stehen. Selbstbedienung gibt es hier nicht. Ehrenamtliche legen den Kunden die gewünschten Lebensmittel in eine Kiste, reichen sie über die Theke und die Kunden packen die Lebensmittel in mitgebrachte Taschen, Rucksäcke und Körbe.

Zwischen den üblichen Lebensmitteln wie Brot, Bananen und Paprikas stehen auch ein paar Besonderheiten. Oben auf dem Regal, in dem viele der Lebensmittel lagern, stehen zum Beispiel Proteinshakes und hinter der Theke Blumen. „Das sind meistens die Alten von Aldi“, sagt ein Ehrenamtlicher. Und Moritz Wiethaup, Geschäftsleiter der Tafel, sagt: „Kaviar ist eher selten, aber es findet sich immer wieder etwas Kurioses.“

Wiethaup ist erleichtert, dass die Krise die Tafel Göttingen nicht so hart getroffen hat. „Es gab vorübergehend einen starken Rückgang der Lebensmittelspenden, besonders zu der Zeit, als viele Leute gehamstert haben“, sagt Wiethaup: „Trotzdem konnten wir den Betrieb mit guten Kontakten zu Einzelhändlern am Laufen halten.“

Das sei bei den ländlichen Tafeln anders. „Je weiter die Wege sind, umso schwieriger wird es, den Transport zu organisieren – gerade in der Krise“, sagt Wiethaup. Auch beim Geld sehe es in Göttingen nicht so schlimm aus. „Die Stadt Göttingen hat uns finanziell unterstützt“, sagt der Geschäftsleiter. Außerdem konnte die Tafel mit der Unterstützung der „Aktion Mensch“ ihren Lieferservice ausbauen.

Auch Geld-Spenden seien wichtig, aber schwer kalkulierbar, und Kundenbeiträge. „Wir hatten nur einen leichten Rückgang“, sagt Wiethaup. Anfang Mai seien viele neue hinzugekommen. „Wahrscheinlich wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage“, sagt er.

Dafür seien aber viele Bekannte seit Monaten nicht mehr da gewesen. „Ich kann nur vermuten, dass sie das Risiko scheuen. Viele gehören zu einer Risikogruppe“, sagt der Geschäftsleiter. Eine schwierige finanzielle Lage habe oft Krankheiten zur Folge.  

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